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Gaspreise: Eon lenkt im Gas-Streit ein

Im Streit um die Gaspreise will erstmals ein Unternehmen vor Gericht seine Kalkulation offenlegen. Der Energieversorger Eon Hanse erklärte, er habe nichts zu verbergen, und will so seine Preise rechtfertigen.

Im Streit mit den eigenen Kunden um massive Gaspreiserhöhungen ist der Energiekonzern Eon eingeknickt und hat angekündigt, seine Kalkulation offenzulegen. "Wir haben nichts zu verbergen. Wir wollen alle Zweifel an der Angemessenheit unserer Preise ausräumen", erklärte der Vorstandsvorsitzende des Tochterunternehmens Eon Hanse, Hans-Jakob Tiessen, am Mittwoch in Hamburg. Damit kommt der Konzern einer sich abzeichnenden Niederlage vor Gericht zuvor. Im bundesweit ersten Sammelverfahren wegen überhöhter Gaspreise hatten Mitte September 54 Kunden von Eon Hanse vor dem Hamburger Landgericht wegen mehrerer Preiserhöhungen um insgesamt 25 Prozent geklagt.

Verbraucheranwalt wartet gespannt

Der Verbraucheranwalt Joachim Bluhm, der die 54 Hamburger Gaskunden vor Gericht vertritt, reagierte skeptisch auf die Ankündigung des Unternehmens. "Diesen Auskünften sehe ich mit Spannung entgegen", sagte Bluhm am Mittwoch in Hamburg. Er bezweifelte, dass es die Angaben sein werden, die Eon schuldet. Das Unternehmen werde nicht von heute auf morgen seine Argumentation von Wettbewerbsnachteilen vergessen, die bei einer Offenlegung entstünden. "Aber ich lasse mich auch gerne überraschen."

Die Energieversorger - darunter auch Eon Hanse - begründen die stark steigenden Gaspreise mit höheren Bezugskosten seitens der Lieferanten. Die Bezugspreise seien vertraglich an die Marktpreise anderer Energieträger gebunden, vor allem für leichtes Heizöl. Diese Regelung schützt nach Ansicht der Unternehmen die Verbraucher, da die Lieferanten die Preise nicht beliebig in die Höhe schrauben könnten. Kritiker in den Verbraucherverbänden und dem Bundeskartellamt halten diese Ölpreisbindung dagegen nicht mehr für zeitgemäß und gehen generell gegen langfristige Lieferverträge vor.

Verfahren mit Signalwirkung

Bundesweit weigern sich rund 500.000 Gaskunden, nach ihrer Ansicht überhöhte Rechnungen zu zahlen, sagen die Verbraucherverbände. Nach Angaben der Gaswirtschaft sind es höchstens 200.000. Dem Hamburger Verfahren wird eine Signalwirkung zugeschrieben. Beide Seiten haben angekündigt, den Instanzenweg bis zum Ende auszuschöpfen, so dass mit einer endgültigen Klärung vermutlich erst im Jahr 2008 zu rechnen ist.

Das Gericht erklärte nach der Verhandlung in einer vorläufigen Einschätzung, dass Eon Hanse seine Gas-Bezugspreise sowie seine gesamte Preiskalkulation offen legen müsse. Der Versorger hatte seine Gaspreise seit Oktober 2004 drei Mal um insgesamt 25 Prozent angehoben. Das Gericht betonte, dass der einfache Hinweis auf den Ölpreis zur den Begründung für die Gaspreiserhöhungen nicht ausreicht: Da Eon Hanse eine Monopolstellung einnimmt, hätten die Kunden ein Anrecht darauf zu erfahren, wie der Preis zu rechtfertigen sei.

Urteil soll Anfang Dezember kommen

Eon Hanse erklärte jetzt, man habe sich für die Offenlegung entscheiden, denn "unsere Kunden sollen uns vertrauen können". Daher nehme man in Kauf, dass die Konkurrenten dadurch einen Wettbewerbsvorteil erhielten. Das Gericht hat Eon jetzt bis zum 21. November Zeit gegeben, den Schriftsatz dazu einzureichen. Ein Urteil soll am 8. Dezember verkündet werden.