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Rentenplanung: Das sollten Sie jetzt machen

Was die Beschlüsse der rot-grünen Bundesregierung alles ändern - und wie Sie Ihre Altersvorsorge krisensicher machen.

Die Rentenbeschlüsse der rot-grünen Bundesregierung sollten auch dem Letzten zeigen: Wenn es um die Altersvorsorge geht, ist auf den Staat allein kein Verlass mehr. Der wird sich aus der Vorsorge immer weiter zurückziehen. Die finanzielle Sicherung des Ruhestandes wird mehr und mehr Sache jedes Einzelnen. Und es ist eine Daueraufgabe: Damit im Alter genug Geld übrig ist, müssen schon die heute 25-Jährigen an die Vorsorge denken. Die 45-Jährigen müssen neu überlegen. Und auch, wer schon Rentner ist, muss mit seinem Vermögen klug haushalten. Der stern zeigt, wie man jetzt richtig vorsorgt.

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Situation Schon die Debatte um die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre (Entscheidung auf 2010 vertagt) verrät, dass das heute statistisch berechnete Rentenniveau - 69 Prozent vom letzten Nettogehalt - weiter sinken dürfte. Deshalb gilt besonders für Jüngere: Individuelle private und/oder betriebliche Vorsorge für das Alter wird zum Muss, bedeutet aber stets Verzicht heute.

Neu geplant

Renteneinzahlungen sollen schrittweise steuerfrei gestellt werden, und der Beitrag langfristig nicht über 22 Prozent vom Einkommen steigen. Dadurch soll Arbeitnehmern mehr finanzieller Spielraum für private und betriebliche Vorsorge gegeben werden. Außerdem will die Regierung die Regelungen der Riester-Rente vereinfachen - der Antrag wird nur noch einmal nötig, nicht mehr Jahr für Jahr; spätere Auszahlungen gibt es auch bei Auslandswohnsitz. Gespartes Kapital in einer betrieblichen Altersvorsorge (per Direktversicherung, Pensionskasse und -fonds oder Unterstützungskasse) soll generell bei Jobwechsel "mitgenommen" werden können. Kehrseite: Lebensversicherungsverträge würden von 2005 an die Steuerfreiheit bei Auszahlung nach zwölf Jahren verlieren.

Strategie Angebote und persönliche Strategien sind so vielfältig wie mögliche Lebenssituationen und -planungen. Faustregeln:

* Die Vorsorge auf möglichst viele verschiedene Beine stellen - Versicherung, Aktien, Fonds, Immobilie. Wer privat oder betrieblich eine Lebens- bzw. Direktversicherung abschließen will, sollte sich zügig informieren, denn von 2004 an sinkt der jährliche Garantiezins von 3,25 auf 2,75 Prozent.

* Bei allen Abschlüssen auf Kosten, Konditionen und Seriosität der Angebote und Anbieter achten - und vergleichen.

* Betrieblich organisierte Sparofferten wegen Kosten- und Steuervorteilen bevorzugen. Achtung: Direktzusagen (Betriebsrenten, aufgeschobene Vergütung) können bei Jobwechsel in der Regel nicht übertragen werden.

* Privates Riester-Sparen lohnt sich wegen hoher Zuschüsse besonders für Familien mit Kindern.

Nix mit Frührente > Tipps für 45- bis 55-Jährige

Situation Der tatsächliche Renteneintritt erfolgte zuletzt im Schnitt mit 60 Jahren. Möglich wurde dies insbesondere durch Vorruhestandsregeln, Frühverrentung und in geringerem Umfang durch Altersteilzeit. Dabei beträgt das Rentenminus 3,6 Prozent pro vorgezogenem Jahr.

