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EURO-UMSTELLUNG: Milliarden Euros auf deutschen Straßen

Bis zum Ende des Jahres müssen etwa 71 500 Tonnen Euromünzen sowie 2,5 Milliarden Euro-Banknoten in Deutschland verteilt werden. Mit Anschlägen auf die Geldtransporter wird gerechnet.

Ein gewichtiges Problem verlangt nach einer außergewöhnlichen Lösung: Zur Verteilung des Euro sollen vom 1. September an kriegserprobte Militärtransporter auf deutschen Straßen rollen. »Wir haben noch fünf vollgepanzerte militärische Mannschaftswagen vom Typ ?Duro? für die Transporte erworben, die zuvor im Kosovo-Einsatz waren«, sagt der Eurobeauftragte des Sicherheitsunternehmens Heros, Christian Neumann, in Hamburg. Zwei Wochen bevor die ersten Millionentransporte starten, dreht sich bei den Unternehmen alles ums Thema Sicherheit. Bis zum Ende des Jahres müssen etwa 71 500 Tonnen Euromünzen sowie 2,5 Milliarden Euro- Banknoten für die Erstversorgung verteilt werden.

»Alle rechnen mit Anschlägen«

»Niemand in der Branche geht ernsthaft davon aus, dass die Transporte schadensfrei ablaufen«, sagt Neumann. Alle rechnen mit Anschlägen auf die zahlreichen Geldtransporte, die bis zu fünf Millionen Euro (9,8 Mio DM) geladen haben. Heros werde daher die Geldscheine und Münzen in Fahrzeug-Kolonnen zu ihren Kunden bringen - begleitet von bis zu 10 schwer bewaffneten Mitarbeitern. Das Sicherheitsunternehmen mit Hauptsitz in Hannover deckt nach eigenen Angaben bundesweit etwa 20 Prozent des Bargeldaustausches ab. Dafür wird in den kommenden Tagen der Mitarbeiterstab um 500 auf insgesamt 2000 erhöht.

Kein Einsatz von Kriegstransportern

Das Düsseldorfer Unternehmen Securitas wird dagegen keine schweren Kriegstransporter einsetzen. »Das sind reine Showeffekte und nach der sechsmonatigen Austauschphase würden diese Fahrzeuge bei uns auch nur Brach liegen«, sagt der Eurobeauftragte des Unternehmens, Oliver Seiter. Seiner Ansicht nach würden solche Fahrzeuge sogar ein zusätzliches Sicherheitsrisiko bergen, da mutmaßliche Gangster in ihnen noch mehr Geld vermuteten. »Wir fahren mit 790 herkömmlichen Panzerfahrzeugen für die Banknoten und rund 150 Lastwagen für das Hartgeld«, betont Seiter. Securitas übernimmt nach eigenen Angaben bundesweit etwa 35 Prozent des Bargeldaustausches mit 2100 Mitarbeitern.

Heldentaten unerwünscht

»Wir setzen auf geheime Fahrrouten und kurzfristige Terminabsprachen mit unseren Kunden«» betont Seiter. Securitas plant einzelne Transporte mit bis zu vier bewaffneten Begleitern. Keine Gefahr sehen die Sicherheitsexperten beider Unternehmen dagegen für die Münztransporte: «Die Kisten mit dem Kleingeld wiegen jeweils rund 650 Kilogramm und beinhalten lediglich einen Wert von 2000 bis 10 000 Euro.» Gauner würden hier nicht zuschlagen, vermuten Seiter und Neumann.

Sollte es aber doch einmal zu Angriffen kommen, sind die Mitarbeiter angewiesen, die Werte zwar zu schützen aber ihr eigenes Leben nicht in Gefahr zu bringen. »Heldentaten sind in unserer Branche nicht erwünscht«, sagt Neumann. Schließlich seien die Banknoten und Münzen versichert.

André Jahnke

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