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Überversicherung: Gegen die falschen Risiken zu teuer versichert

Noch immer werden viele Versicherungen gekündigt, weil sie den Versicherten zu teuer erscheinen. Dieser Eindruck trügt selten - allerdings machen sich falsche Versicherungen nicht nur beim Preis bemerkbar.

Es gibt mehr als 80 Millionen Lebensversicherungspolicen in Deutschland. Doch für jeden zweiten Kunden ist diese Wahl der Vorsorge zu teuer und nicht an die Lebensbedingungen angepasst. Kein Wunder also, dass die Hälfte aller Verträge vorzeitig gekündigt wird. Zugleich ist jedoch jeder dritte Haushalt in Deutschland ohne den dringend nötigen Schutz einer privaten Haftpflichtversicherung. Macht sich eines der Familienmitglieder schadenersatzpflichtig, droht im schlimmsten Fall das lebenslange Abzahlen einer Verbindlichkeit ohne Hoffnung, jemals aus der Schuldenfalle herauszukommen. Auch das Risiko, irgendwann nicht mehr arbeiten zu können, ist schlecht abgesichert: Erst jeder sechste hat einen Versicherungsschutz dagegen, dass er aus gesundheitlichen Gründen seinen Job nicht mehr ausüben kann.

Entscheidung wird lieber delegiert

Die Zahlen machen klar, dass viele Menschen falsch versichert sind. Sie legen viel Geld für Policen hin, die sie nicht brauchen, während an anderer Stelle wichtiger Versicherungsschutz fehlt. Der Grund dafür: Vielen Menschen fehlt das Gespür dafür, welche Risiken versichert werden sollten und welche nicht. Sie legen die Entscheidung lieber in die Hand eines Versicherungsvertreters - frei nach dem Motto: Der macht das schon.

Das mag sogar zutreffen, nur macht er es leider oft nicht richtig. Vertreter und Makler leben davon, ihren Kunden etwas zu verkaufen. Zuweilen bleiben beim Wunsch nach einem guten Geschäft die guten Sitten außen vor - mit verheerenden Folgen: Der Verkäufer verdient gut und versichert schlecht. Umso wichtiger ist es deshalb, das richtige Gespür zu entwickeln, welche Policen nötig sind und welche nicht.

Große Risiken zuerst absichern

Bei der Auswahl hilft schon das strikte Beachten des Grundsatzes "Die großen Risiken zuerst - die kleineren können warten". Zunächst einmal müssen existenzielle Risiken abgesichert werden. Dazu gehört der eigene Tod, denn die Familie muss mit einer Risiko-Lebensversicherung abgesichert sein, wenn der Hauptverdiener ausfällt.

Genau aus diesem Grund ist auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung ein Muss: Ohne Einkommen wird die gesamte finanzielle Lebensplanung über den Haufen geworfen - und dagegen muss man sich einfach schützen. Zu den wichtigsten Versicherungen zählt zudem für gesetzlich nicht Versicherte der Schutz gegen Krankheiten und Unfälle in Form einer privaten Krankenversicherung. Immerhin gibt es mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland ohne Krankenschutz. So mancher weiß das nicht einmal, etwa weil er aus der kostenlosen Familienversicherung herausgefallen ist.

Meist überflüssig: Insassen-Unfallversicherung

Dem stehen die kleinen Risiken gegenüber, gegen deren finanzielle Folgen die meisten Menschen auch ohne Versicherung gewappnet sind. Dazu zählt beispielsweise eine Reisegepäckversicherung. Kaum jemand wird ernsthaft in finanzielle Nöte kommen, wenn der Koffer gestohlen wird. Dazu zählen aber auch schlicht überflüssige Versicherungen wie die Insassen-Unfallversicherung für Autos. Diese Versicherung deckt Risiken ab, die in aller Regel bereits durch die KfZ-Versicherung erfasst sind. Folglich sind die Kunden damit schlichtweg überversichert.

Auch viele Ergänzungen zur Hausratversicherung sind purer Unsinn wie etwa die Glasbruchversicherung. Eine kaputte Scheibe ist einfach kein Risiko, das den Versicherten in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht. Und genau diese Frage sollten sich Interessierte vor jeder Unterschrift unter einen Vertrag stellen: Sichert die Police wirklich ein existenzielles Risiko ab oder kann ich einen Schaden im Fall der Fälle selbst tragen? Nur wenn die Antwort eindeutig "Nein!" lautet, gehört die Versicherung zu den wirklich wichtigen Policen. In allen anderen Fällen sollte man lieber zweimal überlegen, bevor man seine Unterschrift unter den Vertrag setzt.

Oliver Mest/DDP / DDP
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