Neu geplant

Vorruhestand und Frührente werden drastisch erschwert. Bereits gekürzt ist die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes von 32 auf 18 Monate. In Kombination mit dem Vorhaben, von 2006 an den tatsächlichen Renteneintritt auf 63 Jahre zu erhöhen, bedeutet das: Viele derer, die heute in ihren Fünfzigern sind, werden wohl bis 65 arbeiten müssen. Die Frührente mit 60 wegen Arbeitslosigkeit entfällt ab 2006. Und: Bis 2010 wird der Rentenzuwachs wegen des so genannten Nachhaltigkeitsfaktors und der Riester-Reform jedes Jahr rund ein Prozent niedriger ausfallen als die Lohnsteigerung.

Strategie

Wer vor 65 aus dem Beruf aussteigen will, sollte auf Altersteilzeit-Angebote seines Betriebes setzen. Die Regeln hierfür sind bis 2009 gesetzlich abgesichert. "Dabei entstehen für Arbeitnehmer je nach Gestaltung vergleichsweise geringe Abschläge", sagt Martin Reißig von der Hamburger Rentenberaterkanzlei Schulz, Reißig & Kollegen. Versorgungslücken müssen durch schon laufende private oder betriebliche Sparverträge ausgeglichen werden.

Reicht das nicht, kann ein zusätzlicher privater Riester-Banksparvertrag helfen: Die Eigenbeiträge plus Staatszuschüsse in dieser sehr risikoarmen Geldanlage bringen ab 65 dann eine Zusatzrente. Für Arbeitnehmer mit zwölf Jahren und mehr bis Rentenbeginn kann sich zudem eine Lebensversicherung rechnen - bis 2005 noch steueroptimal als betriebliche Direktversicherung, danach soll besteuert werden. Wichtig: Bei allen privaten Vorsorgeverträgen sollten die Verlustrisiken zum Beispiel bei Aktienfonds deutlich begrenzt werden.

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Situation Die mittlere Rente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Versicherungsjahren beträgt jetzt knapp 1.100 Euro monatlich. In den vergangenen 20 Jahren stieg die Rente im Schnitt jährlich um annähernd drei Prozent, zuletzt im Juli 2003 um gut ein Prozent. Die letzte Nullrunde gab es im Jahr 1978.

Neu geplant

Im nächsten Jahr fällt die Rentenerhöhung aus. Gleichzeitig sollen Rentner von April 2004 an den vollen Beitrag zur Pflegeversicherung von 1,7 Prozent zahlen - so entsteht eine reale Rentenkürzung von 0,85 Prozent. Die Gesundheitsreform fordert von Rentern zudem höhere Selbstbeteiligungen, die Ausgliederung des Zahnersatzes und einen Sonderbeitrag für Krankengeld von 0,5 Prozent.

Darüber hinaus werden Nebeneinkünfte stärker als bisher zur Bemessung der künftigen Rentensteuer und Krankenversicherung herangezogen. Davon betroffen: zwei bis drei Millionen Rentner mit Zusatzeinkünften. Statt bisher 27 Prozent sind durch die neue Art der Besteuerung künftig 50 Prozent der Einnahmen steuerpflichtig. So bleiben zwar die meisten Renten weiterhin steuerfrei, aber mehr Zins- und Mieteinkünfte rutschen in die Steuerpflicht.

Strategie

Das gesamte Ersparte sollte im Rentenalter risikoarm und kostengünstig auf Tagesgeldkonten oder in Geldmarktfonds sofort verfügbar sein. Schon die Zinsen bzw. Ausschüttungen hierfür können Nullrunden bei der gesetzlichen Rente ausgleichen. Wer mit Zins- und Mieteinnahmen über den neuen Bemessungsgrundlagen liegt, kann Vermögen auf Angehörige, etwa Kinder oder Enkel, übertragen - steuergünstig als Schenkung.

Weitere Möglichkeit: verzinste Guthaben in eine private Rentenversicherung mit Sofortauszahlung umwandeln. Dafür soll künftig weniger Steuer auf Ertragsanteile anfallen. Attraktiv bleibt für Rentner zudem, Gespartes in selbst genutzes Wohneigentum zu stecken.

Frank Donovitz, Mitarbeit: Lorenz Wolf-Doettinchem

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