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30 Jahre nach der Wiedervereinigung Brauchen wir eine neue Nationalhymne? Thüringens Regierungschef Ramelow entfacht Debatte

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow setzt sich für eine neue Nationalhymne ein. Ramelow müsse bei dem Lied stets an die Naziaufmärsche und die Zeit vor dem Mauerfall denken. Der Linke-Politiker wünscht sich daher eine Nationalhymne, mit der sich das ganze Land identifizieren kann. Im Internet reagieren bereits viele mit #Nationalhymne zu diesem Anliegen: Doch nicht jeder teilt Ramelows Ansichten: Viele nehmen das Thema lieber mit Humor: Übrigens ist die Forderung, die Nationalhymne umzudeuten nicht neu. Erst im vergangenen Jahr hatte es Vorschläge gegeben, das Lied geschlechtsneutral umzuschreiben.
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Ist es 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Zeit für eine neue Nationalhymne? Ja, findet Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Er wünsche sich eine "wirklich gemeinsame" Hymne.

Ist der Vorstoß von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow der erste Vorbote des Sommerlochs? Oder stößt er eine längst überfällige Diskussion an?

Der Linken-Politiker hat sich in einem Interview mit der "Rheinischen Post" für eine neue Deutsche Nationalhymne ausgesprochen. Er selbst könne beim Singen "das Bild der Naziaufmärsche von 1933 bis 1945 nicht ausblenden", sagte er dem Blatt.

"Eine wirklich gemeinsame Nationalhymne"

In der NS-Zeit wurde zu offiziellen Anlässen die erste Strophe des "Deutschlandlieds" von Hoffmann von Fallersleben ("Deutschland, Deutschland über Alles") gesungen. Heute ist die dritte Strophe die Hymne der Bundesrepublik ("Einigkeit und Recht und Freiheit"). Die Melodie aus der Feder von Joseph Haydn ist jeweils dieselbe.

Auch vor dem Hintergrund der Wiedervereinigung vor 30 Jahren sei es Zeit für eine neue Nationalhymne, so Ramelow. "Viele Ostdeutsche singen die Hymne aber nicht mit und ich würde mir wünschen, dass wir eine wirklich gemeinsame Nationalhymne hätten." Tatsächlich legten der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker und der seinerzeitige Bundeskanzler Helmut Kohl ein Jahr nach der Deutschen Einheit einvernehmlich fest, die dritte Strophe des "Deutschlandlieds" zur Hymne des vereinigten Landes zu machen – und setzten damit die westdeutsche Tradition fort. Die Hymne der 16 Millionen DDR-Bürger ("Auferstanden aus Ruinen") landete auf dem Abstellgleis der Geschichte.

Bodo Ramelow wünscht sich "etwas ganz Neues"

"Der verfassungsgebende Runde Tisch der DDR hatte vorgeschlagen, auf beide bestehenden Hymnen zu verzichten und gemeinsam eine neue zu wählen – nämlich die 'Kinderhymne' von Brecht. Das wurde abgelehnt", erklärte Ramelow. Er wünsche sich nun "etwas ganz Neues, einen Text, der so eingängig ist, dass sich alle damit identifizieren können und sagen: Das ist meins."

In einer ersten Reaktion lehnte Ramelows Amtskollege aus Sachsen, Michael Kretschmer, den Wunsch nach einer neuen Hymne ab. Gerade für die Ostdeutschen habe die Hymne eine besondere Bedeutung. "Das 'Lied der Deutschen' spiegelt die wechselvolle Geschichte unseres Landes – gerade deshalb soll die dritte Strophe unserer Nationalhymne bleiben."

Quellen: "Rheinische Post", Bundesregierung, Bundeszentrale für politische Bildung

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wue

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