HOME

Luftverkehr: CargoLifter: Frachtzentrum statt Luftschiffwerft?

Der Luftschiffbauer CargoLifter ist zwar am Ende - aber für die gigantische Halle im südbrandenburgischen Brand interessiert sich das US-Logistikunternehmen Universal Express.

Für die gigantische Halle auf dem Gelände im südbrandenburgischen Brand, die das Land einst mit 40 Millionen Euro förderte, interessiert sich nach Angaben des Insolvenzverwalters Rolf-Dieter Mönning das US-Logistikunternehmen Universal Express.

Frist endet Mitte März

Die Gespräche mit der Landesregierung über mögliche öffentlichen Förderungen und Genehmigungen laufen. Mitte März läuft die von Mönning mit dem Unternehmen vereinbarte Frist aus. «Danach haben wir entweder einen Kaufvertrag stehen, oder die Sache ist geplatzt», meinte der Verwalter kürzlich lakonisch.

Mehr als 300 Millionen Euro will das Logistikunternehmen angeblich in Brand (Dahme-Spreewald) investieren. Geplant ist die Errichtung eines Frachtzentrums, das als Kerngeschäft den Bau von Luftschiffen finanzieren soll. Unbestätigten Angaben zufolge sind die Amerikaner bereit, 87 Millionen Dollar (rund 80 Millionen Euro) für die Übernahme der Liegenschaft zu zahlen.

Nie mehr selbst entwickeln

CargoLifter wird nach Einschätzung Mönnings nie mehr selbst ein Luftschiff entwickeln und bestenfalls als Beteiligungsgesellschaft von Universal Express weiter existieren. Unterdessen laufen die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die CargoLifter AG wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung weiter. Medien berichten zudem immer wieder über zweifelhafte Praktiken des früheren Managements.

Distanz zum früheren Management

So sei den Aktionären verschwiegen worden, dass das geplante Transport-Luftschiff CL 160 mit dem vorhandenen Geld und in dem gesteckten Zeitrahmen überhaupt nicht habe gebaut werden können. Mönning: «Die Aktionäre wollen wissen, ob sie betrogen wurden.» Während CargoLifter-Gründer Carl von Gablenz - mit Sitz im einflusslosen Aufsichtsrat - die Vorwürfe zurückweist, distanziert sich Mönning zunehmend vom früheren CargoLifter-Management.

Seltmsame Praktiken

Der Insolvenzverwalter gibt zu Bedenken: Wenn jemand den lasergesteuerten Tomatenschäler entwickeln wolle, würde er jede verfügbare Mark in die Entwicklung des Produktes stecken. Erst danach stehe sinnvoller Weise das Drucken von Prospekten und das Kaufen oder Anmieten einer Halle an: «Bei CargoLifter ist man den umgekehrten Weg gegangen.» Zurück bleiben 70.000 enttäuschte Aktionäre, die rund 300 Millionen Euro in das Projekt steckten, mehr als 100 Millionen Euro Schulden - und eine gewaltige Halle auf märkischem Sand.