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Konjunktur: Deutsche Wirtschaft bleibt hinter Erwartungen zurück

Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs, trotzdem fällt das Wachstum schwacher aus als erwartet. Der Grund: Deutschlands Importe erhöhten sich im ersten Quartal fast doppelt so stark wie die Exporte.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres kletterten die Exporte deutscher Unternehmen um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal - gleichzeitig erhöhten sich die Importe um 1,5 Prozent

In den ersten drei Monaten dieses Jahres kletterten die Exporte deutscher Unternehmen um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal - gleichzeitig erhöhten sich die Importe um 1,5 Prozent

Erstmals seit Monaten hat sich die Stimmung in den deutschen Unternehmenszentralen geringfügig verschlechtert. Der monatliche Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Mai ganz leicht, wie das Ifo-Forschungsinstitut am Freitag in München mitteilte. Deutschlands Wirtschaft legte im ersten Quartal 2015 nur verhalten zu. Positive Nachrichten für die gesamte Eurozone kamen dagegen von Mario Draghi, dem Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

Der Ifo-Index sank zum ersten Mal seit Oktober 2014 - wenn auch sehr leicht von 108,6 auf 108,5 Punkte. Die befragten Firmen seien mit ihrer jetzigen Lage zwar erneut zufriedener gewesen, der Optimismus mit Blick auf die kommenden Monate habe allerdings seit der letzten Erhebung vor einem Monat etwas nachgelassen, erklärten die Ökonomen. Insgesamt ändere sich allerdings nichts an den generellen Einschätzungen zur Konjunkturentwicklung, betonten sie. "Die deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs."

In den ersten drei Monaten dieses Jahres war das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gewachsen, wie das Statistische Bundesamt am Freitag seine vorläufigen Ergebnisse von Mitte Mai bestätigte. Grund für das schwache Wachstum war demnach vor allem der Außenhandel: Zwar kletterten die Exporte der Unternehmen um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, die Importe allerdings erhöhten sich in den ersten drei Monaten des Jahres fast doppelt so stark, um 1,5 Prozent. Dadurch habe der Außenbeitrag - die Differenz aus Exporten und Importen - das Wachstum um 0,2 Prozentpunkte gedämpft.

Im vierten Quartal 2014 war die Wirtschaft noch um kräftige 0,7 Prozent gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal legte das BIP laut Statistik um 1,1 Prozent.

Gute Konjunkturaussichten für den Euroraum

"Vor dem Hintergrund der starken Abwertung des Euro war das geringe Exportplus schon eine Enttäuschung", erklärte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Allerdings blies den Exporteuren der "globale Konjunkturwind" ins Gesicht, gab er zu bedenken. Der Welthandel sei im ersten Quartal vermutlich so stark wie zuletzt während der globalen Finanzkrise geschrumpft.

Der konjunkturelle Himmel über der Eurozone hellte sich nach den Worten Draghis aber wieder auf: "Die Konjunkturaussichten für den Euroraum sind heute besser als sie es sieben lange Jahre waren", sagte Draghi auf einem Wirtschaftstreffen im portugiesischen Sintra. Der EZB-Präsident forderte die Regierungen erneut zu strukturellen Reformen auf: "Dies bedeutet keinesfalls das Ende unserer Herausforderungen, und eine konjunkturelle Erholung alleine löst nicht alle Probleme Europas".

mod/AFP / AFP