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Arbeitsmarkt wandelt sich Experten erwarten Job-Boom für Ältere


Erst kürzlich hieß es, die Arbeitslosigkeit unter Älteren steigt drastisch. Doch Arbeitsmarktforscher sagen nun voraus, dass die Job-Chancen für Ältere stark steigen werden.
Von T. Steinmann und M. Dunkel, Berlin

Ökonomen rechnen mit deutlich besseren Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer in den kommenden Jahren. Er halte bei den über 60-Jährigen langfristig eine Beschäftigungsquote von bis zu 50 Prozent für möglich, sagte Martin Dietz, Arbeitsmarktexperte des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Auch Oliver Stettes vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet einen "massiven Beschäftigungsaufbau". Bei den älteren Arbeitnehmern würden sich die Beschäftigungsquoten künftig dem Durchschnitt aller Altersgruppen annähern, sagte er.

Mit ihrer Einschätzung verteidigen die Experten die ab 2012 geplante schrittweise Einführung der umstrittenen Rente mit 67. Die Kritiker argumentieren, dass eine Erhöhung des Renteneintrittsalters nicht zu verantworten ist, solange ältere Arbeitnehmer schlechter in den Arbeitsmarkt integriert sind.

Künftiger Mangel an jungen Fachkräften

Eine Verbesserung der Beschäftigungssituation Älterer belegt auch ein Bericht, den Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Mittwoch dem Kabinett vorstellt. Darin heißt es, dass Ältere "besonders" vom Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt profitiert hätten und die Zahl der Erwerbstätigen zwischen 55 und 64 Jahren seit 2005 um 23,5 Prozent gestiegen sei. Laut von der Leyen liegen damit die Voraussetzungen für den Einstieg in die Rente mit 67 vor. Dagegen bemängeln Opposition und Gewerkschaften, dass bei den rentennahen Jahrgängen der 60- bis 64-Jährigen nur jeder Vierte sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist - auch wenn diese Quote in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich gestiegen ist.

Als Gründe für die besseren Jobchancen für Ältere nennen die Arbeitsmarktforscher den demografiebedingten Mangel an jungen Fachkräften und einen Kurswechsel der Politik bei Anreizen zur Frühverrentung. "Der deutliche Anstieg der Beschäftigung seit 2005 zeigt, dass die Schwierigkeiten Älterer auf dem Arbeitsmarkt weniger biologische Ursachen haben, als vielmehr etwas mit institutionellen Fehlanreizen zu tun haben", sagte Hilmar Schneider, Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Institut zur Zukunft der Arbeit. Bis 2005 habe der Sozialstaat den Betrieben dabei geholfen, "älteren Arbeitnehmern den Kündigungsschutz abzukaufen". Darüber hinaus registriert IW-Experte Stettes bei den Unternehmen wegen des Fachkräftemangels ein "deutliches Umdenken" im Umgang mit älteren Mitarbeitern.

Deutschland hinkt hinterher

Trotz der positiven Tendenz betonen Arbeitsmarktforscher, dass Deutschland bei den Jobchancen für Ältere im OECD-Vergleich weiter hinterherhinke. "Hier haben wir noch einen weiten Weg vor uns", sagte IAB-Ökonom Dietz. Die Rente mit 67 dürfe aber nicht infrage gestellt werden. Dagegen forderte die Opposition eine Kehrtwende in der Rentenpolitik. "Wenn die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer keine echte Chance hat, bis 65 Jahre zu arbeiten, ist die Einführung der Rente mit 67 völlig unzumutbar und muss zumindest auf Eis gelegt werden", sagte Linke-Chef Klaus Ernst der Financial Times Deutschland.

Gefunden in der Financial Times Deutschland

FTD

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