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stern-Einkommensreport: Was Beamte verdienen

Sie sind unkündbar und im Ruhestand bekommen sie weit mehr als normale Rentner. Staatsdiener genießen noch immer viele Privilegien. Der aktuelle stern-Einkommensreport legt Besoldung und Pensionen offen.

Von Jan Rosenkranz

Noreen Koall ist Kriminalkommissarin. Die 34-Jährige Brandenburgerin ermittelt in Sexualdelikten, 42 Stunden pro Woche, oft mehr. Im Monat verdient sie 2610 Euro. Ist das zu viel? Ist das zu wenig? In jedem Falle mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Für Beamte gilt nämlich von jeher: Mehr Netto vom Brutto. Und so bleiben der Kommissarin nach allen Abzügen (Steuern und Krankenversicherung) 1900 Euro. Als normale Arbeitnehmerin müsste sie jedoch auch Sozialabgaben entrichten, also Beiträge zur Arbeitslosen- Pflege- und Rentenversicherung. Für ein Netto von 1900 Euro bräuchte sie dann allerdings ein Brutto von 3041 Euro, also knapp 450 Euro mehr als die Beamtin verdient. Brutto ist eben nicht gleich Brutto.

Was verdienen sie also wirklich, Deutschlands 1,8 Millionen Staatsdiener bei der Polizei, in den Finanzämtern, Schulen und Behörden? Im aktuellen stern stehen 25 Beamte Rede und Antwort - und legen ihre Soldzettel offen. Der stern-Einkommensreport gibt Auskunft über den Verdienst in 100 Beamtenberufen der verschiedensten Besoldungstufen - angefangen beim Wachtmeister auf A2, der ein Einstiegsgehalt von 1688 Euro brutto verdient, bis hinauf zum Präsidenten der Deutschen Rentenversicherung, der auf B10 monatlich 11.011 Euro erhält. Die Spannbreite ist enorm. So erhält der Generalkonsul in Barcelona 6715 Euro im Monat (B3), der Juniorprofessor dagegen bescheidene 3799 Euro (W1). Der Oberstudienrat vom Niederrhein kann auf A14 bis zu 4683 Euro verdienen, für den Kölner Polizeihauptkommissar ist dagegen bei 4007 Euro Schluss. Krösus im großen stern-Ranking ist der Präsident des Bundesverwaltungsgerichtes mit monatlich 11.484 Euro brutto, gefolgt vom Staatssekretär im Bund und vom Präsidenten des Bundesrechnungshofes (jeweils 11.439 Euro).

Geregelt bis ins kleinste Detail

In Besoldungstabellen und Beamtengesetzen wird alles bis ins kleinste Detail geregelt. Nur eines nicht: Ob der Sold in jedem Falle angemessen ist. Natürlich behauptet mancher Staatsdiener oft und gerne, in der sogenannten freien Wirtschaft leicht ein Vielfaches verdienen zu können, was so pauschal natürlich Unfug ist. Aber je qualifizierter und spezialisierter ein Job ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, in der freien Wirtschaft deutlich besser entlohnt zu werden.

Fürs Arbeiten werden Beamte vielleicht nicht immer sehr gut bezahlt. Fürs Nicht-Arbeiten dagegen meistens zu gut. Um die wahren Privilegien des Beamtenstatus zu genießen, muss man den Ruhestand erreichen. Spätestens an der Pensionsgrenze öffnet sich, so zeigt die stern-Recherche, die Einkommensschere zum großen Rest des arbeitenden Volkes: Nach 40 Dienstjahren erhalten Beamte ein Ruhegehalt von knapp 72 Prozent ihrer letzten Bezüge. Das Rentenniveau eines Arbeitnehmers dagegen liegt bei 48 Prozent des durchschnittlichen Bruttogehaltes.

Wie viel Gehalt bleibt Ihnen am Ende des Monats? Überprüfen Sie es mit dem #Link;http://www.stern.de/wirtschaft/job/gehaltsrechner-brutto-netto-wie-viel-gehalt-bleibt-ihnen-am-monatsende-543270.html;Gehaltsrechner - Brutto Netto# auf stern.de.

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