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Rückzahlung: Argentinien will Schulden an Weltbank nicht bezahlen

Argentinien muss noch in dieser Woche eine bereits verspätete Schuldenrückzahlung von 700 Millionen Dollar an die Weltbank leisten - sonst gibt es kein weiteres Geld.

Kabinettschef Alfredo Atanasof verwies am Donnerstag darauf, dass die Regierung eher einen Zahlungsverzug vorzieht, als die ohnehin schwindenden Devisenreserven zur Schuldenzahlung einzusetzen. "Ich sage Ihnen noch einmal: Wenn Argentinien all seine Schulden von heute bis Mai zahlt (...) würden wir all unsere Devisenreserven aufbrauchen. Und die Regierung ist nicht gewillt, das zu tun", sagte Atanasof am Donnerstag vor Journalisten. Werden die Zahlungen aber eingestellt, riskiert das hochverschuldete Land auch, dass die Bank die Auszahlung weiterer Kredittranchen einstellt.

Letzte Geldquelle

Die Weltbank ist eine der wenigen noch übrig gebliebenen Geldquellen des mit rund 140 Milliarden Dollar verschuldeten Landes. Sollte Argentinien am Freitag den Betrag, der sich mit Zinsen und anderen Zahlungen auf 840 Millionen Dollar summiert, nicht überweisen, stellt die Bank alle noch auszuzahlenden Tranchen bereits bestehender Kreditzusagen von insgesamt rund zwei Milliarden Dollar ein. Die Überweisung war ursprünglich im Oktober fällig gewesen.

Strafe kommt billiger

Die argentinische Regierung argumentiert indessen, der Verlust der zwei Milliarden Dollar an weiteren Krediten als Strafe für den Zahlungsausfall wiege leichter, als die Zahlung von insgesamt 3,6 Milliarden Dollar, was rund ein Drittel der argentinischen Währungsreserven ausmacht. Dieses Geld muss das Land der Weltbank noch bis Ende 2003 zurückzahlen. Kabinettschef Atanasof fügte aber hinzu, die Regierung prüfe die Überweisung der anstehenden Zahlung noch.

Weiterer Schlag für soziale Programme

Die Gelder der Weltbank sind vornehmlich für soziale Programme und die Infrastruktur Argentiniens gedacht. Sollte das seit vier Jahren in einer Rezession steckende Land also diese Finanzquelle verlieren, wäre das ein harter Schlag für die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas, die unter anderem unter einem starken Wechselkursverlust ihrer Landeswährung leidet.

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