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Geschäftsklima: Leichte Eintrübung auf hohem Niveau

Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der Ifo-Index, ist im Februar überraschend stark gesunken. Wirtschaftsforscher sehen den Grund in der Mehrwertsteuererhöhung, machen sich aber keine Sorgen.

Trotz des aktuellen Börsenhöhenflugs hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wegen Nachwehen der Mehrwertsteuer-Erhöhung überraschend stark abgekühlt. Der neueste Ifo-Geschäftsklimaindex fiel im Februar doppelt so stark wie von Experten erwartet. Der Index befindet sich aber trotz des Rückgangs von 107,9 auf 107,0 Punkte weiterhin auf einem hohen Niveau, wie Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger sagte.

"Keinen Grund, pessimistisch zu sein"

"Es gibt derzeit keinen Grund, pessimistisch zu sein", sagte er. Insgesamt beurteilten die rund 7000 befragten Unternehmen sowohl ihre momentanen Umsätze als auch ihre Zukunftsaussichten erneut schlechter als im Monat zuvor. Der Teilindex der aktuellen Geschäftslage fiel von 112,8 auf 111,6 Punkte. Der Index der Erwartungen verschlechterte sich von 103,2 auf 102,6 Punkte.

Ifo-Experte Abberger sagte jedoch, dass der Aufschwung auch im laufendem Jahr weitergehen werde - wenn auch das Wirtschaftswachstum voraussichtlich nicht mehr ganz so stark ausfalle wie im vergangenen Jahr. Grund sei die Erhöhung der Mehrwertsteuer zum Jahresanfang von 16 auf 19 Prozent. "Wir haben in den Bereichen, die am stärksten von der Mehrwertsteuer betroffen sind, deutliche Rückgänge bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage", so Abberger.

Vor allem der Einzelhandel berichte von deutlich schwächeren Geschäften, auch Teile der Bauwirtschaft verzeichneten Umsatzeinbußen. "Die Unternehmen sind jedoch einigermaßen zuversichtlich, dass dieser Effekt nur vorübergehend ist", sagte Abberger. Der Einzelhandel erwarte in den kommenden sechs Monaten wieder eine Belebung der Geschäfte. Viele Verbraucher hätten geplante größere Anschaffungen noch vor der Mehrwertsteuererhöhung im vergangen Jahr getätigt. "Vor allem im Bereich der langlebigen Konsumgüter wie Kraftfahrzeuge und Möbel haben wir Vorzieheffekte festgestellt, und da fehlt natürlich jetzt was", sagte der Ifo-Experte.

Export sorgt Aufschwung

Getragen werde der Aufschwung aber weiter vom Export und Investitionsgütern. "Wir haben derzeit vor allem in der Industrie eine hervorragende Geschäftslage", sagte Abberger. Die Unternehmen beurteilten ihre momentanen Geschäfte sogar etwas besser als im Vormonat, äußerten sich aber für die nächsten Monate nicht mehr ganz so zuversichtlich. "Der Industrie geht es weiterhin sehr gut, man kann aber insgesamt von einer gewissen Verschnaufpause sprechen." Die Exportaussichten würden etwas weniger positiv betrachtet, dies sei aber eher im Sinne einer Beruhigung zu verstehen: "Die Weltwirtschaft wächst immer noch sehr stark und der Export wird weiterhin eine tragende Rolle spielen", sagte Abberger.

Es bestehe deshalb kein Anlass zur Sorge, dass der Aufschwung für die deutsche Wirtschaft vor dem Ende stehen könnte. "Wir haben genügend positive Signale, die auf eine grundsätzlich gute Konjunktur schließen lassen und sind weiterhin optimistisch", sagte der Ifo-Experte. Ein Beleg für einen anhaltenden Aufwärtstrend im Inland sei etwa die Schaffung zahlreicher neuer Stellen im Dienstleistungssektor: "Die Einstellungsbereitschaft der Dienstleistungsunternehmen ist ungebrochen und hat im Vergleich zum Vormonat sogar noch zugenommen."

Reuters / Reuters
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