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Milch-Streit: Bauern drohen mit weiteren Streiks

Die deutschen Milchbauern wollen ihren Lieferstopp fortsetzen, sollte sich der Einzelhandel weiter weigern, über höhere Preise zu verhandeln. Angesichts der Proteste wollen zwei große Supermarktketten den Bauern offenbar einen "Fairness"-Bonus pro Liter Milch zahlen.

Angesichts der heftigen Proteste der Milchbauern gegen niedrige Preise planen die Supermarktketten Lidl und Edeka offenbar, ihren Kunden in Kürze Milch mit einem Preisaufschlag für die heimischen Landwirte anzubieten. Fünf Cent pro Liter sollten künftig direkt an die Milchbauern wandern, berichtet das Branchenblatt "Lebensmittelzeitung". Die Supermarktketten wollten die Pläne offiziell noch nicht bestätigen.

Die deutschen Milchbauern wollen ihren Lieferstopp indes auch in der kommenden Woche fortsetzen, sollte sich der Handel nicht bewegen. "Kommt es bis Montag nicht zu Verhandlungen mit dem Einzelhandel, ist eine Fortsetzung denkbar, und wir sind entschlossen, unsere Forderungen durchzusetzen", sagte der Chef des Milchbauern-Verbands BDM, Romuald Schaber. Am Wochenende würden die Verbraucher erstmals vor leeren Supermarktregalen stehen, warnte er.

"Wir gehen davon aus, dass am Samstag Supermarktregale in ganz Deutschland wirklich leer sein werden", sagte Schaber. Das Milch-Angebot in den Geschäften habe sich bereits erheblich verringert. Bisher hätten die Supermärkte dies versteckt, indem sie die Verkaufsflächen für Milch in vielen Orten verkleinert hätten: "Irgendwann ist aber der Punkt erreicht, wo man die Auswirkungen des Lieferstopps nicht mehr kaschieren kann."

Die im BDM organisierten Milchbauern seien jederzeit bereit, wieder an die Molkereien zu liefern, sagte Schaber. "Voraussetzung ist jedoch, dass verhandelt und auf unsere Forderungen eingegangen wird". Der BDM will für seine rund 32.000 Mitglieder und die Landwirte anderer Verbände bei den Molkereien einen Mindestabnahmepreis von 43 Cent erreichen. Derzeit zahlen die Betriebe zwischen 28 und 34 Cent: "Bisher sind jedoch keine Verhandlungsgespräche angekündigt, der Handel pokert hoch."

Handel bleibt gelassen: Kein Engpass

Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes HDE kann von einem Lieferengpass in den Supermärkten nicht die Rede sein. "Die Milch kommt ganz normal jeden Morgen in den bestellten Mengen an", sagte Sprecher Hubertus Pellengahr. Leere Regale habe es bisher nicht gegeben. Zu Beginn des Streiks am Wochenanfang hätten die Verbraucher zwar mehr H-Milch gekauft: "Aber auch das hat der Handel im Griff." Auch bei ihren Wochenendeinkäufen und in der kommenden Woche müssten die Verbraucher nicht mit Einschränkungen rechnen.

Nach Angaben der Supermarktketten Lidl und Edeka gab es in ihren Filialen noch keine leeren Milch- und Milchproduktregale. "Für uns sind die Lieferstopps weiterhin kein flächendeckendes Problem, auch wenn es regionale Unterschiede gibt", sagte Edeka-Sprecher Gernot Kasel. Auch bei Lidl habe es bisher keine Probleme gegeben. "Wir haben im Moment keine Lieferengpässe", sagte Lidl-Sprecherin Petra Trabert.

AFP / AFP