Hypo-Vereinsbank Rekordverdächtiger Verschleiß von Führungskräften


Jan Christian Dreesen, Privatkundenvorstand der Hypo-Vereinsbank, hat nach nur einigen Wochen im Amt das Unternehmen verlassen "Die Verweildauer im Amt wird immer kürzer", heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Der Verschleiß von Führungskräften bei der Hypo-Vereinsbank nimmt rekordverdächtige Ausmaße an. Mit dem gerade erst inthronisierten Privatkunden-Chef Jan-Christian Dreesen verlässt bereits das fünfte Vorstandsmitglied die Bank seit Ankündigung der Übernahme durch die italienische Uni-Credit im vergangenen Sommer. "Die Verweildauer im Amt wird immer kürzer", heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Wie oft zudem die Führung im deutschen Privatkundengeschäft in den vergangenen Jahren bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) gewechselt ist, weiß kaum noch jemand in der Bank. Nun soll der Österreicher Willibald Cernko sein Glück versuchen. "Das ist bestimmt der siebte oder achte Privatkunden-Chef in den letzten vier Jahren", schätzt ein HVB-Insider.

"Für die Motivation der Mitarbeiter ist das eine Katastrophe"

Dreesens Vorgängerin Christine Licci hatte knapp ein Jahr das Privatkundengeschäft geführt, ehe sie im Rahmen der Übernahme durch die Italiener ihre Kündigung einreichte. Der 38-jährige Dreesen dagegen war erst vor wenigen Wochen auf den Vorstandsposten gerückt.

Die häufigen Führungswechsel schaden dem Institut nach Einschätzung von Branchenkennern. "Für die Motivation der Mitarbeiter ist das eine Katastrophe", sagte ein hochrangiger Manager einer anderen Bank mit Blick auf den Exodus der Führungskräfte bei der HVB.

Zuletzt hatten unter anderem Risiko-Manager Michael Kemmer und Investmentbanker Stefan Jentzsch ihren Hut genommen. Beide waren in der Branche und in der Bank selbst hoch angesehen. Während die meisten Rücktritte im Zusammenhang mit der Übernahme durch Uni-Credit und dem rigorosen Führungsstil der Italiener zu sehen waren, betonte die Bank nun, Dreesen gehe aus persönlichen Gründen. Der frühere HVB-Regionalleiter soll laut Branchenkreisen bereits bei seiner Berufung einen Vertrag eines Konkurrenten in der Tasche gehabt haben. "Es kursieren viele Gerüchte im Haus", heißt es im Umfeld der Bank. Die Frankfurter Sparkasse wird ebenso als neuer Arbeitgeber genannt wie die UBS. Aus Frankfurt kam dazu umgehend ein Dementi.

Mit Cernkos könnte etwas Ruhe einkehren

Die Verärgerung in der Bank ist jedenfalls immens. "Der Schaden ist gewaltig", heißt es im Umfeld. Dreesen habe als Eigengewächs eine große Chance bekommen und gewusst, worauf er sich einlasse. Noch vor kurzem habe sich der Manager vor die Belegschaft gestellt und große Pläne verkündet. Zu diesem Zeitpunkt müsse er sich schon mit einem anderen Arbeitgeber einig gewesen sein. "Das ist schon bedenklich."

In den letzten Jahren hatten neben Dreesen und Licci unter anderem die inzwischen ebenfalls zurückgetretenen Vorstände Jentzsch und Michael Mendel sowie der heutige Uni-Credit-Verwaltungsratschef Dieter Rampl das Privatkundengeschäft verantwortet. Zuletzt wurden die freien Führungsposten mit Managern aus der zweiten Reihe besetzt. Der Aderlass erschwert aber die Suche nach Nachfolgern.

Der Fall Dreesen zeige, dass es nicht mehr leicht sei, geeignete Kandidaten zu finden, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Nun müsse man offenbar schon auf das befreundete Ausland zurückgreifen. In einer Mitteilung der HVB hieß es zu diesem Thema, mit der Ernennung des Österreichers Cernko setze Uni-Credit "den wechselseitigen Austausch von Führungskräften innerhalb der ersten wahrhaft europäischen Bank" fort. Die Ernennung Cernkos wird jedenfalls in der Bank begrüßt. Mit dem Privatkundenprofi, der seit zwei Jahren unter anderem den Vertrieb der Bank Austria für Firmenkunden, Privat- und Geschäftskunden verantwortet, könnte jetzt möglicherweise etwas Ruhe einkehren.

Axel Höpner/DPA


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