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Kartenmacher Christoph Behn: Kreative Einladungen und Albträume in pink: Dieser Mann verkauft 13 Millionen Karten im Jahr

Ob zur Hochzeit oder Geburt, zum Geburtstag oder zu Weihnachten: Rund 13 Millionen Einladungs- und Dankeskarten hat Christoph Behns Kartenmacherei 2017 verkauft. Im Gespräch verrät der Gründer, worauf die Deutschen abfahren und warum jede Karte nochmal gegengelesen werden muss.

Kartenmacherei

Der Herr der Karten: Christoph Behn, Gründer und Geschäftsführer der Kartenmacherei

An modernen Kommunikationskanälen herrscht nun wirklich kein Mangel. Täglich schreiben wir uns unzählige Emails, SMS, Whatsapp- und Facebook-Nachrichten. Doch für die wirklich großen Dinge im Leben - die Einladung zur Hochzeit, die Geburt eines Kindes, den runden Geburtstag - schicken die meisten Menschen dann doch lieber ein Stück Papier, das man anfassen und an den Kühlschrank oder die Pinnwand hängen kann. "Natürlich kann man Einladungen per Whatsapp verschicken, aber die wichtigen Events zelebrieren die meisten lieber mit einer Karte", sagt Christoph Behn. Der 38-jährige Hamburger muss es wissen, schließlich hat er allein im vergangenen Jahr rund 13 Millionen Karten im deutschsprachigen Raum verkauft und damit 34 Millionen Euro umgesetzt.

Seit der Gründung vor acht Jahren hat sich Behns Kartenmacherei zu einer führenden Adresse rund um Einladungs- und Dankeskarten in Deutschland entwickelt. Natürlich gibt es auch jede Menge andere Anbieter, bei denen man sich Karten drucken lassen kann. Aber mit einer Mischung aus modernen Designs und kreativen Gestaltungsmöglichkeiten für den Kunden hat sich der Online-Kartengenerator der Kartenmacherei als Anlaufstelle für alle Events etabliert, bei denen es etwas Großes zu feiern gibt.

Karten zu Hochzeit und Geburt sind die Bestseller

Auf die Geschäftsidee kamen Christoph und seine Frau Jennifer nach der Geburt ihres ersten Kindes. Auf der Suche nach schönen Dankeskarten für all die Geburtsgeschenke wurden die frisch gebackenen Eltern nicht so recht fündig. "Da dachten wir uns: Das können wir besser", erzählt Christoph Behn. Er kündigte seinen Job als Unternehmensberater und holte noch Bruder Steffen Behn mit ins Boot, der die technische Seite der neuen Kartenfirma übernahm.

Neben Karten zur Geburt sind vor allem Hochzeitskarten der größte Umsatzbringer für die Kartenmacherei. Hochzeit feiern die meisten zwar nur einmal im Leben, aber dafür darf der Spaß dann auch etwas kosten. Im Trend liegt es beispielsweise, die komplette Hochzeit von der Save-the-Date-Karte bis zum Dank für die Geschenke in einem Design und mit einheitlichen Farben zu gestalten, berichtet Behn. Viele Paare kreierten sogar ein individuelles Logo - etwa aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen -, das sich auch auf der Torte oder den Schuhen der Braut wiederfinde. Und natürlich auch auf sämtlichen Karten. "Wer das komplette Paket will, von der Einladung über die Tischkarten bis zur Dankeskarte, kann schon 250 bis 500 Euro für Hochzeitskarten ausgeben", sagt Kartenmacher Behn. Dafür erspart sich das gestresste Liebespaar aber auch einige nervenzehrende Bastelnachmittage mit Papier und Schere. 

Motiv "Super Alter" - einer der Bestseller für Geburtstagseinladungen

Motiv "Super Alter" - einer der Bestseller für Geburtstagseinladungen

Rechtschreibfehler und Albträume in pink

Auch für Geburtstagseinladungen, zu Weihnachten und zur Kommunion gibt es bei der Kartenmacherei unzählige Motive. Bei Geburtstagskarten sind neben Klassikern, bei denen die große Zahl im Vordergrund steht, auch Retro-Themen oder humorigere Varianten angesagt. Zu den aktuellen Bestsellern zählt zum Beispiel ein Motiv, auf dem eine Tankzapfsäule mit der Aufschrift "Super Alter" zu sehen ist, berichtet Behn. 

Da sich Texte und Fotos frei gestalten lassen, beschäftigt die Kartenmacherei nicht nur Leute, die die hochgeladenen Bilder für den Druck optimieren, sondern auch ein eigenes Text-Lektorat, das die Vertipper der Kunden korrigiert. So verhindert Behns Mannschaft, dass der Kunde beim Auspacken der Lieferung 50 Karten mit Rechtschreibfehler in Händen hält, die ihm beim Bestellen am Bildschirm nicht aufgefallen sind. Auch rechtswidrige Sachen, zum Beispiel aus der rechtsextremen Ecke, könnten die Qualitätskontrolleure im Ernstfall stoppen, sagt Behn, wobei er sich nicht erinnern könne, dass so etwa schon einmal vorgekommen sei.

In Geschmacksfragen dagegen reden die Kartenmacher ihren Kunden selbstverständlich nicht herein. "Wenn jemand komplett pinke Hochzeitskarten haben will, frage ich mich zwar, ob der Bräutigam da mitreden durfte, aber natürlich drucken wir die", sagt Behn. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm auch ein Fall, in dem das Paar seine Hochzeitskarten als Fotolovestory im Adam-und-Eva-Stil gestaltete. "Das war nicht wirklich obszön, aber schon sehr, sagen wir mal, kreativ." 

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