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Marktkampf: Champagner im Ausverkauf

Rund 300 Millionen Flaschen Champagner werden jedes Jahr weltweit geleert. Dennoch ist der Markt heiß umkämpft: kleine Champagner-Häuser gegen den Riesen Moët Hennessy.

Für die symbolische "Krönung" von Fürst Albert II. am Dienstag kreierte Lanson eine "cuvée speciale": Die Feier in Monaco kam der Champagnermarke gerade recht, um ihren edlen Charakter zu preisen. Denn Lanson steht zum Verkauf. Samt Marken wie "Alfred Rothschild" sei das Haus 700 Millionen Euro wert, sagt Konzernchef François-Xavier Mora. Für nur 140 Millionen Euro weniger wird auch das Haus Taittinger angeboten: Champagner im Ausverkauf.

Die Familie Mora hält noch 56 Prozent an Lanson International. Vor einem Jahr hatte sie die Sparkassen mit 44 Prozent ins Boot geholt, um einen Zusammenbruch zu vermeiden. Doch die Sparkassen wollen keine Winzer werden und bis zum nächsten Frühjahr wieder aussteigen. Und Mora selbst hat nach eigenen Angaben "keine Kraft mehr".

Moët Hennessy ist unangefochtener Marktführer

Das drittgrößte Champagnerhaus mit 250 Millionen Euro Umsatz kämpft seit Jahren einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen die Monopolisierungsstrategie von Moët Hennessy, dem mit 2,28 Milliarden Euro Umsatz unangefochtenen Marktführer. Im vergangenen Jahr lag Lansons Verlust bei zehn Millionen Euro. Die Verschuldung wird auf 410 Millionen Euro beziffert. Spätestens seit 2004 mit Bricout-Delbeck erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ein Champagnerhaus in die Insolvenz ging, geht die Angst vor dem Ende um.

Ganz anders bei Taittinger: Das Haus ist mit 104 Millionen Euro Umsatz und 4,5 Millionen verkauften Flaschen zwar nur die Nummer sechs der Champagne, dafür aber hoch rentabel. Die Familie will einfach Kasse machen und neben dem Champagner auch ihre Luxushotels wie das Pariser Crillon verkaufen. Gleich sieben Interessenten sollen sich um die Übernahme rangeln, darunter Investmentfonds wie Wendel und Carlyle. Geschätzter Preis: 560 Millionen Euro. Denn Taittinger besitzt 280 Hektar bestes Rebland, die 2,8 Millionen Flaschen pro Jahr garantieren. Und in den Kellern lagert die Produktion von sechs Jahren - eine wahre Schatzhöhle.

Lanson in der Preiszange

Lanson hat nur die Produktion von knapp zwei Jahren im Keller. Das Unternehmen stützt sich vor allem auf große Handelsmarken und kauft die Trauben von unabhängigen Winzern. Dadurch gerät Lanson in eine Preiszange: Die teuer gewordenen Trauben machen Analysten zufolge schon mehr als die Hälfte des Flaschenpreises aus. Gleichzeitig schlägt der im Handel tobende Preiskampf auf die Lieferanten durch.

Die Tendenz nutzt dem Branchenprimus Moët Hennessy. Die Tochter des weltgrößten Luxuswarenkonzerns LVMH kauft systematisch Winzereien auf, um die eigene Produktionsbasis zu erweitern. Der Multi hat zudem die nötige Kapitalkraft, um seine Marken auch in Übersee zu positionieren. Er beherrscht das Geschäft von der Rebe bis zum Regal.

Rund 300 Millionen Flaschen Champagner werden jedes Jahr weltweit geleert. Mit Taittinger und Lanson stehen gleich zwei der noch von den Gründerfamilien beherrschten historischen Champagnerhäuser vor einem Besitzerwechsel. Kein Zweifel: Die Champagnerdynastien sind auf dem Rückzug. Doch das bedeutet noch keine Herrschaft internationaler Finanziers. Das Geschäft muss nach Expertenmeinung auf Sicht von zehn Jahren geplant werden. Als Investoren für Lanson und Taittinger kämen daher eher große Spirituosenkonzerne in Frage, die noch Champagner im Sortiment brauchen. Als Bedingung für die Veräußerung von Lanson fordern die Sparkassen ein langfristiges Engagement der Investoren - Fonds wie Carlyle hätten demnach bei Lanson keine Chance.

Hans-Hermann Nikolei/DPA