HOME

Stiftung Warentest: Die neun größten Irrtümer zur staatlichen Rente

Wird die Rente immer weniger? Werden Ostdeutsche benachteiligt? Und beginnt die "Rente mit 63" wirklich mit 63 Jahren? "Finanztest" nennt die größten Irrtümer rund um die Rente.

Rentner im Pool

Reicht die Rente, um es sich im Alter gut gehen zu lassen? "Finanztest" klärt häufige Irrtümer auf

Getty Images

Rund um die Rente kursiert viel Halbwissen, denn natürlich ist das Thema komplex. Außerdem ändern sich immer wieder Dinge, zuletzt mit dem Rentenpaket der Bundesregierung. Die Experten der Stiftung Warentest haben in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" die gängigsten Irrtümer richtig gestellt. Welche dieser Thesen hätten Sie für richtig gehalten?

Irrtum 1: Die Rentenbeiträge sind immer weiter angestiegen

Klares Nein. Derzeit liegt der Beitragssatz bei 18,6 Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens - und damit so niedrig wie seit 1995 nicht mehr. Der Rekordsatz von 19,9 Prozent galt zwischen 2007 und 2011, seitdem ist der Beitragssatz in mehreren Schritten gesenkt worden.

Irrtum 2: Die gesetzliche Rente wird immer weiter sinken

Zumindest für aktuelle Rentner stimmt das nicht. Denn die staatliche Rentengarantie verhindert Rentenkürzungen. Es kann allenfalls vorkommen, dass die Renten weniger stark steigen als die Löhne. Sie können aber auch stärker steigen, wie 2018 geschehen. Richtig ist allerdings, dass das Rentenniveau für zukünftige Rentner verglichen mit dem aktuellen Niveau sinken wird. 

Irrtum 3: Die Ostdeutschen sind bei der Rente benachteiligt

Ganz im Gegenteil: Ein Arbeitnehmer im Osten, der das Gleiche einzahlt wie ein Arbeitnehmer im Westen, bekommt dafür mehr Rente heraus. Ein falscher Eindruck kann dadurch entstehen, dass der Rentenwert (monatliche Rente für einen Versicherten mit Durchschnittsverdienst in einem bestimmten Kalenderjahr) im Osten niedriger als im Westen ist. Da die Ostrente aber nachträglich von der Rentenkasse anhand eines Umrechnungsfaktors aufgewertet wird, ist dies kein Nachteil. Bis 2025 werden die Rentenwerte angeglichen und der Umrechnungsfaktor abgeschafft.

Irrtum 4: Wer mehr als 40 Jahre gearbeitet hat, bekommt eine gute Rente

Das ist leider nicht gesagt. Denn es kommt nicht nur darauf an, wieviel man gearbeitet hat, sondern vor allem auch, wie viel man verdient und in die Rentenkasse eingezahlt hat. Jemand, der nur 30 Jahre gearbeitet, aber gut verdient hat, kann trotzdem eine höhere Rente bekommen als jemand, der 40 Jahre deutlich schlechter verdient hat.

Irrtum 5: Wer sehr viel verdient, bekommt auch sehr viel Rente

Stimmt leider auch nicht so ganz. Denn Rentenbeiträge zahlt man nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze von derzeit 80.400 Euro im Jahr. Wer noch mehr verdient, zahlt für das darüber hinausgehende Einkommen keine Beiträge, bekommt daraus aber auch nicht mehr Rente. Sollten Sie zu diesen absoluten Top-Verdienern gehören, dürften Sie aber keine Probleme haben, auf anderen Wegen vorzusorgen.

Irrtum 6: Die "Rente mit 63" beginnt mit 63 Jahren

Das ist so nicht richtig. Als die "Rente für besonders langjährig Versicherte", wie sie offiziell heißt, 2014 eingeführt wurde, lag das Eintrittsalter bei 63 Jahren. Seitdem steigt das Eintrittsalter für die abschlagsfreie Frührente schrittweise auf 65 Jahre an. Wer heute 63 wird, kann sie erst mit 63 Jahren und acht Monaten nutzen, schreibt "Finanztest". Voraussetzung sind mindestens 45 Versicherungsjahre.

Irrtum 7: Ob ich eine Ost- oder Westrente bekomme, hängt davon ab, wo ich wohne

Ein Trugschluss.  Entscheidend ist, wo man gearbeitet hat. War man sowohl in Westdeutschland als auch in Ostdeutschland beschäftigt, wird eine Mischrente berechnet.

Irrtum 8: Abschläge fallen weg, sobald ich das reguläre Rentenalter erreiche

Stimmt nicht. Wer vorzeitig mit Abschlägen in Rente geht, muss mit den Abschlägen dauerhaft leben. Jeder Monat, den man früher geht, kostet 0,3 Prozent der Rente. Es sei denn, Sie kommen auf mindestens 45 Versicherungsjahre (siehe Punkt 6).

Irrtum 9: Die Rente wird voll besteuert

Der Rentenfreibetrag sorgt dafür, dass die Rente nur teilweise besteuert wird. Der steuerfreie Anteil sinkt allerdings, derzeit liegt er noch bei 22 Prozent. Ab 2040 soll die Rente zu 100 Prozent steuerpflichtig sein. Trotzdem fallen auch dann nicht auf die komplette Rente Steuern an, denn Grundfreibetrag und Kosten zum Beispiel für Kranken- und Pflegeversicherung können die Steuerlast drücken.

Noch mehr Rentenirrtümer und Informationen finden Sie unter www.test.de 

Rente Rentenversicherung Sparschwein

bak