VG-Wort Pixel

Ifo-Index Deutsche Wirtschaft ist "im Sommerloch"

7.000 deutsche Unternehmer beurteilen ihre derzeitige Wirtschaftslage überraschend pessimistisch. Der Ifo-Index sank um 1,6 Punkte. Jedoch handelt es sich noch immer um einen der höchsten Werte seit der Wiedervereinigung.

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli unerwartet deutlich eingetrübt. Das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung veröffentlichte heute den Geschäftsklimaindex für Juli. Der Ifo-Index sank auf 112,9 Punkte. Die Einschätzung der 7000 Unternehmer, die das Institut jeden Monat zu ihrer derzeitigen Lage und ihren Erwartungen für die nächsten Monate befragt, ist damit pessimistischer als von Ökonomen im Vorfeld erwartet. Sie hatten mit einem Rückgang auf 113,5 Punkte gerechnet. Im Juni war das wichtige Stimmungsbarometer überraschend erneut gestiegen und hatte 114,5 Punkte erreicht.

Trotz des Rückgangs "sonnt sich die deutsche Wirtschaft noch immer in einem Sommerhoch", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu der Umfrage. Die befragten Manager schätzten sowohl die Lage als auch die Aussichten nicht mehr ganz so rosig ein wie zuletzt. Ein abruptes Ende des Aufschwungs ist dem renommierten Institut zufolge aber nicht zu befürchten. "Die deutsche Wirtschaft ist trotz aller Turbulenzen um uns herum auf einem guten Weg zu einer sanften Landung", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger zu Reuters. "Es wird etwas verhaltener, aber die Situation ist weiterhin sehr gut." 112,9 Punkten ist schließlich immer noch einer der höchsten Werte seit der Wiedervereinigung.

Besonders die exportabhängige Industrie stellt sich wegen des schwächeren Weltkonjunktur auf ein langsameres Wachstum ein. "Die Exporterwartungen sind doch deutlich nach unten korrigiert worden", sagte Abberger. "Das internationale Umfeld wird nicht mehr ganz so stürmisch gesehen." Aus den USA, China und der Euro-Zone waren zuletzt schwache Konjunktursignale gekommen. Dennoch seien die Industriebetriebe sehr gut ausgelastet und wollen neues Personal einstellen. Auch bei den Dienstleistern und im Handel trübte sich die Stimmung ein, nur in der Baubranche hellte sie sich auf.

Der Index für die Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate fiel wie von Analysten erwartet auf 105,0 Punkte von zuvor 106,2 Zählern. Das Barometer für die Einschätzung der aktuellen Lage sank dagegen deutlicher als angenommen - und zwar auf 121,4 Punkte nach zuvor 123,3. Hier hatten Experten mit 122,5 Zählern gerechnet.

"Das Risiko ist gestiegen, dass wir eine stärker als erwartete Abschwächung im zweiten Halbjahr und im kommenden Jahr sehen", sagte UniCredit-Ökonom Alexander Koch. Auch das Bundesfinanzministerium sagt voraus, dass der Aufschwung an Kraft verliert. "Insbesondere in der Industrie zeigt sich dabei eine Abstufung im Expansionstempo", schrieb es in seinem Monatsbericht.

kgi/DPA/Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema



Newsticker