Rentenbescheid Sicher ist gar nichts


Alle Arbeitnehmer erhalten per Post Auskunft über ihre zu erwartende Rente. Der Bescheid hat aber Macken.

Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht. Mit diesem Vorwurf attackiert die private Versicherungswirtschaft die "Renteninformation" der staatlichen Alterskasse. Der Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) verschickt seit Juni 2002 Briefe, in denen Rentenzahlern vorgerechnet wird, mit wie viel Geld sie ab ihrem 65. Lebensjahr rechnen können. Sieben Millionen Bundesbürger haben schon einen Bescheid erhalten, monatlich kommt eine Million hinzu. Doch was ist das Papier wert? "Diese Rechnungen sind zu optimistisch, viele ausgewiesene Beträge zu hoch. Besonders die Jungen werden so vom privaten Zusatzsparen abgehalten", monieren die Vertreter der Assekuranz.

Mehrere Schwachpunkte wollen die Versicherer ausgemacht haben. Die angenommene Rentensteigerung von 1,5 bis 3,5 Prozent pro Jahr sei unrealistisch hoch. Der VDR wehrt sich: Die Zahlen orientierten sich an der von EU-Kommission, der Bundesregierung und Wirtschaftsweisen geschätzten Lohnentwicklung für die kommenden Jahrzehnte. "Auch die Absenkung des Rentenniveaus durch die Riester-Reform ist eingerechnet." Bloß: Wie es mit den Löhnen tatsächlich kommt, weiß auch der VDR nicht. Zu kurz kam bisher nach Ansicht von Bert Rürup, wissenschaftlicher Berater der Bundesregierung, auch die Wirkung der Inflation. Hier bessert der VDR nach: Die Bescheide enthalten künftig einen Zusatz, dass die Kaufkraft der hochgerechneten Monatsrente in der Zukunft sinken dürfte.

Der Effekt ist gross: Wer in zehn Jahren 1.000 Euro Monatsrente bekommt, kann sich bei einer Teuerung von rund 1,5 Prozent jährlich nur noch so viel leisten wie heute für rund 850 Euro. Schon deshalb ist private Zusatzvorsorge nötig. Zumal ein Problem in der "Renteninformation" weiter außen vor bleibt: Das Umlageverfahren der staatlichen Rentenkasse ("Junge zahlen für Alte") könnte mangels Geburten und wachsender Seniorenschaft scheitern. Was dann noch die Bescheide wert sind, die heute verschickt werden, weiß keiner.

"Ab 2005 jährlich aktueller Stand"

stern: Herr Ruland, in der Hochrechnung des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger kalkulieren Sie mit Jahreszuwächsen für die Rente von 1,5 und 3,5 Prozent. An welchem Wert sollten sich Verbraucher orientieren?

Franz Ruland: An beiden. Der tatsächliche Wert dürfte etwa in der Mitte liegen. In den vergangenen 20 Jahren wuchs die Rente im Jahresschnitt mit knapp 2,9 Prozent.

Aber die Zahl der Geburten sinkt weiter, dafür steigt die Zahl der Rentenempfänger. Warum ist dieser Effekt in Ihren Schreiben nicht eingerechnet?

Das ist nicht möglich. Unsere Information darf nur auf aktuell gültigem Recht errechnet werden. Kommt es irgendwann zu einer weiteren Niveauabsenkung der Rente oder - dann mit umgekehrtem Effekt - zu einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit, passen wir unsere Information sofort an. Ab 2005 erhalten alle Versicherten jährlich ihren aktuellen Rentenstand.

Für Verbraucher, die sich auf die heutigen Werte verlassen, könnte dann aber das böse Erwachen kommen.

Deshalb raten auch wir seit je zur privaten Zusatzvorsorge - ob als "Riester-Rente", mit betrieblich organisiertem Sparen oder auch mit Immobilieneigentum.

Kritiker meinen, Ihre Information hält Verbraucher genau davon ab.

Unsere unabhängigen Begleitumfragen sagen das Gegenteil. Demnach wird die Information zu 80 Prozent direkt gelesen und viel diskutiert. Und die große Zahl neuer betrieblicher Vorsorgeverträge zeigt, dass sie dabei nicht missverstanden wird.

Interview: Frank Donovitz

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