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Gleiches Gehalt im US-Unternehmen: Mindestlohn von 70.000 Dollar macht nicht alle glücklich

Ein US-Unternehmer kürzt sein eigenes Gehalt radikal, gleichzeitig zahlt er jedem Angestellten den gleichen, Lohn – 70.000 Dollar. Jetzt stellt sich heraus: Viele Angestellte finden das ungerecht.

Von Tim Schulze

Gravity-Payments-Chef Dan Price

Er will doch nur Gutes tun: Gravity-Payments-Chef Dan Price steht weiter hinter seiner Idee

Der junge Unternehmer Dan Price hatte vor wenigen Monaten eine revolutionäre Idee. Er beschloss, den 120 Angestellten seiner Firma Gravity Payments in Seattle, die Kreditkarten abrechnet, das gleiche Gehalt zu zahlen: 70.000 Dollar. Für die meisten Angestellten stellte das eine enorme Gehaltserhöhung dar. Sich selbst kürzte Price das Gehalt radikal auf die gleiche Höhe, um sein Vorhaben zu finanzieren. Ein Unternehmen, ein Lohn. Bei Gravity Payments sollen die massiven Gehaltsunterschiede, wie sie in vielen amerikanischen Unternehmen herrschen, der Vergangenheit angehören. Mit 70.000 Dollar kann man ein glückliches Leben führen, heißt es. Mit 40.000 muss man schon ordentlich strampeln.

Die Begeisterung der Angestellten war riesig, die Maßnahme schlug landesweit hohe Wellen. Es gab viel Lob, Gravity Payments gewann sogar neue Kunden hinzu, die von der Idee begeistert waren. Angestellte, so berichtet das Online-Magazin "Business Insider", hätten eine Familie gegründet oder endlich die Mutter aus Puerto Rico eingeflogen, weil sie es sich auf einmal leisten konnten.

Es gibt auch heftige Kritik

Doch es gab nicht nur Lob: Konservative Unternehmer und Politiker witterten den Versuch, den Sozialismus einzuführen, es hagelte Kritik und ätzende Kommentare. Einige Kunden sprangen ab, weil sie fürchteten, dass Gravity Payments über kurz oder lang seine Gebühren erhöhen würde, um die hohen Lohnkosten zu finanzieren. Price musste zusätzlich Personal anstellen, um der Flut an E-Mails, Post und Briefen Herr zu werden.

Doch nicht nur das: Wie die New York Times jetzt berichtete, regt sich auch unterhalb der Angestellten Kritik. Das ist zum Beispiel die Finanzplanerin Maisey McMaster, die wegen des Mindestlohns für alle gekündigt hat, weil sich ungerecht behandelt führt: "Er (Dan Price, Anm. d. Red.) bescherte Leuten Gehaltserhöhungen, die kaum entsprechende Fähigkeiten haben und überhaupt nicht für ihren Job geeignet sind“, zitiert die "Times" die Managerin. Und weiter: Diejenigen, die ein entsprechend höheres Gehalt hätten, hätten kaum etwas von der Anhebung.“

McMaster sei zunächst ebenfalls begeistert gewesen, aber im Laufe der Zeit hätten sich Zweifel eingeschlichen. Es wäre fairer, wenn neue Angestellte weniger verdienen, und ihr Gehalt entsprechend ihrer Erfahrung wachsen würde.

Zwei leitende Angestellte kündigen

Das sagt eine, die sich nach eigener Auskunft für den Erfolg der Firma eingesetzt hat und sich ungerecht behandelt fühlt. McMaster hat deswegen ihren Job gekündigt genau wie ein weiterer leitender Angestellter, der die gleiche Ansicht vertritt. Unterschiedliche Leistungen würden gleich bezahlt - das sei ungerecht und würde die Motivation hemmen. Es gibt sogar Angestellte, die sich durch das hohe Gehalt unter Druck gesetzt fühlten. Sie seien der Meinung, ihre Arbeit würde ein Einkommen von 70.000 Dollar nicht rechtfertigen.

Dan Price nimmt die Kritik an, dennoch hält er an seiner Idee fest: "Es gibt keinen perfekten Weg, so etwas umzusetzen und mit komplexen Probleme am Arbeitsplatz umzugehen ohne Nachteil oder Kompromisse", sagte der 31-Jährige der "New York Times". Price ist weiter von seiner Idee überzeugt. "Ich habe für mich die beste Lösung gefunden." Die meisten Angestellten sind der gleichen Meinung.

Kommentare (1)

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    Stern-Moderation

    Was halten Sie von der Idee, allen Mitarbeitern das gleiche Gehalt zu zahlen?

  • stern-Moderation
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