Krankenversicherung Nichtversicherte müssen ordentlich nachzahlen

Auf Selbstständige, Minijobber und andere Menschen, die trotz Krankenversicherungspflicht noch immer unversichert sind, kommen hohe Kosten zu. Wer sich erst jetzt bei einer gesetzlichen Kasse versichert, muss rückwirkend zum 1. April 2007 Beiträge nachzahlen. Das können leicht mehrere tausend Euro werden.

Nichtversicherte oder Menschen, die erst jetzt eine Krankenversicherung abschließen, müssen nun mit einer Mehrbelastung rechnen. Schuld daran ist die Gesundheitsreform: Seit dem 1. April 2007 besteht für jeden deutschen Bundesbürger das Recht und die Pflicht einer Krankenversicherung. Wer sich erst jetzt versichert, muss rückwirkend nachzahlen, im schlimmsten Fall mehrere tausend Euro. Das trifft vor allem ehemals Selbstständige oder Minijobber, die jetzt in ein festes Arbeitsverhältnis wechseln.

Wer den Versicherungsschutz früher verloren hat, kehrt in seine letzte Versicherung zurück. Das gilt gleichermaßen für die gesetzliche wie die private Krankenversicherung. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gilt die Versicherungspflicht bereits ab dem 1. April 2007.

Kassen können Säumniszuschlag erheben

Wer sich also erst jetzt bei einer gesetzlichen Kasse versichert, beispielsweise weil er nach Jahren der Selbstständigkeit eine Festanstellung annimmt, muss rückwirkend zum 1. April 2007 Beiträge nachzahlen. Da die Kassen von Unversicherten sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberbeitrag für die vergangenen Jahre erheben, erreichen die Forderungen leicht mehrere tausend Euro.

Außerdem können die Kassen einen sogenannten Säumniszuschlag erheben - gesetzlich zulässig ist ein Aufschlag von monatlich fünf Prozent der ausstehenden Beiträge. Zu Beitragsschulden von beispielsweise 1000 Euro bei der Kasse kommen damit Monat für Monat 50 Euro hinzu. Nur wenn Versicherte gegenüber ihrer Kasse nachweisen können, dass sie tatsächlich nichts von der Krankenversicherungspflicht wussten, entfällt diese Zusatzgebühr.

Selbständige müssen mit erheblichen Forderungen rechnen

Die Beiträge, die an die Krankenkasse zu zahlen sind, ergeben sich aus dem Einkommen aus Erwerbstätigkeit seit Beginn der Krankenversicherungspflicht am 1. April 2007 und den vor Einführung des Gesundheitsfonds geltenden Beitragssätzen der Kasse. Doch auch Selbstständige und andere Personen, die in den vergangenen zwei Jahren nur sehr geringe oder gar keine Einkünfte hatten, müssen mit erheblichen Beitragsforderungen rechnen. Denn die Kassen verlangen von Geringverdienern einen Beitrag auf Basis eines fiktiven Einkommens.

Diese sogenannte Mindestbemessungsgrenze beläuft sich für Selbstständige derzeit auf 1890 Euro pro Monat. Wer beispielsweise nur auf Monatseinkommen von durchschnittlich 1000 Euro kommt, wird von den Kassen dennoch so behandelt, als würde er 1890 Euro verdienen. Damit liegt allein die Nachzahlung für Januar bis Mai 2009 bei 1464 Euro. Geförderte Existenzgründer profitieren von einer niedrigeren Mindestbemessungsgrenze von derzeit 1260 Euro, doch auch sie müssten immerhin rund 940 Euro für 2009 nachzahlen. Hinzu kommt der Säumniszuschlag.

Bislang Unversicherte müssen sich grundsätzlich bei der Krankenkasse versichern, bei der sie zuletzt waren. Nur wer in Deutschland noch nie privat oder gesetzlich krankenversichert war, kann eine Kasse mit früher niedrigen Beitragssätzen auswählen und so die Beitragsnachforderung für die vergangenen Jahre zumindest etwas senken.

Hendrik Roggenkamp/DDP DDP

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