Aktien Keine Trendwende für den DAX


Die zukünftige Entwicklung des DAX bereitet den Analysten graue Haare. Sie sehen keine positive Erholung auf absehbare Zeit.

Der DAX bleibt das Sorgenkind der Analysten. Sie sehen auf absehbare Zeit keine dauerhafte Erholung am deutschen Aktienmarkt voraus. Seit rund einem Jahr befinde sich der Deutsche Aktienindex in einem Abwärtskanal, der aus charttechnischer Sicht nach wie vor anhalte, erläuterten Analysten. Auf absehbare Zeit sei nicht mit einer nachhaltigen Umkehr nach oben zu rechnen. Vielmer würden sich die Aktienbörsen in den kommenden Wochen wohl weiter als »Trading-Markets« präsentieren, also mit kurzfristigen Auf- und Abwärtsschwankungen insgesamt seitwärts tendieren.

Seit Anfang März 2000 hat der Dax rund ein Viertel seines Punktestands von damals knapp 8100 Zählern eingebüßt. Am Freitag notierte das Börsenbarometer mit rund 6100 Punkten notiert das Barometer knapp 700 Zähler unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Der Dow-Jones-Index für 30 führende US-Konzerne gab in den vergangenen zwölf Monaten etwas moderater um gut zehn Prozent nach. Der Index der US-Technologiebörse Nasdaq stürzte derweil um fast zwei Drittel auf aktuell 2183 Zähler ab. Der Nemax-50-Index des Frankfurter Neuen Marktes folgte seinem US-Vorbild und verlor in Jahresfrist etwa 80 Prozent von 9665 auf 1845 Zähler.Das Kursbarometer liegt damit mehr als 2000 Punkte unter seiner 200-Tage-Linie.

Langfristige Anleger sollten sich zurückhalten

Aktienexperten halten es für unwahrscheinlich, dass die deutschen Indizes die Verluste der vergangenen Monate schon bald wieder gut machen. Nach Einschätzung von Ludwig Gutmann, technischer Analyst bei der Bayerischen Landesbank, könnten sich in den kommenden Wochen allenfalls Chancen ergeben, kurzfristig Gewinne mitzunehmen. Langfristig orientierte Anleger sollten sich allerdings mit Engagements zurückhalten, warnte Gutmann. »Derzeit ist der übergeordnete Abwärtstrend im Dax - der seit März vergangenen Jahres besteht - intakt«, sagt Gutmann. »Wenn man in der derzeitigen Situation auf steigende Kurse spekuliert, handelt man gegen den vorherrschenden Trend.«

Amerika gibt den Takt vor

Die Experten für Kursverläufe stimmen überein, dass sich sowohl die amerikanischen als auch die deutschen Märkte charttechnisch in einer kritischen Situation befinden. Momentan schwebt der Dax nach Worten von Delbrück-Analyst Dietmar Rübsamen über der charttechnisch signifikanten Marke von 6100 Punkten. Bereits vergangene Woche habe das Kursbarometer unterhalb dieser Linie geschlossen. »Signifikant wäre die Situation geworden, wenn der Dow-Jones-Index die Unterstützung bei 10.300 Punkten nicht verteidigt, sondern ebenfalls nach unten durchbrochen hätte.« Sollte der Standarwerte-Index der Wall Street diesen Bereich nachhaltig durchbrechen, würde sich das sehr negativ auf den Dax auswirken, sagte Rübsamen.

Ist die Talsohle erreicht ?

Vorübergehende Dax-Aufwärtstendenzen wie Anfang dieser Woche sind nach Ansicht von Charttechnikern derzeit allenfalls als technische Korrekturen zu bewerten. »Was wir dort getan haben, war, einen kurzfristig überverkauften Zustand im Markt abzubauen«, erläuterte Uwe Wagner von der Deutschen Bank. Er hält es für wahrscheinlich, dass sich der Dax in den kommenden Wochen in einer recht breitgefassten Zone befestigen könnte. »Die untere Begrenzung dieser Zone sehen wir bei 6100 beziehungsweise 6000 Punkten. Der Bereich um 6600 Zähler wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Obergrenze ergeben.«

Auch Landesbank-Analyst Gutmann rechnet nicht unbedingt damit, dass der Index kurzfristig weiter abrutschten wird, da der Markt überverkauft sei. »Sollten wir dennoch wieder deutlicher zurückkommen, dann könnten die jüngsten Tiefs getestet werden und dann könnte sich der Bärenmarkt fortsetzen.« Potenzielle Aufwärtstendenzen dürften dem Chart-Experten zufolge nur einige Tage anhalten. Rübsamen blickt etwas optimistischer in die Zukunft. Das Erholungspotenzial der US-Technologiebörse Nasdaq sei groß, sagte er. Der Markt könnte in den nächsten sechs Monaten um 25 Prozent steigen, was auch die deutschen Börsen beleben würde. »Der Dax könnte Potenzial bis über 6800 Punkte haben«, prognostizierte Rübsamen.

Mögliches Comeback für Banken-, Auto- und Technologiewerte

Sollten die deutschen Märkte infolge einer Erholung an den US-Börsen doch ins nachhaltig ins Positive drehen, hätten nach Einschätzung von Rübsamen ausgewählte Technologietitel ein kräftiges Aufwärtspotenzial. Auch bei Banken- und Automobilwerten deuteten die Zeichen auf Zuwächse, während Versorger- und Pharma-Aktien charttechnisch gesehen keine Kursgewinne versprächen. Beim Neuen Markt für Wachstums- und Technologiewerte, dessen Indizes in diesen Tagen rekordverdächtige Tiefststände markierten, zeigten sich Chartanalysten beinahe ratlos. Es gleiche einem technischen Niemandsland, sagte Sandra Schiller von der Commerzbank. »Momentan können wir kein Ende sehen.«


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