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Talfahrt an der Börse: "Wir reden uns tiefer in die Krise"

Taugt der Aktienmarkt noch als Indikator für die Entwicklung der Wirtschaft? Ja, meint Börsen-Experte Fidel Helmer. Im stern.de-Interview erklärt er, warum der Deutsche Aktienindex noch mal deutlich eingebrochen ist und wann die Krise endlich zu Ende sein wird.

Herr Helmer, wie wichtig ist die Grenze von 4000 Punkten im Dax?

Wie man heute sehen konnte, war die 4000er-Grenze tatsächlich nur eine psychologische Marke. Sie hat keinerlei Bedeutung. In dem Moment, in dem sie unterschritten ist, ist die Grenze schon wieder Geschichte. Wir sind inzwischen ja schon unter 3900 Punkten.

Es heißt ja oft, gerade an der Börse sei auch die Psychologie von großer Bedeutung. Welchen Anteil hat sie wirklich bei Börsengeschäften?

Die Stimmung an der Börse macht sehr viel aus und momentan sind wir ja leider in der Situation, dass eigentlich nur schlechte Stimmung verbreitet wird. Sie können es ja täglich in den Überschriften lesen: Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Subprime-Krise, Krise bei den Autobauern, Krise bei den Finanzinstituten. Das ist natürlich ein Umfeld, in dem potenzielle Anleger sich zumindest sehr zurückhalten, wenn nicht gar aus dem Markt aussteigen.

Das Vertrauen der Kleinanleger in die Börse ist angesichts der Finanzkrise erschüttert. Welchen Wert hat die Börse noch als Indikator für die wirtschaftliche Situation in Deutschland?

Ich behaupte: Die Börse ist das Herz der Wirtschaft. Die Aktien und die Börse werden dringend gebraucht, sie sind ein Schmiermittel für die Wirtschaft. Die Unternehmen an der Börse brauchen ja Kapital um neue Investitionen tätigen zu können. Und dieses Kapital kommt in erster Linie von der Börse.

Ist die Börse momentan eher Trendsetter oder folgt sie eher dem allgemeinen Abwärtstrend?

Die Börse ist sicherlich Trendsetter, aber sie kann sich nicht dieser Menge an negativen Nachrichten weltweit nicht verschließen.

Die Schwarzmaler unter den Wirtschaftsexperten haben momentan Konjunktur. Besteht nicht gerade durch die Häufung der schlechten Prognosen die Gefahr, dass sich die Krise dadurch verschärft?

Ja, wir reden uns immer tiefer in die Krise. Wir werden ja täglich mit negativen Überschriften konfrontiert und das hat seine Auswirkungen auf die Stimmung der potenziellen Anleger und der Börsenteilnehmer. Dass man sich in so einer Situation extrem zurückhält, liegt in der Natur der Sache.

Ist es absehbar, wie lange die Krise andauern wird?

In der Vergangenheit war es so, dass Krisen eine durchschnittliche Dauer von 18 Monaten hatten. Ich gehe schon davon aus, dass diese Krise etwas Besonderes ist. In meinen 40 Börsenjahren habe ich so eine massive Krise noch nicht erlebt. Ich kann mir also vorstellen, dass sie etwas länger dauern wird. Aber die Börse nimmt ja alles ein halbes bis dreiviertel Jahr vorweg. Nachdem wir schon über ein Jahr diese Krise haben, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass nach einer geraumen Zeit der Konsolidierung in der zweiten Hälfte dieses Jahres wir dann doch im Jahr 2010 wieder steigende Börsenkurse sehen werden. Damit einher geht eine bessere Konjunktur und mit einem optimistischeren Ausblick werden auch die Börsenkurse wieder besser werden.

Interview: Thomas Krause
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