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PHARMA: Roche will angeblich Bayers Pharmasparte kaufen

Den Gerüchten zufolge bietet Roche dem deutschen Konkurrenten 20 Milliarden Dollar (42,9 Milliarden Mark) für dessen Pharmasparte.

Das Schweizer Pharma-Unternehmen Roche Holding AG hat eine Mischung aus Aktien und Barmitteln für den Pharmabereich geboten, sickerte am Montagabend aus unternehmensnahen Kreisen durch. Das ist das zweite Mal, dass Roche an Bayer innerhalb von zwölf Monaten wegen der Pharmasparte herantrat. Bereits im vergangenen Jahr hatte Roche ein ähnliches Gebot unterbreitet, das Bayer allerdings abgelehnt haben soll. Bayer hat auf die neue Offerte noch nicht geantwortet. Eine Roche-Sprecherin wollte die Spekulationen nicht kommentieren. Auch bei Bayer war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erhalten.

Kommt nun strategische Koalition?

Aus den Kreisen verlautete weiter, dass Bayer den Vorschlag voraussichtlich bei der Aufsichtsratssitzung am 13. September diskutieren wird. Die Geschäftsleitung bei Bayer war zwar derzeit nicht bereit, die Sparte unmittelbar zu veräußern. Eine strategische Beteiligung von Bayer an Roche im Tausch für die Pharmasparte ist allerdings denkbar, hieß es aus den Kreisen.

Verkauf plötzlich kein Tabu mehr

Nach dem Rückruf des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol hatte der Chemie- und Pharmakonzern Bayer einen Verkauf der Pharmasparte nicht mehr generell ausgeschlossen. Zwei renommierte Pharmaunternehmen hatten Interesse angemeldet, sagte Bayer-Chef Manfred Schneider Mitte August, ohne Namen zu nennen. Falls Bayer die Pharma-Sparte in eine Kooperation einbringt, muss der Konzern deutliche Abstriche in der unternehmerischen Führung hinnehmen. Bisher hatte Bayer eine Kooperation unter Führung eines Partners kategorisch abgelehnt.

Pharmasparte weiter attraktiv

Ein Verkauf der Pharma-Sparte gehört zum »theoretischen Strauß der Möglichkeiten«, hatte Schneider vor zwei Wochen gesagt. Zum jetzigen Zeitpunkt steht ein Verkauf der Sparte aber nicht an. Dennoch ist es wert, darüber nachzudenken, ob Pharma ein Bestandteil von Bayer bleiben wird. Über neue Konzernziele und darüber, ob sie aus eigener Kraft oder in Partnerschaften erreicht werden sollten, muss nun beraten werden, sagte Schneider. »Natürlich gibt es bereits erste Überlegungen, doch die sind heute noch nicht verkündungsreif.« Ein erstes Konzept solle bereits in wenigen Wochen vorgelegt werden. Das Interesse zweier renommierter Pharmafirmen zeigt aber, dass die Pharma-Sparte offenbar weiter durchaus attraktiv ist. Ob die Konkurrenten an einer Übernahme oder an einer Kooperation interessiert waren, wollte Bayer nicht mitteilen.

Bayer hatte am 8. August mitgeteilt, dass das Medikament Lipobay/Baycol wegen Todesfällen nach Einnahme des Mittels vom Markt genommen werde. Der Konzern rechnet mit einer Ergebnisbelastung durch den Ausfall des Verkaufsschlagers von rund 800 Millionen Euro. Infolge der weltweiten Rücknahme und vor dem Hintergrund möglicher Risiken durch Schadenersatzklagen hat sich der Börsenkurs des Unternehmens zuletzt um mehr als ein Viertel verringert.

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