Selbstmorde bei France Télécom "Kostenkiller" muss gehen


Die Selbstmordserie bei France Télécom hat personelle Folgen: Die bisherige Nummer zwei des Konzerns, Vize-Generaldirektor Louis-Pierr Wenes, muss gehen. Er war als "Kostenkiller" verschrien. Binnen 18 Monaten haben sich 24 France-Télécom-Mitarbeiter das Leben genommen.

Nach einer Serie von zwei Dutzend Selbstmorden bei France Télécom hat der Konzern die Nummer zwei in der Führungsetage ausgewechselt. Der für das Frankreich-Geschäft zuständige stellvertretende Generaldirektor Louis-Pierre Wenes werde ab sofort durch Stéphane Richard ersetzt, teilte France Télécom am Montag in Paris mit.

Richard soll ab 2011 ohnehin die Führung des ehemaligen Monopolisten übernehmen und Konzernchef Didier Lombard ablösen, der wegen der Selbstmordserie in Folge der Umstrukturierung erheblich unter Druck gekommen ist. Nach Gewerkschaftsangaben haben sich seit Februar 2008 zwei Dutzend Beschäftigte das Leben genommen. Mehrere nannten in Abschiedsbriefen die Arbeitsbedingungen als Motiv.

Wenes, der sich einen Namen als "Kostenkiller" gemacht hat, wird von den Arbeitnehmervertretern als Hauptverantwortlicher für das verschlechterte Klima im Konzern gesehen. Noch vor zwei Wochen hatte er den Gewerkschaften vorgeworfen, die Suizid-Serie in den Medien für ihre Zwecke auszunutzen. "Man lässt die Toten sprechen", sagte er dem Magazin "Nouvel Observateur".

Abbau von 22.000 Stellen in den vergangenen Jahren

Wenes' Nachfolger Richard war im Mai zum Nachfolger von Konzernchef Didier Lombard bestimmt worden. Er war von 2007 bis 2009 Kabinettsdirektor von Wirtschaftsministerin Christine Lagarde und steht Präsident Nicolas Sarkozy nahe.

France Télécom als drittgrößter europäischer Telekommunikationsanbieter wird noch zu knapp 27 Prozent vom Staat gehalten. In den vergangenen Jahren wurden in der Firma 22.000 Stellen gestrichen. Mehrere tausend Mitarbeiter mussten ihren Arbeitsplatz wechseln.

DPA DPA

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