Acht neue Folgen bei Disney+
Zweite Staffel "Paradise": Die beste Unterhaltungsserie der Saison?

  • von Eric Leimann
Agent Xavier Collins (Sterling K. Brown) ist zurück mit Staffel zwei der vierfach Emmy-nominierten Erfolgsserie "Paradise". Diesmal muss er auch außerhalb des intrigenreichen Colorado-Bunkers "ermitteln" und überleben.
Agent Xavier Collins (Sterling K. Brown) ist zurück mit Staffel zwei der vierfach Emmy-nominierten Erfolgsserie "Paradise". Diesmal muss er auch außerhalb des intrigenreichen Colorado-Bunkers "ermitteln" und überleben.
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Dan Fogelmans und Sterling K. Browns wilder Genremix zwischen Politthriller, Sci-Fi-Experiment und emotionalem Survival-Drama geht in Staffel zwei: Der vierfach Emmy-nominierte Serienhit "Paradise" schlägt sich überraschend gut. Denn eigentlich war die Geschichte auserzählt.

Wer immer noch nichts von der Serie "Paradise" bei Disney+ gehört hat, aber vorhat, noch mit der ersten Staffel einzusteigen, sollte an dieser Stelle besser mit dem Lesen des Textes aufhören. Die vierfach Emmy-nominierte Serie des "This Is Us"-Schöpfers Dan Fogelman sorgte im Februar 2025 mit ihrer ersten Staffel für einen atemberaubenden Plot-Twist am Ende der ersten Folge. Hier nun also der Mega-Spoiler: Agent Xavier Collins (Sterling K. Brown) muss zu Beginn von Staffel eins die mysteriöse Ermordung seines Präsidenten (James Marsden) in dessen Haus hinnehmen. Wie konnte so etwas passieren?

Was sich zu Beginn wie ein klassischer Polit-Thriller anfühlte, erweiterte am Ende der furiosen ersten Episode sein Genre: Der Präsident war lediglich Oberhaupt einer kleinen, wenn auch luxuriösen und amerikanisch idealtypischen Gemeinde in einem Bunker unter der Erde Colorados. Die Welt darüber war in einer von Superreichen und Tech-Nerds antizipierten Apokalypse flöten gegangen. Staffel zwei erkundet nun die Welt außerhalb des Bunkers, wo Xavier seine tot geglaubte Frau Teri (Enuka Okuma) sucht. Acht Folgen umfasst die zweite Staffel. Zum Start am Montag, 23. Februar, stellt Disney+ drei Folgen bereit. Die restlichen acht Episoden folgen im Wochenrhythmus bis 30. März.

Was wäre emotionaler als der Weltuntergang?

"Paradise" war bei den letzten Emmys ein kleiner Coup gelungen. Niemand hatte die Serie, die zu einem großen Publikumserfolg geworden war und für Gesprächsstoff im Internet unter Serienfreunden sorgte, so richtig auf dem Schirm. Dennoch erhielt sie die begehrte Nominierung als "Beste Dramaserie" und drei Schauspiel-Nominierungen: Sterling K. Brown ("This Is Us") als bester Hauptdarsteller sowie James Marsden als Präsident (in den zahlreichen Rückblenden der Serie) und Julianne Nicholson (als einflussreiche Milliardärin "Sinatra") als beste Nebenrollen.

Selbst wenn "Paradise" keinen Emmy ergattern konnte, gehört die Hulu-Produktion zu den in Sachen Twists und Erzähl-Plots schlausten und unterhaltsamsten Serien der letzten Jahre. Vielleicht ist sie sogar das "Lost" unserer Zeit, denn verschachtelte Mystery-Plots gehören zur Kernkompetenz der Serie. Manchmal navigiert sie haarscharf am "Pulp", also an der Bewegtbildversion des Groschenromans vorbei, und doch sind die Erzählstränge und Wendungen so clever gebaut und die Faszination der postapokalyptischen Welt so groß, dass es schwerfällt, sich dem Ganzen zu entziehen.

Dazu kommt eine weitere Kompetenz des Serienschöpfers Dan Fogelman, die auch sein Familiendrama "This Is Us" so stark machte: Dieser Mann, hier agiert er als Showrunner und gelegentlicher Drehbuchautor, weiß, wie man emotional bewegende Geschichten erzählt. Und was wäre emotionaler als der Weltuntergang?

Die Neuerfindung der Serie gelingt den Machern bestens

Loben muss man die neuen Folgen, über deren Erzählentwicklung zu Beginn nichts gespoilert werden soll, auch deshalb, weil die Geschichte mit dem Ende von Staffel eins auserzählt schien. Mörder und Intriganten waren enttarnt, das Böse zeitweise besiegt, aber die Welt da draußen offenbar nicht ganz so unbewohnbar, wie die meisten im Bunker glaubten. Zum Finale von Staffel eins macht sich Agent Collins auf den Weg nach draußen, um seine geliebte Frau Teri zu suchen, die sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in Atlanta befand. Am Ende jener Staffel eins erhielt Collins einen Hinweis, dass sie noch am Leben sein könnte.

Woraufhin er sich auf den Weg dorthin und damit in die Welt außerhalb des Bunkers begibt, die im bisherigen Serienverlauf nur als intakte Version in Rückblenden zu sehen war. Man muss sagen: Die Neuerfindung der Serie gelingt den Machern bestens. Gerade Episode eins, die eine erst mal mit dem alten Plot unverbunden erscheinende Geschichte erzählt, ist brillant und macht große Lust auf die neuen acht Folgen. Und wer weiß: Vielleicht bekommt "Paradise" ja in der kommenden Saison seinen mittlerweile fast schon verdienten Emmy.

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