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Konjunkturprognose: Die Wirtschaft brummt - aber nur noch 2008

In diesem Jahr läuft die deutsche Wirtschaft noch auf Hochtouren - Experten erwarten ein Wachstum von bis zu 2,5 Prozent, ausgelöst durch ein tolles erstes Quartal. Doch schon im nächsten Jahr soll mit solchen Zuwächsen Schluss sein.

Das Hamburgische Welt-WirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Wachstumsprognose für 2008 deutlich erhöht. Wegen des unerwartet starken Auftaktquartals werde sie von 1,3 auf 2,2 Prozent angehoben, teilte das HWWI mit. Von Januar bis März hatte die Wirtschaft begünstigt durch Sondereffekte wie den milden Winter das stärkste Quartalswachstum seit rund 15 Jahren erzielt.

"Die deutsche Wirtschaft zeigte sich bislang aber auch recht robust gegenüber den dämpfenden Einflüssen seitens der internationalen Finanzkrise, der Eurostärke und der Energieverteuerung", hieß es. Auf Dauer werde dies aber Bremsspuren hinterlassen. 2009 dürfte sich das Wachstum daher auf 1,1 Prozent halbieren. Bislang hatten die Forscher mit 1,3 Prozent gerechnet.

Beschäftigung stagniert

"Immer mehr Indikatoren deuten auf eine Abschwächung im weiteren Jahresverlauf hin", schreiben die Ökonomen. Sollten sich die Probleme nicht weiter zuspitzen, sei jedoch um die Jahreswende mit einer Wiederbelebung der Konjunktur und im Laufe des kommenden Jahres mit einer Anknüpfung an den Aufschwung zu rechnen. Die Beschäftigung werde zunächst kaum zunehmen. Die Inflationsrate werde selbst bei Beruhigung der Ölpreise in diesem Jahr annähernd drei Prozent betragen und auch 2009 kaum unter die Zwei-Prozent-Marke fallen.

Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Konjunkturprognose für dieses Jahr nach oben korrigiert. Aktuell gehe es von einem realen Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent aus, teilte das arbeitgebernahe Institut in Köln mit. Im April hatten die Experten für 2008 noch ein Wachstum von nur 1,7 Prozent prognostiziert. Wesentlicher Grund für die günstigere Einschätzung sei "das rasante Tempo, mit dem die deutsche Wirtschaft ins Jahr 2008 gestartet ist". Das Bruttoinlandsprodukt hatte im ersten Quartal trotz Euro-Höhenfluges und Finanzkrise um real 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugelegt.

Inlandskonsum zu schwach

Von einer ähnlichen Entwicklung geht auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) aus. Auf ein Wachstum von 2,3 Prozent in diesem Jahr werde aber 2009 nur eine "schwache Eins" (bis maximal 1,4 Prozent) folgen, erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben in Berlin.

Gerade der Export als wichtige Konjunkturstütze der vergangenen vier Jahre kühle in den nächsten Monaten merklich ab. Die IHK-Konjunkturumfrage bei mehr als 20.000 Unternehmen im Frühsommer zeigt, dass der inländische Konsum diese Lücke nicht füllen kann. Wansleben kritisierte: "Die zu hohe Mehrwertsteuer, die gestiegenen Öl- und Lebensmittelpreise sowie die kalte Progression machen sich eindeutig bemerkbar." Die nach wie vor relativ hohen Investitions- und Einstellungspläne der Unternehmen ließen allerdings einen Wachstumseinbruch unwahrscheinlich erscheinen.

Zwar erwarten die Unternehmen inzwischen im Schnitt eine schlechtere Geschäftsentwicklung als zu Jahresbeginn. In der Umfrage war aber die Gruppe, die gleichbleibende Erwartungen hegen, mit 60 Prozent so hoch wie nie zuvor. "Auch das ist ein Anzeichen, dass der guten Konjunkturentwicklung in den kommenden Monaten nicht der jähe Absturz folgt", meinte Wansleben.

Der DIHK rechnet damit, dass in diesem Jahr 500.000 Menschen zusätzlich einen Job finden. Gefahren sähen die Unternehmen neben den konjunkturellen Faktoren in politischen Risiken, erklärte der Hauptgeschäftsführer. "Dazu gehören die Einführung von Mindestlöhnen, steigende Sozialbeiträge und eine stärkere Regulierung der Zeitarbeit." Wansleben sagte, angesichts steigender Beschäftigung seien die Spielräume für eine nochmalige deutliche Senkung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung auf knapp unter drei Prozent schon jetzt vorhanden. "Hier bedarf es keiner Prüfauftrage mehr, sondern klarer Entscheidungen" - und zwar "so schnell wie möglich".

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters
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