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FERNSEHEN: Notfalls gibt Kirch Premiere ab

Kirch-Geschäftsführer Hahn stellt einen möglichen Verkauf der Formel-1-Anteile zur Tilgung der Schuldenlast in Aussicht. Auch die Kontrolle von Premiere steht zur Disposition.

Die hoch verschuldete Mediengruppe Kirch schließt den Verkauf ihrer Mehrheit an der Rennsportserie Formel 1 nicht aus und würde notfalls auch die Kontrolle an dem Bezahl-Fernsehsender PremiereWorld abgeben. Der spanische TV-Sender Telecinco kündigte unterdessen an, zehn Prozent seiner eigenen Anteile von Kirch zurückkaufen zu wollen.

Verkauf der Formel-1-Mehrheit?

Um Kirchs Schuldenlast von 6,5 Milliarden Euro zu drücken, werde möglicherweise der Verkauf der Formel-1-Mehrheit nötig, sagte Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn am Montag in London der Nachrichtenagentur Reuters. Kirch ziehe aber weiter den Einstieg eines Partners vor. Auch bei dem verlustbringenden Pay-TV-Sender Premiere stehe die Suche nach einem neuen langfristigen Partner im Vordergrund. Kirch sei aber auch bereit, bei Premiere die Kontrolle abzugeben, sollte dies notwendig sein. Eine Abgabe des 52-prozentigen Anteils an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 schloss Hahn dagegen definitiv aus.

Verhandlungen über Verkauf von Telecinco-Anteilen

Kirch muss eigenen Angaben zufolge bis Juni die Gespräche mit seinen Gläubigerbanken über eine Verringerung der Schuldenlast abschließen. Dann werden auch Teile eines 1,9 Milliarden Euro Kredits der Bayerischen Landesbank fällig. Kirch, der 25 Prozent an Telecinco hält, will deshalb den Anteil verkaufen und rechnet daraus mit Erlösen von etwa 500 Millionen Euro. Hiermit könnte ein im April auslaufender Kredit der Dresdner Bank bedient werden. Ein Kirch-Sprecher sagte am Montag, die Verhandlungen befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Details nannte er nicht.

Kirch hatte bereits in der Vergangenheit die Abgabe von PremiereWorld und der Formel 1 nicht völlig ausgeschlossen, dies bei dem Bezahlsender aber nicht so deutlich signalisiert. Derzeit hält der australisch-amerikanische Unternehmer Rupert Murdoch über seinen Konzern News Corp 22 Prozent an Premiere, die er aber eigenen Ankündigungen zufolge im Herbst für 1,7 Milliarden Euro an Kirch zurückgeben will. Bei Premiere World laufen täglich rund zwei Millionen Euro Verluste auf, das gesamte Minus geht in die Milliardenhöhe. Murdoch hat die Beteiligung in seiner Bilanz bereits abgeschrieben und ein weiteres Engagement ausgeschlossen.

Murdoch angeblich kein Interesse an Formel-1-Anteilen

Branchenkreise halten es aber für möglich, dass Murdoch in Wirklichkeit eine Kirch-Übernahme anstrebt, um so Zugang zum deutschen Markt zu erhalten. Anstelle der 1,7 Milliarden Euro könnte Murdoch zudem auf Anteile an der Muttergesellschaft von PremiereWorld, KirchMedia, spekulieren, in der auch das profitable Rechtegeschäft von Kirch gebündelt ist. Dort steht man einem größeren Mitspracherecht des Australiers Kreisen zufolge aber ablehnend gegenüber. Murdochs NewsCorp erklärte hierzu am Montag, man sei für jede Möglichkeit offen, das bei Kirch investierte Geld zurück zu erhalten. Interesse an dem Formel-1-Anteil bestehe aber nicht.

»Realistisches Niveau«

Kirch, der 58 Prozent an der Rennsportserie hält und demnächst weitere 17 Prozent übernehmen wird, hat den an der Serie beteiligten Autobauern bereits einen Anteil von 25 Prozent angeboten. Diese haben eine Beteiligung bislang aber abgelehnt und den Aufbau einer eigenen Veranstaltung angekündigt. Vergangene Woche hatte Mercedes-Chef Jürgen Hubbert aber ein Einlenken nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen, dies allerdings vom Preis abhängig gemacht. »Erst müsste der Betrag auf ein realistisches Niveau gesenkt werden, kann könnte man reden«, hatte der DaimlerChrysler-Vorstand erklärt.