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Datenbank wird transparenter: Schufa für Versicherungsbetrüger

Es ist die schwarze Liste der Versicherungsbranche: Wer ungewöhnlich häufig oder besonders hohe Schäden meldet, landet wie bisher schon fünf Millionen Versicherte in der sogenannten HIS-Datei. Die wird ab sorfort transparenter.

Hinter jeder zehnten Schadensfallmeldung steckt Versicherungsbetrug, oft sind es Serienbetrüger. Um dem entgegenzuwirken, sammeln die Versicherungsgesellschaften Fälle mit hohen Schadenssummen, aber auch Personen mit besonders gefährlichen Berufen. Nach heftiger Kritik von Daten- und Verbraucherschützern musste beim "Hinweis- und Informationssystem" (HIS) nachgebessert werden. Von Anfang April an soll die Datenbank als transparente Auskunftei geführt werden. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur Schufa der Versicherungsbranche.

Was bezwecken die Versicherer mit der Datensammlung?

Mit der Warnliste will sich die Branche vor Betrug beim Abschluss von Versicherungen und im Schadensfall schützen. Den Versicherungen entsteht nach eigenen Angaben jährlich ein Schaden von rund vier Milliarden Euro - weil Kunden unwahre, unvollständige oder betrügerische Angaben machen oder notwendige Angaben verschweigen.

Was wird in die Datenbank eingetragen?

Die Versicherer können Versicherungsnehmer, Geschädigte, aber auch Zeugen an das HIS melden, ebenso Objekte - beispielsweise Fahrzeuge und Gebäude. Derzeit umfasst die seit 1993 betriebene Sammlung neun Millionen Daten, davon allein fünf Millionen Daten von Fahrzeugen. Eingetragen werden beispielsweise Fälle von Versicherten, die in ungewöhnlich kurzer Zeit ungewöhnliche viele Schadensfälle melden - bei einer Rechtsschutzversicherung zum Beispiel vier oder mehr Schadensfälle innerhalb von zwölf Kalendermonaten, bei einer Haftpflichtversicherung drei oder mehr Schadensfälle in 24 Monaten.

Erfahren Betroffene von ihrem Eintrag in die Auskunftei?

Ja. Der Versicherer informiert jeden, der einen Eintrag erhält. Außerdem können Versicherte eine Selbstauskunft einholen, und zwar beim Betreiber der Auskunftei: informa Insurance Risk and Fraud Prevention GmbH, Abteilung Datenschutz, Rheinstraße 99, 76532 Baden-Baden. Anfragen müssen schriftlich an das Unternehmen gerichtet werden. Die Formulare sollen beim Start der Auskunftei am 1. April auf der Webseite www.informa-irfp.de zum Download bereitstehen, an gleicher Stelle soll dann auch eine Faxnummer veröffentlicht werden. Der Anfrage muss eine beidseitige Kopie des Ausweises beiliegen, damit der Nachfragende zweifelsfrei identifiziert werden kann. Telefonisch werden Auskünfte aus Datenschutz-Gründen nicht erteilt.

Können sich Betroffene über einen Eintrag beschweren?

Ja, ebenfalls bei der Betreiberfirma, die der Beschwerde dann nachgehen wird - gegebenfalls in Abstimmung mit dem Versicherer, der die Meldung in die Datenbank eingestellt hat. Verbraucher können die Beschwerde aber auch direkt an den Versicherer richten. Dessen Kontaktdaten kennen sie ja, weil er sie über über den Eintrag informiert hat.

Werden die Daten nach einer bestimmten Zeit wieder gelöscht?

Die Daten werden sofort gelöscht, wenn sich der Eintrag als falsch erweist. Ansonsten gilt: Die Frist für die Speicherung im HIS beträgt nach dem Bundesdatenschutzgesetz vier Kalenderjahre - beginnend mit dem Kalenderjahr, das der erstmaligen Speicherung folgt. Die Frist kann also maximal vier Jahre und 364 Tage dauern.

be/AFP / AFP