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Albrechts Aldi-Idee: Die Discounter-Revolution

Karl und Theo Albrecht schufen ein Modell für den Einzelhandel. Die geniale Discounter-Idee wird inzwischen sogar von Fluglinien in den Himmel getragen. Eine Analyse des Erfolgs von Aldi.

Von Birgit Dengel, Gregor Haake und Matthias Brügge

Mit der Idee, Lebensmittel direkt aus dem Karton zu verkaufen und das Lebensmittelgeschäft auf seine Grundfunktion zu reduzieren, hat Aldi den Einzelhandel in Deutschland revolutioniert. Die Aldi-Brüder Karl und Theo schufen ein Prinzip, das rund 50 Jahre nach Eröffnung des ersten Aldi-Marktes in viele Bereiche von Handel und Dienstleistung hinein strahlt, und dem das einfache Motto zugrunde liegt: Beschränkung auf die Grundfunktionen und billig um jeden Preis.

Die Aldi-Brüder begannen als traditionelle Einzelhändler. Sie übernahmen den Essener Lebensmittelladen der Mutter, öffneten eine Reihe neuer Geschäfte und expandierten. In den 1950er-Jahren betrieben die Albrechts eine Kette herkömmlicher Geschäfte, in denen sie unterschiedliche Marktkonzepte testeten. Der Siegeszug der Discounter begann in den frühen 60er-Jahren im Westen der Republik, wo die ersten Geschäfte nach dem neuen Grundprinzip eröffnet wurden. Dort gilt seitdem das Prinzip: wenig Auswahl, aber günstige Preise.

Aus dem Namen Albrecht Discount leitet sich auch der Unternehmensname ab. Die Brüder teilten ihr Geschäft auf in Aldi Nord (Theo Albrecht) und Aldi Süd (Karl Albrecht) und agierten weitgehend unabhängig voneinander, aber mit der gleichen Grundidee. Sie schufen damit ein Milliardenimperium, ohne das der Einzelhandel in Deutschland heute undenkbar wäre.

Auf der Homepage des Unternehmens erläutert Aldi - stimmig mit der offensiv vertretenen Grundidee, dem Verbraucher die günstigsten Preise zu bieten - das sogenannte Aldi-Prinzip. Dahinter steht: Es gibt pro Warengruppe nur einen Artikel. Die Ware wird direkt aus dem Karton oder von der Palette verkauft, alles ist standardisiert, das Sortiment ist überschaubar.

Mit diesem Prinzip spart Aldi eine Menge Geld im Vergleich zu klassischen Supermärkten, was den Verkaufspreis begünstigt. Gleichzeitig verleiht es der Kette beim Einkauf eine Handelsmacht, die die Lieferanten nach Kräften drücken kann. Im Aldi-Sortiment vertreten zu sein - oder aus ihm herauszufliegen -, kann über Wohl und Wehe eines Herstellers entscheiden.

Bei Lieferanten gilt Aldi als sehr verlässlicher Partner, der stark auf Qualität achtet. Aldi ist streng, aber eben verlässlich. Von anderen Discountern in Deutschland wird berichtet, das Preise nachverhandelt werden, mit dem Ziel, die Händler immer tiefer zu drücken. Seine Manager bezahlt Aldi im Vergleich mit anderen Händlern sehr gut. Das bringt Loyalität und Motivation. Ein höherer Aldi-Manager verdient im Jahr schätzungsweise um die 450.000 Euro, heißt es.

Beim Sortiment verzichtet Aldi vordergründig auf Markenware und konzentriert sich auf Produkte mit schneller Abverkaufszeit, sogenannte Schnelldreher. In der Anfangszeit schuf man eine Reihe von Fantasiemarken - die mittlerweile zu Aldi-spezifischen Eigenmarken avancierten. Auch konnten die Lieferanten für klassische Markenprodukte das Discountersegment nicht komplett ignorieren - und liefern Markenprodukte zu, die in Aldi-Märkten im Gewand von Aldi-Marken angeboten werden. Es kursieren Ratgeber in Buchform, die auflösen, hinter welcher Aldi-Marke welches Markenprodukt steckt.

Es gelang Aldi mittlerweile, das in den 80er- und 90er Jahren anhaftende Image eines Billigheimers und Versorgers der unteren Bevölkerungsschichten abzuschütteln. Vor Aldi-Märkten parkt neben den üblichen Gebrauchsautos der deutschen die ganze Bandbreite automobiler Statussymbole: Vom Porsche bis zum Edel-SUV aus süddeutscher oder schwedischer Produktion.

Aldi-Prinzip geht in die Luft

Die Idee des Discounters strahlte ab in das Feld der Dienstleistungen. So trugen Billigfluglinien wie Ryanair oder Easyjet das Aldi-Prinzip in die Luft. Bei Bekleidung lässt sich ohne Übertreibung sagen, dass Ketten wie Kik, H&M oder Zara auf dem gleichen Prinzip fußen.

Das Erfolgsprinzip ließ die Aldi-Brüder zu den reichsten Männern Deutschlands aufsteigen. Trotz Wirtschaftskrise behaupteten sich Karl und Theo Albrecht nach Schätzungen des "Manager Magazins" auch 2009 auf Platz eins und zwei der reichsten Deutschen. Sie verfügten über ein geschätztes Vermögen von 17,35 beziehungsweise 16,75 Mrd. Euro. Während die beiden reichsten Deutschen ihr Vermögen durch den Verkauf von Discountware schufen, ist der Blick nach Frankreich interessant. Der reichste Franzose, Bernard Arnault, machte sein Vermögen mit Luxusgütern - und ist heute Inhaber des Luxusgüterkonglomerats LVMH.

FTD
  • Matthias Brügge

    Videoredakteur