ITALIEN Prada will im dritten Anlauf an die Börse


Der italienische Modekonzern Prada scheint es im dritten Anlauf endlich an die Börse zu schaffen. Bereits zweimal hatte der italienische Modekonzern einen Rückzieher gemacht.

Der italienische Modekonzern Prada scheint es im dritten Anlauf endlich an die Börse zu schaffen. Bereits vor Monaten hatte der italienische Modekonzern Prada zwei Mal angekündigt, an die Börse gehen zu wollen - und dann wegen schwieriger Marktbedingungen immer wieder einen Rückzieher gemacht. Jetzt bekräftigt Unternehmenschef Patrizio Bertelli erneut den im Mai angekündigten Plan, Prada bis Ende Juli endlich an die Börse bringen zu wollen. »Die Notierung von Prada Holding verläuft sowohl was die Pläne als auch was die Zeit betrifft genau so, wie mit den Banken vereinbart«, sagte Bertelli in Mailand, wo derzeit die Männerkollektionen Frühling-Sommer 2003 präsentiert werden.

Das Mailänder Modehaus hat sich innerhalb von nur zwei Jahrzehnten von einem kleinen Handtaschenhersteller zu einer der international größten Luxusgütermarken gemausert. Besonders mit seinen hochwertigen Lederwaren und mit dem elegant-minimalistischen Modestil hat sich der Konzern weltweit einen Namen gemacht.

Schulden von 1,25 Milliarden Euro

Jedoch hat Prada durch eine aggressive Expansionspolitik Schulden von knapp 1,25 Milliarden Euro angehäuft - was die Banken dazu veranlasste, den Druck auf Bertelli zu erhöhen und einen baldigen Börsengang zu fordern. Neben der Deutschen Bank wollen BNP Paribas und die italienische Intesa den Börsengang begleiten.

Bei dem Marktwert des Luxusgüterkonzerns sind sich die Analysten nicht einig. Die Schätzungen schwanken zwischen 2,5 und 6 Milliarden Euro. Experten rechnen mit einer Platzierung von 30 bis 40 Prozent des Kapitals. Dadurch könnten Prada bis zu 2,2 Milliarden Euro in die Kasse fließen. Das Geld benötigt das Unternehmen unter anderem für die Eröffnung neuer Geschäfte. Derzeit verfügt Prada über etwa 450 Boutiquen.

»Prada ist die größte Modegruppe, die noch nicht an der Börse notiert ist, und unsere Konkurrenz hat deshalb finanzielle Antriebe, die wir nicht haben«, hatte Bertelli, dessen Frau Miuccia Chedesignerin des Konzerns ist, im Mai erklärt. Die Bilanz 2001 war bei Prada nicht gerade brillant: Unter anderem wegen hoher Abschreibungen und Zinszahlungen schrumpfte der konsolidierte Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um über 50 Prozent auf 46,3 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um lediglich 5,4 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro, nachdem er im ersten Halbjahr noch um 25 Prozent angewachsen war.

Zukäufe drücken auf die Bilanz

Grund für die Einbußen waren vor allem die zahlreichen Zukäufe, die Prada in den vergangenen Jahren für teures Geld gemacht hatte. Vor drei Jahren kaufte Prada für 100 Millionen Euro das Modeunternehmen der Hamburger Designerin Jil Sander, es folgten unter anderem der britische Schuhproduzent Church?s und Fendi. Die 25,5- prozentige Beteiligung an dem römischen Modehaus musste Prada wegen der Krise auf dem Luxusgütermarkt bereits an die französische LVMH verkaufen.

Obwohl sich Börsenumfeld und Marktbedingungen in den vergangenen Monaten nicht wesentlich verbessert haben, muss Prada jetzt scheinbar dem Druck der Banken nachgeben und den Schritt an die Börse wagen. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass das Vorhaben beim dritten Anlauf endlich in die Tat umgesetzt wird, ist der derzeitige Umbau der Führungsspitze des Unternehmens. So holte Bertelli kürzlich den ehemaligen Vorstandschef des Stromversorgers Enel, Franco Tatò, in seinen Verwaltungsrat.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker