Energiekosten
Höchster Strompreis Europas: Warum sich ein Stromanbieter-Wechsel lohnt

Wer den Stromanbieter wechselt, kann mehrere hundert Euro im Jahr sparen. Der stern erklärt, wie der Umstieg in sechs einfachen Schritten gelingt und worauf Sie achten müssen
Stromanbieter Wechsel: Es geht ganz einfach
Den Stromanbieter zu wechseln, ist so leicht, wie eine Glühbirne zu tauschen
© Witthaya Prasongsin / Getty Images

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In Deutschland zahlen Verbraucher die höchsten Strompreise Europas. Rund 40 Cent kostet die Kilowattstunde im Schnitt. Laut Eurostat ein Spitzenwert in der EU. Dabei finden Neukunden bereits Tarife ab etwa 26 Cent pro Kilowattstunde, wie Daten des Vergleichsportals Verivox zeigen.

Den Preisanstieg trieb vor allem der russische Angriff auf die Ukraine. Die Großhandelskosten stiegen sprunghaft, Billiganbieter gerieten in Schieflage, viele Kunden landeten in der teuren Grundversorgung. Inzwischen haben sich die Preise wieder normalisiert. Trotzdem zahlt eine Mehrheit der Haushalte weiter den alten, teureren Tarif.

Die Bundesnetzagentur sieht jedoch eine Trendwende. Rund 7,1 Millionen Stromkunden wechselten 2024 ihren Anbieter. Der Präsident der Behörde erklärt: „Unsere Daten zeigen: Wer die Grundversorgung verlässt, kann mehrere hundert Euro pro Jahr sparen. Allein 2024 konnten deutsche Haushalte durch Vertrags- und Lieferantenwechsel rund 2,2 Milliarden Euro bei den Energiekosten einsparen.“

Auch der Umstieg auf Ökostrom kann das Budget entlasten. Grüner Strom kostet inzwischen meist so viel wie konventioneller, in manchen Tarifen sogar weniger.

Warum viele zögern, den Stromanbieter zu wechseln

Trotz hoher Sparpotenziale bleibt eine Mehrheit der Haushalte beim alten Vertrag. Die Gründe wiederholen sich.

  • Bequemlichkeit: Ein einmal abgeschlossener Stromvertrag läuft fast unbemerkt weiter. Ohne Druck setzen sich viele nicht mit Vergleichsangeboten und Kündigungsfristen auseinander, selbst wenn ein Wechsel sich rechnen würde.
  • Angst vor Problemen: Stromversorgung gilt als komplex. Manche fürchten Pannen beim Wechsel oder einen unzuverlässigen neuen Anbieter. Diese Sorge ist meist unbegründet, lähmt aber dennoch.
  • Unübersichtlichkeit des Angebots: Haushaltskunden konnten 2024 laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur im Durchschnitt zwischen 139 Anbietern wählen. Die schiere Zahl überfordert, zumal sich Tarife nicht nur im Preis, sondern auch in Laufzeit, Boni und Zusatzleistungen unterscheiden.
  • Misstrauen gegenüber Angeboten: Neukundenboni sehen attraktiv aus, gelten aber häufig nur einmalig und verschleiern hohe Grundpreise. Aus Furcht vor solchen Fallen verzichten manche lieber ganz auf den Wechsel.
  • Verpasste Kündigungsfristen: Stromverträge verlängern sich automatisch, wenn niemand kündigt. Viele schieben den Wechsel deshalb auf, statt rechtzeitig zu reagieren.
  • Informationsdefizit: Viele Haushalte wissen nicht, dass der Wechsel unkompliziert möglich ist und keine Stromunterbrechung verursacht.
  • Geringe Einsparpotenziale: Vermeintlich geringe Ersparnis: Wer nur wenige Euro im Monat sparen kann, scheut den Aufwand und akzeptiert lieber die wahrgenommenen Risiken.

