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Vorbereitung: 10 Tipps für Arbeitnehmer

Welches sind erste Signale, dass Ihnen am Arbeitsplatz Probleme drohen, und wie sollten Sie sich verhalten? Detlef Büdel, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Frankfurt erklärt, worauf Sie achten sollten!

1. Achten Sie auf erste Signale: Wenn Ihnen Tätigkeiten entzogen werden, Sie nicht mehr zu Meetings eingeladen werden oder Ihnen Informationen vorenthalten werden, die Sie früher bekommen haben, können Sie damit rechnen, dass Ihr Arbeitgeber eine Kündigung vorbereitet. Kommt die erste Abmahnung, lassen Sie sich beraten. Auf keinen Fall ignorieren. Je früher Sie einen Experten einschalten, umso mehr können Sie erreichen.

2.

Beratungshilfe

gibt es beim Betriebsrat, bei der Gewerkschaft, aber auch bei der Rechtsanwaltskammer. Fragen Sie nach einem Fachanwalt für Arbeitsrecht. In größeren Städten gibt es viele Büros, die ausschließlich Arbeitnehmer vertreten. Auch die Rechtsberatungsstelle des örtlichen Arbeitsgerichtes kann hier weiterhelfen. Unter www.arbeitnehmeranwaelte.de finden Sie bundesweit Adressen von Fachanwälten, die Arbeitnehmer vertreten.

3.

Kleinere Verfahren

, wie das Einklagen eines Arbeitszeugnisses, können auch ohne Anwalt und kostenlos geführt werden. Das örtliche Arbeitsgericht setzt dann die Klage auf. Bei aufwändigeren Fällen sollte ein Anwalt dabei sein, der ohne Emotionen und fachkompetent das Beste für Sie erstreiten kann.

4. Die Rechtsberatungsstelle im Arbeitsgericht beantragt auch Prozesskostenhilfe. Ob ein Anspruch aufgrund fehlender Einnahmen nach der Kündigung besteht, ermittelt die Rechtsberatungsstelle oder der Anwalt. Grundsätzlich empfliehlt sich bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage für jeden Arbeitnehmer eine Rechtsschutzversicherung. Denn ob Sie den Fall für sich entscheiden oder nicht: In der ersten Instanz muss nicht nur der Arbeitgeber, sondern müssen auch Sie Ihre Anwaltskosten immer selbst tragen.

5. In der Regel gilt: Fast alle Anwälte berechnen ihre Gebühren nach der

Bundesrechtsanwaltsordnung (demnächst: Rechtsberatungsvergütung)

. Grundsätzlich beträgt der Streitwert bei einem Kündigungsschutzprozess ein Vierteljahresgehalt des Klägers. Wird lediglich ein Arbeitszeugnis eingefordert, beträgt der Wert etwa ein Bruttomonatsgehalt. Der Streitwert beziffert die gesamten Prozess-, nicht die Anwaltskosten. Beispiel: Verdient ein Banker 40.000 Euro im Jahr, dann beträgt der Streitwert in einem Kündigungsschutzprozess 10.000 Euro. Bei einer Einigung fallen für den Kläger dann rund 1.500 Euro Anwaltsgebühren an. Fast alle Kündigungsschutzprozesse (80 Prozent) enden mit einem Vergleich.

6. Wer in einem Kündigungsschutzprozess um die Wiederherstellung des Arbeitsverhältnisses kämpfen will, muss sich gut darauf vorbereiten. Die

Verfahrensdauer

darf nicht unterschätzt werden. In Frankfurt am Main muss zum Beispiel mit sieben bis zwölf Monaten zwischen der Einreichung der Klage und einem Urteil in der ersten Instanz gerechnet werden.

7. Doch auch wenn der Arbeitnehmer nicht beabsichtigt, wieder für seinen Arbeitgeber zu arbeiten, lohnt sich eine Kündigungsschutzklage. Erreicht werden kann unter anderem die Umbenennung einer fristlosen in eine fristgerechte Kündigung, die Zusicherung qualifizierender und wohlwollender Arbeitszeugnisse und die Zahlung einer Abfindung. Eine Abfindung steht nicht jedem automatisch zu, sondern muss immer verhandelt werden, wenn sie nicht im Sozialplan des Betriebes festgeschrieben ist oder vom Arbeitgeber freiwillig angeboten wird.

8. Eine

Klage muss spätestens

drei Wochen nach dem Kündigungsschreiben beim Arbeitsgericht eingehen.

9. Wer sich schon bei der

ersten Abmahnung

Rat holt, kann rechtzeitig mit dem Anwalt Strategien entwickeln. Reagieren Sie nicht überstürzt. Drückt Ihnen die Personalleitung einen Aufhebungsvertrag in die Hand, unterschreiben Sie nicht vor Ort, sondern nehmen Sie den Vertrag mit nach Hause. Sprechen Sie mit Ihrem Anwalt oder zumindest mit Freunden über das weitere Verfahren. Sobald Sie unterschrieben haben, verwirken Sie ihre Chance auf eine Abfindung und andere Rahmenbedinungen, die Sie in einem Kündigungsschutzprozess mitgestalten können.

10. Heben Sie Abmahnungen auf, notieren Sie sich die ersten Signale (Entzug von Tätigkeiten usw), die eine Kündigung einleiten. Sammeln Sie für Ihren Anwalt beim Betriebsrat, in der Presse oder im Internet Informationen über die wirtschaftliche Situation Ihres Betriebes. Eine

gute Recherche

steigert die Chance auf einen Prozessgewinn.

Detlef Büdel / print
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