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Lakshmi Mittal: "Stahl-Maharadscha" mit Familiensinn

Auf seinen Vater hat Lakshmi Mittal lange gehört. "An dem Tag, an dem du eine öffentliche Person wirst, beginnt dein Niedergang", warnte ihn Mohan Mittal, der in der Provinz Rajastan ein kleines Stahlwerk besaß. Jetzt macht er Schlagzeilen.

Aber irgendwann hat der Sohn begriffen, dass man den wohl gemeinten Ratschlag nicht mehr berücksichtigen kann, wenn man es zum drittreichsten Mann der Welt geschafft hat. Mit der geplanten Elefanten-Hochzeit der beiden weltgrößten Stahlkonzerne Mittal Steel und Arcelor steht der Inder jetzt wieder in den Schlagzeilen. Das diskrete Leben ist für den 55-jährigen "Stahl-Maharadscha" allerdings schon seit einigen Jahren vorbei. In der Branche wurde aufmerksam beobachtet, wie sich seine Firmengruppe durch spektakuläre Zukäufe nach und nach zur weltweiten Nummer eins entwickelte. Der Erfolg gründete vor allem auf der Übernahme von zahlreichen maroden Staatsbetrieben in Osteuropa.

Erfolg mit hoffnungslosen Fällen

Die scheinbar hoffnungslosen Fälle, von denen die Konkurrenz lieber die Finger ließ, verwandelte Mittal durch harte Sanierung in Gewinnbringer. Der ganz große Durchbruch in der Branche gelang dann im vergangenen Jahr mit der Übernahme des US-Konzerns International Steel. Der Aufstieg zur Nummer eins am Stahlmarkt war geschafft. Heute sind seine Schmelzen und Walzwerke über fünf Kontinente verteilt. Mehr als 350.000 Flugmeilen legt er pro Jahr zurück, um überall nach dem Rechten zu sehen. Mittal ist der erste Industrielle aus einem Schwellenland, der es zum Herrscher eines weltweiten Firmenimperiums gebracht hat. Zu Hause wird der Magnat, der seit Mitte der 90er Jahre in London lebt, dafür verehrt. "In seinen Adern pulsiert geschmolzener Stahl", bejubelte ihn "Businessindia".

Geduldig baute sich Mittal ein kleines Reich zusammen, bis er 1989 zum ersten Mal auf internationaler Ebene zuschlug: Durch den Kauf eines Stahlwerks in Trinidad und Tobago. Zum Erstaunen der Branche entwickelte sich der Einzelgänger langsam aber sicher zu einem echten "global player". Vor gut einem Jahr stellte sich Mittal dann ganz oben auf das Treppchen. Er führte seine damaligen Unternehmen Ispat und LNM Holding zusammen und fusionierte gleichzeitig mit dem US-Konzern International Steel - so entstand Mittal Steel, die Nummer eins auf dem weltweiten Stahlmarkt. Das Unternehmen machte 2004 nach eigenen Angaben mit weltweit 175.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 22 Milliarden Euro. Das allein ist aber nicht ausschlaggebend für den ehrgeizigen Chef.

"Wir wollen bewundert werden"

Der britisch-indische Unternehmer ist auf diese Weise zum drittreichsten Mann der Welt geworden. Treibende Kraft hinter den erfolgreichen Übernahmen ist neben ihm sein Sohn und Finanzvorstand Adithya Mittal. Auch Tochter Vanisha sitzt im Vorstand. Formal ist das Unternehmen in Rotterdam angemeldet, doch die Leitung operiert von London aus. Ihr Motto laut Firmenbroschüre: "Wir wollen nicht nur erfolgreich sein. Ziel ist es, bewundert zu werden für unsere Kultur, Dienstleistung und Führungsqualitäten. Um nichts weniger geht es."

Beim wirtschaftlichen Ruhm ist es aber nicht geblieben. Inzwischen beschäftigt Mittal auch die Klatsch-Seiten. Für 110 Millionen Euro kaufte er sich vor einer Weile ein Anwesen im Londoner Nobelviertel Kensington, die Hochzeit von Tochter Vanisha in Versailles ließ er sich 45 Millionen kosten. Bei einem Privatvermögen von geschätzten 20 Milliarden Euro lässt sich das bezahlen.

"Weil er gut ist"

Wie viel Wert Mittal auf die Familie legt, lässt sich auch daran erkennen, dass er seinen Sohn Adithya zum Finanz-Vorstand und zur Nummer zwei des Konzerns gemacht hat. Wiewohl er - ganz stolzer Vater - sagt: "Adithya ist nicht Finanzvorstand, weil er mein Sohn ist. Sondern weil er gut ist."

Christoph Sator/DPA / DPA
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