HOME

Verbraucher: "Bei Flugausfall gibt's bis zu 600 Euro"

Der Anwalt Kay P. Rodegra über die Pflichten der Veranstalter.

Urlauber buchen eine Pauschalreise mit der LTU - und am Start steht eine Exotenlinie. Dürfen Reiseveranstalter kurzfristig die Fluggesellschaft wechseln?

Ja. Und viele Reiseveranstalter behalten sich ein Änderungsrecht sogar ausdrücklich vor. Solch ein Vorbehalt ist zumeist in den allgemeinen Geschäftsbedingungen zu finden. Der Wechsel zu einer gleichwertigen Airline stellt für sich allein genommen auch keinen Reisemangel dar.  

Gibt es gar keine Garantie für eine bestimmte Fluggesellschaft?

Sichert der Reiseveranstalter im Katalog oder in der Reisebestätigung den Flug mit einer bestimmten Gesellschaft ausdrücklich zu, dann muss er sich hieran auch halten. Kommt es doch zum Wechsel, kann der Urlauber vor dem Abflug in seine Ferien kostenlos zurücktreten oder einen Reisemangel geltend machen, das heißt: eine Reisepreisminderung verlangen.

Muss man ansonsten in jeden Schrottflieger einsteigen?

Nein, kein Passagier kann gezwungen werden, in ein Flugzeug einzusteigen, das er nicht für sicher hält. Allerdings wird er in Beweisnot kommen, wenn er anschließend Ansprüche geltend machen will. Subjektive Bedenken genügen nicht. Der Passagier muss schon darlegen können, warum von einer Unsicherheit des Flugzeuges ausgegangen werden musste.

Sind Billigflieger immer schlecht?

Keinesfalls. Die so genannten Billigflieger sind denselben Sicherheitsvorgaben unterworfen wie renommierte Airlines. Viele Fluggesellschaften, die massiv mit Billigtickets werben, verfügen zudem über eine junge Flotte und lassen die Wartungsarbeiten bei großen Fluggesellschaften machen.

Bald sollen Flugpassagiere mehr Rechte bekommen. Wie wirken die sich aus?

Seit Ende Juni gilt für viele internationale Flüge ab Deutschland das so genannte Montrealer Abkommen. Das bringt für den Passagier allerhand Verbesserungen. Beispielsweise ist bei Unfällen mit Personenschäden die generelle Haftung des Luftfrachtführers auf zirka 123.000 Euro pro Fluggast angehoben worden. Kann der Luftfrachtführer seine Schuldlosigkeit nicht nachweisen, haftet er sogar unbegrenzt. Ab Februar 2005 tritt zudem eine europäische Verordnung in Kraft, die zum Beispiel jedem Passagier bei Nichtbeförderung oder Annullierung des Fluges eine Entschädigung bis zu 600 Euro zubilligt.

Muss der Veranstalter auf eine Thrombosegefahr bei Langstreckenflügen hinweisen?

Deutsche Gerichte haben eine solche Informationspflicht bisher abgelehnt. Allerdings wird das Thema weiter diskutiert. Viele Airlines greifen diese Problematik bereits freiwillig auf und regen in Bordfilmen zum Bewegungstraining an.

Was versteht man unter der Verkehrssicherungspflicht des Veranstalters?

Der Reiseveranstalter hat eine Überwachungspflicht für die von ihm angebotenen Leistungen. Er hat somit unter anderem eine Kontrollpflicht hinsichtlich der Sicherheitsstandards des Beförderungsunternehmens und auch der Hotels am Urlaubsort.

Haftet der Veranstalter für jede Gefahr am Urlaubsort?

Nein. Der Veranstalter haftet zum Beispiel nicht bei der Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos. Rutscht ein Gast etwa am Hotelpool aus, so ist der Veranstalter hierfür nicht verantwortlich.

Interview: Brigitte Zander

print
Themen in diesem Artikel