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Ifo-Index erneut gestiegen: "Es ist unglaublich, aber wunderschön"

Die Partylaune in der deutschen Wirtschaft hält an: Nach den außerordentlich guten Julizahlen ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im August erneut gestiegen. Experten reagierten überrascht.

Trotz weltweiter Konjunkturrisiken ist der Optimismus der deutschen Wirtschaft ungebrochen. Die ohnehin gute Stimmung in den Chef-Etagen verbesserte sich im August überraschend noch einmal. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf 106,7 Punkte von 106,2 Zählern im Vormonat, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch mitteilte. Es war der dritte Anstieg in Folge. Im Juli hatte der Index unerwartet stark um 4,4 Punkte zugelegt und damit den höchsten Wert seit dem Ausbruch der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise erreicht.

Mit dem erneuten Anstieg erreichte das wichtigste Barometer für die deutsche Konjunktur nun den höchsten Stand seit den Boomzeiten im Juni 2007. Die 7000 befragten Unternehmen schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate nur minimal schlechter, die Lage erneut besser ein. Der Teilindex für die aktuelle Geschäftslage stieg demnach um 1,4 Punkte auf 108,2, das Barometer für die geschäftlichen Erwartungen sank leicht um 0,4 Punkte auf 105,2. "Die deutsche Wirtschaft ist im stabilen Sommerhoch", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

"Luft für weitere Anstiege ist dünn"

Nach dem stürmischen Wachstum der Wirtschaft im zweiten Quartal rechnen Fachleute wegen schwindender Auslandsnachfrage mit einer Abkühlung der Erholung. Sie reagierten deshalb überrascht auf die Ifo-Daten.

"Es ist unglaublich, aber wunderschön, wie es im Moment läuft", sagte Dekabank-Analyst Andreas Scheuerle. Der Indikator dürfte sich aber seinem Höhepunkt genähert haben. "Die Luft für weitere Anstiege des Geschäftsklimas ist jetzt dünn geworden. Ab jetzt wird sich der Ifo-Index eher seitwärts bewegen." Peter Meister von der BHF-Bank erwartet, dass sich der Aufschwung mit einer "gewissen Dynamik" im laufenden Quartal fortsetzt. "Ein extremer Konjunktur-Pessimismus an den Märkten erscheint nicht gerechtfertigt."

Weiter nach oben getrieben wurde der Index im August den Angaben zufolge durch das erneut günstigere aktuelle Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe und im Einzelhandel. Industriefirmen berichteten von einer besseren Lage als im Juli und seien auch mit Blick auf die Entwicklung der kommenden sechs Monate weiterhin sehr zuversichtlich, erklärte das Institut. Auch die Einzelhändler berichteten von einer besseren Geschäftssituation und steigenden Erwartungen. Das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe und im Großhandel trübte sich dagegen etwas ein. Die dort aktiven Unternehmen bewerteten ihre Lage schlechter als im Juli. Auch die Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr wurde dort nicht mehr so positiv gesehen wie im Vormonat.

mad/AFP/Reuters / Reuters