Gut zu wissen Fünf teure Irrtümer über Immobilien


Sind Immobilien wirklich sicher? Bleibt die monatliche Belastung beim Kauf eigentlich immer gleich? Und ist Miete wirklich verschenktes Geld?

Die monatliche Belastung für die Immobilien-Finanzierung bleibt gleich.

Falsch, denn jeder Kreditvertrag wird zunächst nur für fünf, zehn oder 15 Jahre abgeschlossen, danach wird neu gerechnet. Außerdem wird das Auslaufen der Eigenheimzulage vergessen. Ein Beispiel: Bei einer Familie mit zwei Kindern und einem Darlehen von 200.000 Euro beträgt die monatliche Anfangsbelastung bei einprozentiger Tilgung 742 Euro. Nach fünf Jahren endet die so genannte Zinsbindungsfrist, also der erste Kreditvertrag, und die Finanzierung wird neu abgeschlossen - diesmal allerdings nicht wieder zu 5,5 Prozent, sondern zu acht, weil die Zinsen wieder in Richtung des historischen Durchschnittssatzes für Hypotheken gestiegen sind. So steigt die Monatsbelastung auf 1.063 Euro. Weitere drei Jahre später endet die Eigenheimzulage, und die Monatsbelastung steigt um weitere 340 Euro auf gut 1.400 Euro. Das Ende der Zinsbindung kann aber auch konstruktiv genutzt werden. Es bietet nämlich den ersten guten Ausstiegszeitpunkt. Die Immobilie könnte (nach Ablauf von zehn Jahren sogar steuerfrei!) verkauft werden, oder man lässt die Finanzierung laufen und vermietet das Objekt.

Immobilien sind sicher!

Das stimmte mehrere Jahrzehnte lang, ist in Zukunft aber nicht mehr selbstverständlich. In Ostdeutschland beispielsweise haben Immobilienbesitzer seit Mitte der neunziger Jahre einen drastischen Wertverfall erlebt, teilweise halbierten sich hier die Preise. Außerdem wird die demografische Entwicklung (möglicherweise nimmt die Bevölkerung in Europa in den nächsten 25 Jahren um ein Viertel ab) dazu führen, dass nicht mehr so viele Häuser gebraucht werden wie im vergangenen Jahrhundert.

Je früher eine Immobilie erworben wird, desto besser.

Das ist zu pauschal. Sie müssen nicht sofort kaufen. Sie können zunächst auch für ein bis zwei Jahre das Geld, das Sie neben Ihrer Miete in eine Wohnung investieren möchten, auf einem Tagesgeldkonto sparen. Dadurch bilden Sie Eigenkapital und finden so vor allem heraus, ob Sie diese Sparleistung auch tatsächlich durchhalten können. Immobilien werfen nur sehr niedrige Renditen ab. Sie machen also keinen Fehler, wenn Sie Ihr Geld zunächst in lukrativere Anlagen investieren. Sie können jederzeit im Verlauf Ihres Lebens Ihr Vermögen in eine Immobilie umschichten.

Miete ist verschenktes Geld.

Auch zu pauschal, denn zur Miete wohnen ist bequem, und Sie können sich an neue Lebenslagen anpassen. Außerdem "verschenken" Sie bei einer Baufinanzierung viel Zinsen an die Bank. Die echten finanziellen Vorteile von Wohneigentum gegenüber einer guten Geldanlage sind eher gering. Häufig kommt es auch zu Verlusten - beispielsweise wenn schon beim Kauf oder der Finanzierung grobe Fehler gemacht wurden. Oder wenn die Immobilie vorzeitig verkauft werden muss, weil eine Ehe in die Brüche gegangen ist. Allerdings fällt es vielen Menschen leichter, ihre Immobilie abzuzahlen, als zu sparen.

"Ich besitze nichts, das Haus gehört doch der Bank."

Falsch. Nur derjenige Teil Ihrer Immobilie "gehört" der Bank (genauer: er ist verpfändet für den Fall der Zahlungsunfähigkeit), der noch nicht abbezahlt, also getilgt wurde. Ihre persönliche Vermögensbilanz ist in der Regel positiv, denn hier steht dem Restdarlehen der aktuelle Wert der kompletten Immobilie gegenüber.

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