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Riskante Zinsgeschäfte: Klagewelle rollt auf Deutsche Bank zu

Der größten deutschen Bank drohen Klagen in Millionenhöhe: Etwa 700 Anleger, Kommunen und Mittelständler fordern von der Deutschen Bank Schadenersatz. Sie soll rein spekulative Produkte als Zinsanlage empfohlen haben, ohne über Risiken aufzuklären.

Der Deutschen Bank droht neues Ungemach wegen der Vermittlung riskanter Zinsgeschäfte: Weil Kunden bei sogenannten Swaps Millionen verloren, fordern nach mehreren Kommunen nun auch etliche Mittelständler Schadenersatz von der größten deutschen Bank und anderen Instituten. Die Münchner Kanzlei Rössner geht davon aus, dass es etwa 700 Betroffene gibt, wie Anwalt Julian Roberts sagte.

Der Frankfurter Anwalt Klaus Nieding sprach von "fehlerhafter Beratung über die Risiken dieser Geschäfte" und sagte: "Die Klagen sind vorbereitet." Die Deutsche Bank beteuerte erneut, sie habe umfassend beraten und über Risiken aufgeklärt.

Bei sogenannten Swaps (englisch: "tauschen") werden feste Zinssätze für Kredite gegen variable getauscht oder langfristige gegen kurzfristige. So können Investoren Geld gewinnen oder verlieren, je nachdem wie sich das Verhältnis der Zinshöhe bei kurzfristigen und langfristigen Anleihen entwickelt. Die Anwälte werfen den Banken vor, diese Geschäfte als Zinsanlage empfohlen zu haben, obwohl es rein spekulative Produkte seien.

Vorwurf der Fehlberatung zurückgewiesen

Die Deutsche Bank wies den Vorwurf der Fehlberatung erneut zurück. Die Kunden seien stets umfassend beraten und über mögliche Risiken und Chancen aufgeklärt worden, so ein Sprecher. Branchenkenner schätzen, dass eine zweistellige Zahl von Kommunen bei der Deutschen Bank ein solches Zinsswapprodukt eingekauft haben.

Die Münchner Kanzlei vertritt laut Roberts derzeit vier Kommunen und zwölf Unternehmen, die verschiedenen Großbanken falsche Beratung vorwerfen. Mit gut 20 weiteren Betroffenen gebe es Gespräche. Die Schäden bei den Mandanten lägen zwischen einer und bis zu sechs Millionen Euro.

Der Frankfurter Anwalt Nieding vertritt mit seinem Partner Andreas Tilp ein weiteres Dutzend Geschädigte. Die Verluste pro Mandant schätzt Nieding auf 700.000 Euro. Die "WirtschaftsWoche" sieht bereits eine Klagewelle auf die Deutsche Bank zurollen.

Einige Kommunen scheuen Klage

Bereits anhängig ist die Forderung der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) nach 2,6 Millionen Euro Schadenersatz von der Deutschen Bank. Anfang Juli war der Versuch gescheitert, in diesem Fall ein langwieriges Gerichtsverfahren durch einen Vergleich abzuwenden. Voraussichtlich Ende dieses Jahres werden sich die Parteien wieder vor Gericht treffen.

Manche Kommunen scheuten sich, eine Klage einzureichen, sagte Roberts: Die Verantwortlichen hätten Angst, dass dies in den Stadtparlamenten vom jeweiligen politischen Gegner ausgenutzt werden könnte.

DPA / DPA