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Stellenabbau: Villeroy & Boch streicht 900 Arbeitsplätze

Weiteres Traditionsunternehmen in der Krise: Wegen eines dramatischen Einbruchs der Nachfrage will Villeroy & Boch weltweit fast jeden zehnten Arbeitsplatz abbauen. Damit sollen pro Jahr rund 50 Millionen Euro eingespart werden. In Deutschland werden rund 400 Stellen gestrichen.

Nach ThyssenKrupp kündigt nun das nächste deutsche Unternehmen massive Stellenkürzungen an. Der traditionsreiche Keramikhersteller Villeroy & Boch streicht weltweit rund 900 seiner etwa 9250 Arbeitsplätze, darunter 400 in Deutschland. Erste Gespräche mit den jeweiligen Arbeitnehmervertretungen würden umgehend aufgenommen, teilte die Firma mit. Zum Abbau von Stellen gibt es nach Worten von Vorstandssprecher Frank Göring keine Alternative. Es werde aber versucht, "alle Möglichkeiten für sozialverträgliche Regelungen auszuschöpfen".

In Lübeck-Dänischburg sind rund 155 Mitarbeiter betroffen, weil dort die Produktion von Waschtischen und Toiletten voraussichtlich bis September geschlossen wird. Im saarländischen Mettlach fallen im Zuge einer Produktionsverlagerung etwa 150 Stellen weg, erklärte das Unternehmen am Freitag. Darüber hinaus werden in der Verwaltung in Deutschland 90 Stellen gestrichen.

Bereits Anfang März hatte Villeroy & Boch angekündigt, etwa 1800 seiner 2800 deutschen Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Im laufenden Geschäftsjahr 2009 verursachen die Maßnahmen Kosten von etwa 60 Millionen Euro. Vor allem zu Jahresbeginn musste das Unternehmen auf den weltweiten Märkten einen drastischen Nachfrage-Einbruch hinnehmen. Die Umsätze sanken konzernweit bis Ende Februar 2009 um rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Nachfrage im Ausland sinkt

Schon im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen die globale Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. Im ersten Halbjahr startete die Firma noch mit einem Umsatzplus von 3,8 Prozent, ehe die Nachfrage sowohl in den USA als auch auf wichtigen europäischen Märkten wie Großbritannien und Spanien deutlich einbrach. Insgesamt sank der Umsatz 2008 um ein Prozent auf 840 Millionen Euro. Der Konzern macht rund 78 Prozent seiner Umsätze im Ausland und hatte 2008 unter anderem in Asien einen Sanitärhersteller und einen Badmöbelhersteller in Deutschland übernommen.

"Ziel ist es, unsere Wettbewerbsfähigkeit wesentlich zu verbessern", erklärte Vorstandssprecher Göring. "Der Verlauf der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Lage auch für uns deutlich verschärft, daher werden wir geplante strukturelle Maßnahmen schneller umsetzen als bisher vorgesehen." Gleichwohl werde das Ergebnis 2009 noch deutlich belastet werden.

AP/DPA / AP / DPA