Stromanbieter wechseln ohne Stromausfall: So sicher ist der Übergang

Die größte Sorge lautet: Was, wenn beim Wechsel etwas schiefgeht und der Strom plötzlich weg ist? Diese Angst ist unbegründet. Der Anbieter liefert den Strom nicht selbst, dafür sorgt der regionale Netzbetreiber. Der bleibt bei einem Anbieterwechsel immer derselbe. 

An der Steckdose ändert sich also nichts. Auch die Abrechnung ist abgesichert. Fällt der gewählte Stromanbieter aus, übernimmt der Grundversorger automatisch für maximal drei Monate. Diese Ersatzversorgung überbrückt die Zeit, bis ein neuer Vertrag steht oder die Frist abläuft.

Wer in dieser Phase nicht aktiv wird, rutscht anschließend in die reguläre Grundversorgung. Dort kann jeder bleiben, der keinen aktiven Vertrag abschließt. Sie kostet allerdings mehr als ein gewöhnlicher Sondertarif. Da die Kündigungsfrist nur zwei Wochen beträgt, lässt sie sich jederzeit verlassen.

Diese Kostenfallen lauern beim Stromanbieter-Wechsel

Günstige Angebote halten nicht immer, was sie versprechen. Einige Tarife bergen Risiken, die den Spareffekt schnell aufzehren. Wer die typischen Fallen kennt, erkennt sie sofort.

  • Vorkasse: Manche Anbieter verlangen eine Vorauszahlung für ein ganzes Jahr. Geht das Unternehmen pleite, ist dieses Geld vorerst verloren. Solche Tarife sollten Sie meiden. Seriöse Versorger wie EnBW, E.ON, LichtBlick, Octopus Energy oder rabot.energy ziehen nur einen monatlichen Abschlag ein und rechnen einmal jährlich ab.
  • Bonusfallen: Hohe Neukunden- oder Sofortboni machen das erste Jahr günstig, danach steigen die Preise oft drastisch. Achten Sie deshalb darauf, dass der Arbeitspreis pro Kilowattstunde auch ohne Bonus konkurrenzfähig bleibt. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen kritisiert zudem, dass unseriöse Anbieter Boni gar nicht oder erst am Ende der Laufzeit auszahlen.
  • Kurze Preisgarantien: Eine Preisgarantie schützt vor Erhöhungen. Ist sie kürzer als die Vertragslaufzeit, kann der Anbieter zwischendurch die Preise anheben. Ideal sind Preisgarantien, die mindestens so lang gelten wie die Erstlaufzeit.
  • Zu lange Laufzeiten: Mehr als zwölf Monate sollte ein Vertrag nicht binden, 24 Monate sind die Obergrenze. Längere Bindungen kosten Flexibilität und verhindern, dass Sie von sinkenden Preisen profitieren. Die Kündigungsfrist sollte zudem höchstens sechs Wochen vor Vertragsende liegen.
  • Versteckte Gebühren: Manche Versorger verstecken Zusatzkosten im Kleingedruckten, etwa Service-Pauschalen für die Vertragsabwicklung, Gebühren für die Jahresabrechnung oder Aufschläge für bestimmte Zahlungsarten. Diese Posten summieren sich und machen scheinbar günstige Tarife teuer.

So erkennen Sie einen guten Stromtarif

Ein guter Tarif zeichnet sich vor allem durch Transparenz aus. Wer in den Vertrag schaut, sollte sofort sehen, wie sich der Preis zusammensetzt und welche Konditionen gelten. Vier Kriterien helfen bei der Auswahl.   

