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Kommentar: Das Comeback des Dax

Er hat's geschafft: Erstmals seit über sechs Jahren übersprang der Dax wieder die Marke von 7000 Punkten. Psychologisch wichtig sei das, sagen Börsenexperten, weil die Entwicklung mehr Privatanleger anlocken könnte. Aber: Lohnt der Einstieg?

Von Dirk Benninghoff

An Deutschlands Bürger ist die Börsen-Rally bislang vorbei gerast. Die Privatanleger sind seit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes fast ausgestorben. Die Quoten von Aktionären – sei es direkt über Aktien oder indirekt über Fonds oder Zertifikate – sind so gering wie in kaum einer anderen großen Volkswirtschaft und seit Jahren zudem rückläufig. Sie bewegen sich auf dem tiefsten Stand seit 1999. Und das trotz des seit dem Frühjahr 2003 laufenden Börsenaufschwungs.

Vielleicht wird das mediale Echo auf den 7000er Satz den Dax zurück ins Gedächtnis der Deutschen bringen. Nicht auszudenken, wenn ein Teil der riesigen Sparsummen an die Börse wandern würde. Zwar geben dort die Großanleger wie Banken, Versicherungen und Pensionskassen den Ton an. Aber bei kleineren Werten abseits des Dax könnten auch Privatinvestoren einiges bewegen.

Angesichts einer enorm temporeichen Rallye, die den Dax innerhalb von nicht einmal vier Jahren von 2200 auf 7000 Punkte geführt hat, ist die Gefahr von Verlusten für potenzielle Börsenrückkehrer kurzfristig allerdings groß. Das Wachstum der Unternehmensgewinne hat seinen Höhepunkt überschritten, das vierte Quartal in der Hinsicht bislang mehr Enttäuschungen als positive Überraschungen gebracht. Die nachlassende Profit-Dynamik führt gekoppelt mit rasant steigenden Kursen dazu, dass viele Aktien überbewertet sind – sprich: der deutsche Aktienmarkt ist zu teuer.

Das birgt die Gefahr beziehungsweise die Chance von Rückschlägen. Denn die Börse braucht einmal wieder eine Atempause. Wer Lust auf Aktien hat, sollte die nächste Verlustphase zum Einstieg nutzen. Denn langfristig überwiegen positive Faktoren: Es ist jede Menge Geld bei den Investoren vorhanden. Ein sehr hoher Anteil steckt noch in anderen Anlagen wie Geldmarktfonds und könnte bald zu den Aktien herüberwandern.

Auch das Zinsumfeld ist günstig. Die USA könnten bald ihre Zinsen wieder senken, von Zinserhöhungen in Japan und der Euro-Zone hat die Börse bereits eingepreist - sie werden die Kurse also kaum belasten. Der Ölpreis hat sich auf einem verkraftbaren Niveau eingependelt. Finanzinvestoren werden auch in den kommenden Monaten mit ihren Milliarden jede Menge Übernahmefantasie an die Börse bringen, Hedge-Fonds zwingen viele Vorstände zu aktionärsfreundlicherer Politik wie hohen Dividenden oder Aktienrückkäufen. Wenn sich dann noch die T-Aktie, immer noch eines der Schwergewichte im Dax, auf den Weg nach oben machen würde… Es ist noch nicht zu spät zum Einstieg.

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