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Bierbrauer: WM vorbei, und nun?

Heute feiern die Brauer den Tag des deutschen Bieres - vor exakt 491 Jahren trat das deutsche Reinheitsgebot in Kraft. Doch Qualität allein reicht nicht. Deshalb fahnden die Brauer im Jahr eins nach der Fußball-WM intensiv nach neuen Umsatzbringern. Allen voren: Krombacher.

Von Björn Maatz

Die Deutschen haben 2006 wieder mehr Bier getrunken als im Vorjahr - das passierte zuletzt 1999. Der heiße Sommer und vor allem die Fußballweltmeisterschaft sorgten für die vergleichsweise guten Absätze der Bierbrau-Unternehmen. Für 2007 hat der Brauer-Bund drei Trends ausgemacht: Stärkung des Exports, neue und bewährte Biermischgetränke sowie - Weizenbier.

Auf der Gastronomiemesse Internorga in Hamburg Anfang März lancierte die Krombacher-Brauerei ein Weizen, mit dem das Unternehmen wohl vor allem im Norden Deutschlands und im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen etablierten Weißbierproduzenten wie Paulaner und Erdinger Marktanteile abjagen will. "Das ist ein Frontalangriff auf die bayrischen Brauer", sagt ein Mitbewerber. Die Branche beobachte das äußerst skeptisch, zumal Krombacher sein Weizen zum gleichen Preis wie Pils verkaufe.

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Über den "Weißwurst-Äquator"

Im Hause Krombacher freut man sich jetzt schon auf gute Geschäfte. Seit Ende März werde das Weizen ausgeliefert und erst dann großflächig beworben, wenn es auch die letzten Winkel Deutschlands erreicht habe. "Das Weizen hat den 'Weißwurst-Äquator' endgültig überschritten", sagt ein Sprecher. Mit "Weißwurst-Äquator" wird im Allgemeinen die Mainlinie bezeichnet.

Das Unternehmen sei trotz des starken Vorjahres überzeugt, die Zahlen mindestens zu erreichen wenn nicht sogar zu übertreffen. Krombacher legte 2006 im Absatz um 2,7 Prozent auf 5,7 Millionen Hektoliter zu. Die Erfolgsgeheimnisse seien ein stringenter Markenaufbau und die nicht zuletzt vom Verbraucher geforderte Diversifikation. "Ohne unser Pils können wir uns die anderen Geschäfte nicht erlauben", sagt allerdings der Sprecher.

Ältere trinken weniger

Bereits 2005 prognostizierte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG für den deutschen Biermarkt ein Absatzminus bis 2009 von fünf Prozent, vor allem das klassische Pils sei betroffen. Als einen möglichen Grund für den Rückgang haben die Bierbrauer den demografischen Wandel ausgemacht. "Junge Menschen, die mehr Lebensfreude zeigen, auf Partys gehen und dabei konsumieren, werden in einer überalterten Gesellschaft immer weniger", sagt der Sprecher des Brauer-Bundes.

FTD