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So stressig ist Arbeiten bei Amazon: "Lieber Jeff Bezos, mein Mann brauchte eine Therapie"

Beth Anderson hat nie bei Amazon gearbeitet. Aber ihr Mann. In einem offenen Brief an Amazon-CEO Jeff Bezos erzählt sie von schlaflosen Nächten und abgesagten Urlauben. 

Amazon CEO Bezos auf der Bühne

Wie schlimm ist es wirklich für diesen Mann zu arbeiten? Lobeshymnen und Horror-Stories treffen hier aufeinander. 

Enormer Druck, 80-Stunden-Wochen, weinende Mitarbeiter – in einem "New York Times"-Artikel beschreiben ehemalige Amazon-Mitarbeiter Horror-Szenarien. Von Mobbing und "zielgerichtetem Darwinismus" ist die Rede. Nach dem ersten Aufschrei eilten viele zur Ehrenrettung Amazons herbei. Jay Carney, Vizepräsident für internationale Angelegenheiten bei Amazon, sprach in der Morgenshow von CBS: Amazon wäre nicht so erfolgreich, wenn es die Firma wäre, die die New York Times beschreibt.

Jetzt meldet sich Beth Anderson zu Wort, ihr Mann hat von 2007 bis 2013 bei Amazon gearbeitet Er und sein Team waren für die Software in den Warenlagern zuständig – weltweit. Nach der Arbeit bei Amazon hätte er eine Therapie gebraucht, so Anderson. Ihre Reaktion wurde von dem Memo ausgelöst, dass Bezos an seine Mitarbeiter geschickt hat. Darin erklärte der CEO, dies sei nicht das Amazon, dass er kennen würde. Jegliche Vorfälle wie in dem Artikel beschrieben, sollen bitte umgehend bei ihm gemeldet werden. Auf Twitter fragte Anderson sich dann öffentlich, ob sich wohl auch Lebenspartner von ehemaligen Angestellten angesprochen fühlen dürfen.  

Immer erreichbar - mitten in der Nacht und im Urlaub

Für die Nachrichten-Seite "Quartz" hat sie einen offenen Brief an Bezos verfasst. Die erste Zeit sei schillernd und berauschend gewesen, die beiden sind für den Job ihres Mannes extra nach Seattle gezogen und hatten das Gefühl, die Leiter raufgeklettert zu sein. Doch der Pager ihres Mannes ging rund um die Uhr – mitten in der Nacht, wenn die Software in China nicht funktionierte, am frühen Morgen wenn es Probleme in Großbritannien gab und zur normalen Arbeitszeit, wenn es in Kentucky klemmte. Wann immer ihr Mann auf Rufbereitschaft war, verschwand er die ganze Woche hinter seinem Laptop. Einmal ging der Pager 64 Mal, der Höchstwert wie Anderson sagt, natürlich immer außerhalb der üblichen Arbeitszeiten.

Jeff Bezos sayspeopleshouldemail himdirectlywithAmazon horrorstories. Wonder ifhe also meantspousesofformerAmazonians?

— Beth (@JadeEJF) 17. August 2015

Internet immer in Reichweite haben

Innerhalb von 15 Minuten musste er reagieren, sobald sein Pager klingelte. Egal, unter welcher Bedingung. Ansonsten gab es Ärger von seinem Vorgesetzten. Beth Anderson beschreibt sich als sein Eine-Frau-Unterstützer-Team: Sie hat ihn nachts geweckt, wenn sein Pager losging, auf langen Autofahrten nach Wifi gesucht und Urlaub so geplant, dass sie sich niemals weiter als 15 Minuten von einer funktionierenden Internetverbindung entfernen. Was ohne Kinder schon schwierig war, wurde unmöglich als die beiden Kinder bekamen. Als die Tochter der beiden vier Wochen alt war, ging Andersons Mann auf Dienstreise – er hatte Angst abzulehnen und den Eindruck zu erwecken, die Vaterschaft hätte seinen Arbeitsethos beeinflusst. 

Das Team um Andersons Mann wurde immer kleiner, der Druck größer. Irgendwann beschwerte sich sein Vorgesetzter über mangelnde Performance und ihr Mann suchte sich einen neuen Job. Dank seiner Arbeit bei Amazon, bemerkt sie leicht ironisch, konnte das Paar sich einen guten Therapeuten für ihren Mann leisten.

Auf Twitter schlägt Beth Anderson vor, Jeff Bezos solle einfach Therapeuten für jeden seiner Angestellten zur Verfügung stellen – das würde sicherlich helfen. 

law
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