HOME

Nach Kommunikationspanne: Journalisten erhalten EZB-Redetexte nicht mehr vorab

Weil marktrelevante Informationen zu häufig vor Ablauf der Sperrfrist veröffentlicht wurden, gibt die EZB künftig keine Redetexte mehr vorab an Journalisten aus. Die Entscheidung lässt aufhorchen.

Künftig gibt die EZB keine Redetexte mehr vorab mit Sperrfrsiten an Journalisten heraus

Künftig gibt die EZB keine Redetexte mehr vorab mit Sperrfrsiten an Journalisten heraus

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird Redetexte ihrer Ratsmitglieder ab sofort nicht mehr vorab mit Sperrfrist an Journalisten verteilen. Das kündigte die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt an. Die EZB habe seit Monaten über diese Änderung diskutiert. Denn dem Vernehmen nach sind über die sozialen Netzwerke zu häufig marktrelevante Informationen vor Ablauf der Sperrfrist veröffentlicht worden.

Dass die Entscheidung gerade jetzt fiel, lässt aber aufhorchen: Denn EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré steht aktuell in der Kritik, weil er am Montagabend bei einem Abendessen in London vor einigen Vertretern von Hedgefonds und Banken Details zu Änderungen im EZB-Anleihenkauf-Programm genannt hatte.

Wenige Finanzmarktakteure mit zeitlichem Vorsprung

Die EZB veröffentlichte die Rede aber erst am Dienstagvormittag - danach ging der Eurokurs auf Talfahrt. Damit hatte eine kleine Schar von Finanzmarktakteuren einen zeitlichen Vorsprung vor allen anderen Marktteilnehmern. Die "Welt" schrieb, dass einige mit den exklusiven Informationen "wohl das Geschäft ihres Lebens" gemacht hätten.

Coeuré hatte in seiner Rede angekündigt, dass die EZB wegen geringer Handelsaktivitäten in den Sommermonaten einen Teil der milliardenschweren Wertpapierkäufe vorziehen werde.

Weil der Handel von Mitte Juli bis August meist schwächer ausfalle, werde ein Teil der Käufe bereits im Mai und Juni erfolgen, sagte Coeuré. Damit sei gewährleistet, dass das durchschnittliche Kaufvolumen von 60 Milliarden Euro je Monat sichergestellt werde.

mod/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel