HOME

Ifo-Institut: Ostdeutsche Wirtschaft hinkt Westen noch immer hinterher

Die wirtschaftliche Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland ist auch 25 Jahre nach dem Mauerfall noch immer groß. Nach Angaben des Ifo-Instituts ist von einer Aufholjagd keine Spur.

Konsumenten mit Einkaufstaschen in einer deutschen Fußgängerzone

Konsumenten mit Einkaufstaschen in einer deutschen Fußgängerzone

Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall liegt Ostdeutschland einer Studie des Ifo-Instituts zufolge wirtschaftlich weiter deutlich hinter dem Westen zurück. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf liege auf dem Gebiet der früheren DDR bei 66 Prozent der ehemaligen Bundesrepublik, teilte das Wirtschaftsforschungsinstitut in München mit. Der Abstand zwischen Ost und West bleibe seit Jahren praktisch konstant, von einem Aufholen auf Westniveau sei kaum eine Spur.

"Die angestrebte 'Angleichung der Lebensverhältnisse' hat Deutschland nicht geschafft", erklärte das Ifo-Institut. Von 1995 bis 2013 sei die Wirtschaft im Osten zwar um 20 Prozent gewachsen, im Westen allerdings um 27 Prozent. Es sei zu befürchten, "dass weite Teile Ostdeutschlands auch künftig zu den strukturschwachen Regionen gehören werden".

Ifo-Index gibt zum fünften Mal nach

Schlechte Nachrichten hatte das Ifo-Institut derweil für die deutsche Wirtschaft: Die Sorgen um internationale politische Krisen drücken immer stärker auf die Stimmung. Im September gab der Ifo-Geschäftsklimaindex bereits zum fünften Mal in Folge nach und fiel von 106,3 auf 104,7 Punkte, wie das Institut in München mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit April 2013. Der Rückgang fiel weit deutlicher aus als erwartet. "Der deutsche Konjunkturmotor läuft nicht mehr rund", sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang um 0,5 auf 105,8 Punkte gerechnet. Die Unternehmen schätzten im September sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Zukunftsaussichten schlechter ein. Während der Lage-Index von 111,1 auf 110,5 Punkte nachgab, fiel der Erwartungsindex von 101,7 auf 99,3 Punkte. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft. Er wird monatlich durch die Befragung von rund 7000 Unternehmen ermittelt.

Konsumlaune der Bürger sinkt

"Die erneut schlechtere Stimmung ist ein Warnsignal", erklärte Jörg Zeuner, KfW-Chefvolkswirt. Selbst die in den vergangenen Wochen nach unten korrigierten Wachstumsprognosen für Deutschland könnten sich noch als zu optimistisch erweisen, sollte sich das internationale Umfeld weiter eintrüben. Immerhin gebe es einige Hoffnungsschimmer: So habe sich der Konflikt in der Ostukraine sich ein wenig beruhigt.

Auch auf die Verbraucherstimmung schlugen die internationalen Krisenherde zuletzt durch. Zum ersten Mal seit gut eineinhalb Jahren hatte sich die Konsumlaune der Bundesbürger im August eingetrübt. Das Vertrauen der Bürger in eine schwungvolle Entwicklung der Konjunktur schwand sogar so stark wie noch in keinem anderen Monat seit Beginn der Erhebung im Jahr 1980. Der Konsumklimaindex sank von 8,9 Zählern im August auf 8,6 Punkte für September.

kis/DPA / DPA