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RETTUNGSAKTION: Holzmann: Drei Banken sagen ab

Das Schicksal des angeschlagenen Holzmann-Konzerns hängt am seidenen Faden. Drei Banken haben die Vorschläge der Deutschen Bank zur Rettung des Konzerns abgelehnt.

Das Schicksal des angeschlagenen Holzmann-Konzerns mit seinen 23.000 Beschäftigten hängt am seidenen Faden. Die Dresdner, die Commerzbank und die HypoVereinsbank lehnten am Mittwoch die von der Deutschen Bank favorisierten Pläne für den Baukonzern mit der Begründung ab, es gebe nach wie vor kein tragfähiges Konzept. Die Deutsche Bank bemühte sich unterdessen weiter um eine Lösung.

Insolvenz teurer als Weiterführung des Unternehmens?

In Bankenkreisen hieß es, das Institut als Konsortialführer müsse nun entscheiden, ob es die Sache gemeinsam mit kleinen Banken schultern wolle oder Holzmann Insolvenz anmelden müsse. Die Deutsche Bank ist dem Vernehmen nach der Ansicht, dass eine mögliche Insolvenz mehr Kosten erzeugen wird als die Weiterführung des Unternehmens. Internationale Investoren erklärten sich laut Bankenkreisen bereit, bei einer Holzmann-Wandelanleihe aus dem Jahr 1998 über 250 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro zu verzichten.

Dies sei ein Bestandteil der Bemühungen zu einem Ergebnis zu kommen, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Bankenkreise wollten allerdings nicht ausschließen, dass sich die Investoren mit dem Vorgehen im Falle einer möglichen Insolvenz auch eine bessere Position sichern wollten.

Banken sehen nach wie vor kein tragfähiges Konzept

Die Commerzbank erklärte, es gebe nach wie vor kein tragfähiges Fortführungskonzept, die erbetenen Maßnahmen könne das Institut deshalb nicht begleiten. Die Dresdner Bank informierte die Deutsche Bank ebenfalls schriftlich über ihre Ablehnung der Vorschläge. Das Institut sehe sich leider nicht in der Lage, die angedachten Maßnahmen zu unterstützen, weil kein tragfähiges Sanierungskonzept vorgelegt worden sei, aus dem man eine positive Prognose für die Fortführung des Unternehmens hätte ableiten können, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Nach Informationen aus Bankenkreisen lehnt auch die HypoVereinsbank die Pläne ab. Auch die Bankgesellschaft Berlin zeigte sich nach Einschätzung Frankfurter Bankenkreise zögerlich. Sie sei zwar zu einer Überbrückungslösung bereit, verbinde damit aber die Erwartung, dass kurzfristig ein neues, für alle Beteiligten faires und nachvollziehbares positives Fortführungs- beziehungsweise Sanierungskonzept vorlegt werde.

Gesamtkonzept nicht geändert

Laut Bankenkreisen wurden seit Anfang der Woche zwar Einzelmaßnahmen modifiziert. Es habe aber keine Veränderung des Gesamtkonzepts gegeben. Vorgesehen ist unter anderem ein Forderungsverzicht der Institute von über 100 Millionen Euro und eine Öffnung der Kreditlinien. Zugleich sollen die Banken eine Kaufoption für die Holzmann-Gesellschaft HSG erhalten.

Verlust verdreifacht

Der Holzmann-Verlust für das vergangene Jahr soll sich Berichten zufolge gegenüber 2000 auf rund 240 Millionen Euro verdreifacht haben. Zugleich belasten Verbindlichkeiten von rund 1,6 Milliarden Euro das Unternehmen.

1999 war die Pleite des Konzerns in letzter Sekunde durch eine Intervention von Bundeskanzler Gerhard Schröder verhindert worden. Dieser hatte dem Unternehmen ein Darlehen der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie eine Bundesbürgschaft zugesagt.