TELEFON Kleine nehmen neuen Anlauf gegen Telekom


Dabei wurde die Regulierungsbehörde kritisiert, weil sie es nach Ansicht der kleinen Telefongesellschaften versäumt hat das »Telekom-Preisdumping« zu unterbinden.

Die kleinen Telefongesellschaften in Deutschland nehmen einen neuen Anlauf gegen den Riesen Telekom. Der Präsident des Bundesverbandes der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften (breko), Udo Pauck, kündigte am Mittwochabend an, dass der Verband die Regulierungsbehörde förmlich auffordern wird, erneut die Telekom-Preise für den schnellen Internetzugang T-DSL zu überprüfen. Breko-Unternehmen klagen zudem gegen die Regulierungsbehörde wegen deren Entscheidung zur Netzzusammenschaltung.

Gegen »Preisdumping« der Telekom

Pauck übte scharfe Kritik an jüngsten Entscheidungen der Regulierungsbehörde. Die Behörde hat es seiner Meinung nach bisher versäumt, das »Preisdumping« der Telekom zu unterbinden. Ein Beispiel ist das T-DSL-Angebot. Die Wettbewerber haben angesichts der vom Regulierer trotz vorhandener Zweifel genehmigten Telekom-Preise kaum Möglichkeiten, ein entsprechendes aber Kosten deckendes Produkt am Markt zu etablieren. Der Verband, dem etwa 50 City- und Regionalgesellschaften angehören, forderte die Regulierungsbehörde auf, das Antidumpingverfahren erneut zu eröffnen. Andernfalls will breko zum 1. Dezember einen förmlichen Antrag stellen.

Preis für Anschlussleitung zu hoch

Die kleinen Telefongesellschaften bemängeln auch die Entscheidungen des Regulierers zum Preis der Teilnehmeranschlussleitung. Die 24,40 Mark netto, die sie der Telekom monatlich für den Zugang zum Endkunden »über zwei nackte Drähte« zahlen müssen, sind zu viel. 13 bis 15 Mark wären der angemessene Preis, sagte Pauck.

Umsonst investiert

Als »Bremse und Kapitalvernichter« habe sich Regulierer Matthias Kurth zudem bei der Entscheidung über den Netzzusammenschluss (Interconnection) erwiesen. Da die Behörde die Anforderungen an den Infrastrukturausbau plötzlich erheblich verringert haben, sind jetzt die Orts- und Regionalgesellschaften benachteiligt, die schon selbst erhebliche Investitionen getätigt haben. Diese haben durch den Regulierungsbeschluss praktisch »die Hälfte ihrer Investitionen klassisch in den Sand gesetzt«. Somit profitieren Betreiber, die praktisch nicht selbst investierten. Gegen diese Entscheidung gibt es inzwischen mindestens vier Klagen vor dem Verwaltungsgericht Köln.

Verzicht auf Werbung um Privatkunden möglich

Angesichts der beklagten Hindernisse sehen die City- und Regionalbetreiber ihre Zukunftsaussichten nach Darstellung Paucks verhalten. Im ersten Halbjahr 2001 wuchs zwar die Zahl der Kunden um 60 Prozent auf 1,2 Millionen und die Umsätze stiegen im gleichen Maß auf rund 1,6 Milliarden Mark. Noch schreiben die Unternehmen aber rote Zahlen.

Analoganschluss rechnet sich nicht

Wegen der »Fehlentscheidungen« des Regulierers und der Behinderung durch die Telekom müssen sich die Unternehmen fragen, welche Kunden sie sich noch leisten können, sagte Pauck. Der private Analoganschluss rechnet sich nicht. Die City-Carrier müsten deshalb im nächsten Jahr auf ein eigentlich mögliches Marktwachstum verzichten. »Wir überlegen, ob im nächsten Jahr überhaupt noch Privatkunden geworben werden sollen«, sagte Pauck. Deshalb erwartet der Verband nur noch ein Wachstum von 15 bis 25 Prozent im kommenden Jahr.


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