Börsen Optionsscheine locken Anleger mit hohen Gewinnen


Nach dem Auf und Ab an der Börse und dem freien Fall des Neuen Marktes liegen bei den meisten Anlegern die Nerven blank. Wem allerdings der Kitzel nicht genug ist, kann sowohl Risiko, als auch Gewinn noch vervielfachen: mit Optionsscheinen.

In keinem anderen Land der Welt ist das komplizierte Geschäft mit Aktien, Währungen oder Börsenindizes so beliebt wie in Deutschland. Zwar bekommen die meisten Anleger dabei nicht einmal ihren Einsatz zurück. Im Erfolgsfall lockt durch den Hebeleffekt der Scheine jedoch ein Riesengeschäft.

Mit dem Kauf eines Optionsscheines hat der Anleger das Recht, eine bestimmte Menge zum Beispiel einer Aktie zu einem bestimmten Termin für einen im Voraus festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. In der Praxis findet das eigentliche Geschäft meist gar nicht statt, sondern der Optionsschein wird - hoffentlich zu einem höheren Kurs als am Anfang - wieder rechtzeitig verkauft. Das Prinzip entspricht einer Wette: Der Anleger wettet, dass der Kurs zum Beispiel einer BASF-Aktie innerhalb eines halben Jahres über einen bestimmten Betrag hinaus steigt (Call) oder fällt (Put). Der Anleger kann also auch verdienen, wenn der Aktienkurs nach unten rutscht. Er muss sich nur festlegen - und am Ende richtig liegen.

Auch während der Börsengewitter hielten die Fans der so genannten »Covered Warrants« ihrer Anlageform die Treue. »Optionsscheine leben von der Bewegung im Markt«, sagt Dirk Heß, Warrant-Experte bei der Citibank in Frankfurt am Main. Das Geldinstitut ist mit einem Marktanteil von rund 50 Prozent in Deutschland führend als Emittent (Ausgeber) von Optionsscheinen. Gehandelt werden die Papiere dann zum Beispiel an deutschen Börsen. Vorn liegt der Stuttgarter Handelsplatz; dort werden nach eigenen Angaben inzwischen 80 Prozent des börslichen Umsatzes erzielt. Zur Auswahl stehen mehr als 18.000 Scheine.

Die Stuttgarter Händler - in der Fachsprache Skontroführer - der Euwax Broker AG sind im Schnitt 25 Jahre jung und reaktionsschnell: Den Auftrag eines Kunden führen Sie normalerweise in etwa zwanzig Sekunden aus. Das Unternehmen beschäftigte vor drei Jahren noch vier Mitarbeiter. Heute seien es bereits 71, berichtet Vorstand Dieter Lendle (37).

EUWAX (European Warrant Exchange) ist gleichzeitig auch der Name des Börsensegments für Optionsscheine und weitere Derivate in Stuttgart. Die Aufträge kommen oft über Direktbanken. »Die Kunden wissen genau, was sie wollen und wo sie handeln möchten«, meint Lendle. Trotz der jüngsten Panik auf den Aktienmärkten rechnen die meisten mit steigenden Kursen und kaufen Call-Scheine.

Wer macht also Geschäfte mit Optionsscheinen? Relativ junge Leute, sagt Lendle, die Sparbücher und Pfandbriefe als Investitionen zu langweilig finden. Oft seien diese Anleger nicht auf Einkommen aus ihren Geschäften angewiesen, sondern suchten den zusätzlichen »Spaß- Faktor«. Für mehr als zwei Drittel gibt es allerdings kein Happy End: Sie machen mit Optionsscheinen Verluste.

»Finger weg«, rät deshalb Daniel Kaufmann aus Stuttgart. Der 25- Jährige, von Beruf Privatanleger, verlor bereits 50.000 DM (25.550 Euro) mit einem einzigen Schein. Er glaubt, dass die Käufer über die Risiken schlecht informiert seien. Ganz aus der Welt schaffen kann auch Lendle dieses Argument nicht: Bei ihm rief schon ein potenzieller Kunde an, der sich nach »Obduktionsscheinen« erkundigte.

Die wichtigsten FachbegriffeBASISWERTBASISPREISCALLPUTBEZUGSVERHÄLTNISLAUFZEITPREISSPREADHEBEL

: Der Hebel ist der Trumpf der Optionsscheine. Erfüllt sich die Erwartung des Anlegers, sind seine Gewinne deutlich höher, als wenn er direkt in den Basiswert investiert hätte.


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