  • Preisgarantie: Sie sollte mindestens so lang gelten wie die Erstlaufzeit, idealerweise zwölf Monate. Wichtig ist außerdem, ob nur der Energiepreis oder auch Netzentgelte und staatliche Umlagen garantiert sind. Wechseln Sie nur zu Anbietern, die den Gesamtpreis zusichern.
  • Zahlungsmodell: Monatliche Abschläge sind Standard. Sie zahlen eine geschätzte Rate, die auf Ihrem Jahresverbrauch basiert. Am Jahresende erfolgt die Abrechnung mit Gutschrift oder Nachzahlung.
  • Gesamtpreis statt Arbeitspreis: Vergleichsportale sortieren oft nach dem Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Entscheidend ist jedoch der Gesamtpreis pro Jahr, also Grund- plus Arbeitspreis. Der Grundpreis fällt monatlich an, unabhängig vom Verbrauch. Gerade in kleinen Haushalten schlägt er kräftig zu Buche.
  • Echter Ökostrom: Wer auf grüne Energie umsteigen möchte, sollte auf 100 Prozent Anteil aus erneuerbaren Quellen achten. Anerkannte Siegel wie das Grüner-Strom-Label oder ok-power dienen als Nachweis. Anbieter wie LichtBlick, Green Planet Energy oder ENTEGA weisen sie auf ihren Websites aus.

Wann sich der Wechsel des Stromanbieters besonders lohnt

Grundsätzlich gilt: Ein Wechsel lohnt sich immer dann, wenn er Geld spart oder bessere Konditionen bringt. Vier Anlässe sind allerdings besonders günstig.

  • Umzug: Beim Wohnortwechsel greift oft ein Sonderkündigungsrecht. Wer den Anbieter mindestens sechs Wochen vorher informiert, kann den Vertrag beenden, sofern der Versorger an der neuen Adresse nicht liefert. Andernfalls lässt sich der Vertrag mitnehmen oder regulär kündigen.
  • Grundversorgung: Wer in der Grundversorgung steckt (zu erkennen auf der Stromrechnung), zahlt den teuersten Tarif am Markt. Die Kündigungsfrist beträgt nur zwei Wochen, ein Wechsel ist also jederzeit möglich.
  • Ende der Vertragslaufzeit: Läuft der Vertrag aus, gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit einen günstigeren Tarif. Wichtig ist, rechtzeitig zu kündigen, die Fristen liegen meist zwischen vier und sechs Wochen vor Laufzeitende. Profi-Tipp: gleich nach Vertragsbeginn kündigen. So verhindern Sie die automatische Verlängerung und kassieren zum Laufzeitende oft noch ein günstigeres Halteangebot des alten Anbieters.
  • Preiserhöhung: Erhöht der Anbieter den Strompreis, gilt ein Sonderkündigungsrecht. Da der Versorger mindestens einen Monat vorher schriftlich informieren muss, bleibt genug Zeit zur Reaktion. Kündigen Sie schriftlich per Einschreiben oder per E-Mail mit Lesebestätigung und bewahren Sie eine Kopie auf.

Stromanbieter wechseln in sechs Schritten

Der Wechsel ist leichter, als die meisten denken. Technische Kenntnisse, Handwerker oder Papierkram mit dem alten Anbieter sind nicht nötig.

