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Schuldenkrise: Banken saugen Gratis-Milliarden der EZB gierig auf

Fast 500 Milliarden Euro leihen sich die Institute für drei Jahre zu Niedrigzinsen bei der EZB. Doch die Euphorie verpufft. Denn die Frage bleibt: Wie schlimm ist es um die Geldhäuser bestellt, wenn sie so viel Bares brauchen?

Von Barbara Schäder, Frankfurt

Die Kreditinstitute im Euro-Raum haben beim ersten Dreijahrestender der Europäischen Zentralbank (EZB) kräftig zugelangt: 523 Banken liehen sich nach EZB-Angaben am Mittwoch insgesamt 489 Milliarden Euro. Damit wurde die bislang höchste Summe, die jemals auf einen Schlag bei der Zentralbank abgerufen wurde, übertroffen. Im Juni 2009 hatten beim ersten Einjahrestender der EZB rund 1000 Banken 442 Milliarden Euro ausgeliehen.

Besonders groß ist diese Gefahr in den hoch verschuldeten Ländern Südeuropas: Da die dortigen Banken Milliarden an Staatsanleihen ihrer angeschlagenen Sitzländer in ihren Bilanzen haben, trauen andere Kreditinstitute ihnen nicht mehr über den Weg. Südeuropäische Geldhäuser sind deshalb für den Zugang zu frischem Geld weitgehend auf die EZB angewiesen, die selbst griechische Staatsanleihen weiterhin als Sicherheit akzeptiert. Im Falle einer Pleite Griechenlands oder eines anderen hoch verschuldeten Staates müsste die Notenbank diese Papiere abschreiben.

Ende Februar vergibt die EZB einen weiteren Dreijahreskredit. Denn im kommenden Jahr rollt auf die Geschäftsbanken in der Euro-Zone eine Refinanzierungswelle zu, weil 725 Milliarden Euro an Krediten zurückgezahlt oder verlängert werden müssen.

Euro dreht nach Freudensprung ins Minus

An den Märkten hielt die Freude über die Liquiditätsspritze nicht lang: Der Euro kletterte nach Bekanntgabe der EZB-Zahlen auf ein Tageshoch von 1,3197 Dollar, fiel wenig später aber um einen US-Cent und drehte zeitweise sogar ins Minus. Der DAX fiel von einem Tageshoch von 5965 Zählern um fast 100 Punkte zurück, hielt sich aber im Plus.

Möglicherweise machten sich nach dem ersten Aufatmen an den Börsen Bedenken breit, die Lage der Geldhäuser könnte noch schlechter sein als bislang angenommen. Die bei der EZB abgerufene Summe übertraf die Erwartungen der meisten Analysten, die Schätzungen lagen im Mittel zwischen 250 Milliarden und 300 Milliarden Euro.

"Im Grunde ist das kostenloses Geld", sagte Jens-Oliver Niklasch, Stratege bei der Landesbank Baden-Württemberg, der Nachrichtenagentur Bloomberg. “Die Konditionen sind unschlagbar." Analysten der französischen Bank Société Générale merkten an, nach Abzug älterer, auslaufender EZB-Kredite schrumpfe die Liquiditätsspritze auf netto 200 Milliarden Euro zusammen.

FTD
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