HOME

VERKEHR: Bahn will Preise bei Euro-Umstellung aufrunden

Bahnfahren für einen wohltätigen Zweck: Die dadurch erzielten Gewinne werden gespendet. Dafür müssen 10.000 Fahrscheinautomaten umgerüstet werden.

Wer im nächsten Jahr mit der Deutschen Bahn verreist, tut gleichzeitig Gutes. Zwar werden die Bahnfahrkarten mit der Euro-Umstellung etwas teurer, dafür will das Unternehmen die Gewinne, die es durch Aufrundungen wegen der Euro-Einführung einnimmt, am Ende des Jahres für einen wohltätigen Zweck zur Verfügung stellen. Die Bahn bereitet sich schon seit 1996 auf das Mammutprojekt Währungsunion vor und sieht sich für alle Eventualitäten gewappnet. Allein 10.000 Fahrscheinautomaten müssen zur Jahreswende umgerüstet werden.

Keine krummen Preise durch Umstellung

»Wir wollen mit der Umstellung kein Geld verdienen, wollen aber auch keines verlieren«, sagt der Leiter des Vertriebs, Jürgen Büchy. Da die Automaten als kleinste Geldeinheit fünf Cent annehmen sollen, können die Fahrscheinpreise nicht einfach eins zu eins von Mark in Euro umgerechnet werden. Krumme Preise wird es auch künftig nicht geben, erklärt Büchy.

Gewinne werden gesprendetUrlaubssperre für die Umstellung

Ansonsten will die Bahn mit den Kunden in der Schalterschlange eher großzügig verfahren. »Bei Kleingeldknappheit wird immer zu Gunsten des Kunden aufgerundet«, betont Büchy. Auch sonst soll der Kunde nicht leiden: Damit es gar nicht erst zu Schlangen kommt, haben die Mitarbeiter der Bahn in der kritischen Phase Urlaubssperre und die Schalter sollen gut besetzt sein. Helfer sollen den Pendlern, die eine persönliche Bedienung gewöhnt sind, die Schwellenangst vor den Automaten nehmen. Generell empfiehlt die Bahn in den ersten Januartagen die bargeldlose Zahlung.

Ausfälle in der Übergangsphase

Doch auch die Automatenumstellung geht nicht von einem Tag auf den anderen. Am einfachsten funktioniert dies bei den 3.500 Touchscreen-Geräten für Kartenzahlung, bei denen die Software am 1. Januar per Mausklick umgestellt wird. Die 6.500 Automaten, die Bargeld annehmen, müssen Schritt für Schritt von Hand umgerüstet werden. Etwa ein Drittel soll schon im Dezember auf Euro umgestellt werden und fällt damit bis zum Jahresende aus. Die restlichen Geräte werden im Januar und Februar angepasst. 30 Teams aus je zwei Mitarbeitern, die bundesweit bereits im Einsatz sind, schaffen die Umrüstung von sechs bis sieben Automaten täglich.

Auch Schließfächer werden umgestellt

Darüber hinaus müssen in den 5.800 Bahnhöfen 24.000 Schließfächer von Hand mit neuen Münzeinschüben ausgestattet werden. Auch das kann trotz der von der Bahn grundsätzlich gewünschten »Big-Bang-Lösung« erst im Januar geschehen. Auf die Umrüstung warten außerdem 2.600 Toiletten-Münzschlösser, 219 Parkuhren und 23 Geldwechselautomaten. Am einfachsten noch ist die Aufrüstung der 13.000 Kofferkulis, die bis zum Jahreswechsel zusätzliche Münzschlitze für einen Euro und 50 Cent Pfand erhalten. In die Mark-Luke können nach Ende der Doppelwährungsphase nur noch Plastikchips eingeschoben werden.

Wissen der geschulten Mitarbeiter soll frisch sein

Die Schulung der Mitarbeiter kommt schließlich erst in den letzten Wochen vor Jahresfrist. »Die Schulung muss frisch sein, damit sie nicht alles wieder vergessen haben, wenn es so weit ist«, sagt Scheidereit, der sich hauptsächlich mit der Umstellung der Datenverarbeitung befasst. 280 der rund 500 Datenverarbeitungssystem sind Euro-relevant. »Der Währungsübergang ist so komplex, dass er die Vorbereitungen auf den 'Jahr-2000-Wechsel' mühelos in den Schatten stellt«, erklärt Schneidereit. Bis Ende September wird in Integrationstests das reibungslose Zusammenspiel der Systeme getestet.

Mehr Geld als sonst im Lager

Ab 1. September rollen auf die Bahn auch bereits die ersten 350 Tonnen Euro im Wert von 50 Millionen Mark zu, die bis Ende Dezember auf die einzelnen Bargeld-Lager verteilt werden. Um die Sicherheit der erhöhten Bargeldbestände macht sich das Unternehmen indes keine Sorgen. An den Schaltern soll es trotz des zwei Monate langen Nebeneinanders von zwei Währungen keine deutlich höheren Wechselgeldbestände geben. Stattdessen solle häufiger als sonst Geld zugeliefert oder abgeholt werden.

Claudia Kemmer

Themen in diesem Artikel