  1. Schritt: Sammeln Sie die nötigen Daten: Postleitzahl, Jahresverbrauch, Zählernummer und idealerweise die Kundennummer beim aktuellen Anbieter. Alle Angaben stehen auf der letzten Jahresabrechnung.
  2. Schritt: Wählen Sie mithilfe von Vergleichsportalen wie Verivox und Check24 einen neuen Tarif aus oder besuchen Sie die Websites Ihrer Wunschanbieter. Dort können Sie Ihre Daten eingeben, um unverbindliche Angebote zu erhalten. Achten Sie auf die oben genannten Kriterien: Preisgarantie, kurze Laufzeiten, keine Vorkasse.
  3. Schritt: Schließen Sie den neuen Vertrag über das Vergleichsportal oder die Anbieterseite ab. Ein einfaches Formular genügt. Den alten Anbieter müssen Sie nicht kündigen, das übernimmt der neue. Innerhalb von 14 Tagen lässt sich der Vertrag widerrufen.
  4. Schritt: Warten Sie auf die Bestätigung. Der neue Versorger stimmt den Wechseltermin mit dem alten ab und informiert Sie über das genaue Datum. Üblicherweise dauert dieser Vorgang bis zu zwei Wochen.
  5. Schritt: Am Wechseltag übermitteln Sie den Zählerstand. Meist verschickt der neue Anbieter dafür ein Online-Formular. Wichtig: Machen Sie ein Foto vom Zähler, auf dem Zählerstand und Zählernummer zu sehen sind. So haben Sie bei Streit immer einen Nachweis.
  6. Schritt: Der Tarif läuft, die Rechnung sinkt. Damit hört die Arbeit aber nicht auf. Setzen Sie sich eine jährliche Erinnerung und prüfen Sie etwa zehn Monate nach Vertragsbeginn erneut die Tarife. Liegt ein besseres Angebot vor, kündigen Sie rechtzeitig und wechseln noch einmal. Mit diesem Rhythmus zahlen Sie dauerhaft möglichst wenig

Redaktionelles Fazit

Den Stromanbieter regelmäßig zu wechseln, lohnt sich. Eine halbe Stunde Aufwand bringt oft mehrere hundert Euro Ersparnis pro Jahr. Selbst wenn etwas mit dem neuen Anbieter schiefgehen sollte, bleibt die Stromversorgung jederzeit gesichert. Wer die genannten Kostenfallen meidet und gleich nach Vertragsbeginn an die nächste Kündigung denkt, bleibt dauerhaft im günstigen Tarif.

FAQ: Stromanbieter wechseln

Wie wechsle ich den Stromanbieter?

Sie sammeln Postleitzahl, Jahresverbrauch und Zählernummer von der letzten Stromrechnung, wählen über ein Vergleichsportal wie Verivox oder Check24 einen passenden Tarif und schließen ihn online ab. Den alten Vertrag kündigt der neue Anbieter automatisch für Sie. Der Wechsel dauert in der Regel bis zu zwei Wochen.

Kann es beim Stromanbieter-Wechsel zu einem Stromausfall kommen?

Nein. Den Strom liefert immer der regionale Netzbetreiber, und der bleibt bei einem Anbieterwechsel derselbe. An der Steckdose ändert sich nichts. Sollte der neue Versorger ausfallen, übernimmt der Grundversorger für maximal drei Monate automatisch (Ersatzversorgung).

Wie lange dauert es, den Stromanbieter zu wechseln?

Der eigentliche Anbieterwechsel ist meist innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen. In Einzelfällen kann er länger dauern. Beim Übergang aus der Grundversorgung beträgt die Kündigungsfrist nur zwei Wochen.

Was kostet es, den Stromanbieter zu wechseln?

Der Wechsel selbst ist kostenlos. Es fallen keine Gebühren an, weder vom alten noch vom neuen Anbieter. Bezahlt wird ausschließlich der neue Tarif.

Wie oft sollte man den Stromanbieter wechseln?

Im Idealfall einmal jährlich. Wer rund zehn Monate nach Vertragsabschluss die Tarife prüft und rechtzeitig kündigt, bleibt dauerhaft im günstigen Bereich und vermeidet Preisaufschläge im zweiten Jahr.

Wann lohnt sich der Wechsel des Stromanbieters besonders?

Besonders bei einem Umzug, in der Grundversorgung, am Ende der Vertragslaufzeit und nach einer Preiserhöhung des Anbieters. In allen vier Fällen lässt sich der Vertrag schneller oder per Sonderkündigungsrecht beenden.

Welche Unterlagen brauche ich für den Stromanbieter-Wechsel?

Postleitzahl, Jahresverbrauch in Kilowattstunden, Zählernummer und idealerweise die Kundennummer beim aktuellen Anbieter. Alle Daten stehen auf der letzten Jahresabrechnung.