Einfach Elli
Zwischen ADHS und Alpenidyll: Die neue ZDF-Reihe begleitet eine etwas andere Notfallsanitäterin

  • von Maximilian Haase
Klara Deutschmann spielt in "Einfach Elli" die titelgebende junge Notfallsanitäterin, die mit ADHS lebt.
Klara Deutschmann spielt in "Einfach Elli" die titelgebende junge Notfallsanitäterin, die mit ADHS lebt.
© ZDF/Susanne Bernhard
Notfälle in idyllischer Berglandschaft – aber ein bisschen anders: In der neuen ZDF-Medicalreihe "Einfach Elli" geht die titelgebende Sanitäterin dank ADHS mit sozialen und medizinischen Situationen bisweilen ungewöhnlich um.

Dramatische Notfälle und fähige Ärzte vor herrlichem Alpenpanorama, diese reizvolle Szenerie kennt und schätzt das deutsche TV-Publikum. Doch während etwa "Der Bergdoktor" auf heimeliges Vertrauen und "Die Bergretter" auf alpine Extremsituationen setzen, gibt das ZDF dem Genre nun einen neuen Dreh: Die Reihe "Einfach Elli" erzählt von einer empathischen Notfallsanitäterin, die mit ADHS lebt und ihre Arbeit daher eher ungewöhnlich angeht. Klara Deutschmann verkörpert die etwas andere Hauptfigur der neuen Primetime-Medical, die vorerst mit zwei Episoden auf dem beliebten Sendeplatz am Donnerstagabend zu sehen ist.

Im Mittelpunkt steht die titelgebende Elli Kempfer, die in ihren Heimatort Steinau im Karwendelgebirge zurückkehrt und dort als Notfallsanitäterin in der die Rettungsstelle Karwendel Nord anfängt. Gleich am ersten Tag, noch bevor sie die Unfallklinik überhaupt betreten hat, rettet sie einer schwer verletzten Frau das Leben. Elli ist besonders, und das zeigt sich an ihrer Intutition: Sie erkennt, dass hinter dem Hörverlust einer jungen Musikerin (Renée Gerschke) mehr steckt – und beeindruckt damit gleich ihre neuen Kollegen.

Allen voran Oberarzt Dr. Mark Sorell, dem Marcus Mittermeier fast schon einen charismatischen Clooney-Touch verleiht. Weil Sorells Frau (Sophie von Kessel) den Laden streng managt und sein Sohn Felix (Sebastian Griegel) mit Elli im Notarztwagen fährt, ist das "Familienunternehmen" komplett. Auch der Rest der Klinik beäugt die Neue neugierig; zu Notarzt Jasper (Lucas Reiber) spürt Elli gar eine besondere Verbindung.

Positiv, aber nicht ohne Probleme

Das Innenleben der Hauptfigur ist ungewöhnlich präsent: "Ich verzettel mich manchmal, rede zu viel, schiebe Dinge auf, aber dafür kann ich Informationen viel schneller verarbeiten als andere und nehme sehr intensiv wahr", beschreibt Elli ihre Kondition. Und welch' andere Serienärzte ziehen sich schon regelmäßig auf Almwiesen zurück, um zur Ruhe zu kommen?

Dass die Sanitäterin ADHS hat, wird weder zum Makel noch zur Marotte gemacht, sondern komplex thematisiert. "Elli ist ein reflektierter Mensch, medikamentös gut eingestellt. Sie weiß mit ihrer neurologischen Besonderheit umzugehen, sie auch einzusetzen und als Stärke zu begreifen", sagt Klara Deutschmann laut Sender über ihre Figur, mit der sie – in der Tat perfekt besetzt – gleich Sympathiepunkte beim Publikum sammelt. Zugleich stehe Elli sich und anderen "auch häufiger mal im Weg". Sie habe beim Dreh gelernt, "wie vielfältig ADHS ist und wie unterschiedlich es sich von Person zu Person zeigt" und dass es "keine Einschränkung ist, sondern viele besondere Seiten hat", so die 36-jährige Schauspielerin auch im Interview mit der Agentur teleschau.

In diesem Spannungsfeld findet die Reihe einen charmanten Ton: positiv und lebensfroh, aber keineswegs zuckersüß frei von Problemen und Konflikten. Dass diese sich dann zumeist doch irgendwie lösen lassen, liegt natürlich in der Natur des Genres.

Durchaus Thema sind Hierarchien im Klinikalltag, Personalmangel und gestiegene Kosten, aber auch die Skepsis mancher Kollegen ("Ist die irgendwie neurodivergent?"), die es Elli nicht einfach machen. Im Privatleben, das die Serie ebenso ausführlich beleuchtet, findet sie Rückhalt bei ihrer hippiesken Mutter Luise (Clelia Sarto), die sie allein großzog und auf deren Hof sie nun lebt. Mit Leo hat sie zudem eine Art Ersatzvater, gespielt herrlich paternalistisch-liebevoll von Rainer Bock. Doch auch hier ist einzig die Natur makellos: Ein Familiengeheimnis erschüttert die Mutter-Tochter-Beziehung, und ein Unfall bringt Leo in Gefahr.

"Ich kann sehr schlecht Blut sehen"

"Einfach Elli" (Regie: Gunnar Fuß) findet eine gute Balance zwischen Notfällen, Introspektive, persönlichen Beziehungen und Humor. "Für mich liegen das Drama und der Wunsch zu lachen sehr nah beieinander", so Produzent Friedemann Goez, der gemeinsam mit Christiane Rousseau auch die Drehbücher schrieb. Zentral sind die Herausforderungen im Notarztwagen ("Wir sind kein Taxi!") und Klinikalltag ("In dem Job musst du Grenzen ziehen" – "Das kann ich nicht immer so gut"), wobei die Dreharbeiten in realen Klinikräumen laut Marcus Mittermeier "sehr heikel" gewesen seien, "weil wir wirklich so drehen mussten, dass wir den Betrieb nicht stören".

All das findet in der lieblichen Landschaft Südbayerns statt, wo der Kontrast zu medizinischen und menschlichen Dramen noch einmal größer erscheint und die Ärzte ihren Patienten schonmal auf dem Traktor begegnen. Viel Potenzial zum Publikumsliebling hat die neue Reihe jedenfalls – vor allem dank ihrer Hauptfigur. Klara Deutschmann selbst hätte Ellis Beruf laut ZDF übrigens "auf gar keinen Fall" ergriffen: "Ich kann sehr schlecht Blut sehen", gesteht sie, was oft zur Belustigung am Set geführt habe. Dank intensiver Vorbereitung und Beratung merkt man ihr das aber nicht an.

Auf die Premierenfolge "Neuanfang" folgt eine Woche später die zweite Episode "Verzeihen" (Donnerstag, 19. März, 20.15 Uhr, ZDF). Beide Filme sind bereits ab Donnerstag, 5. März, online als Stream abrufbar.

Einfach Elli – Do. 12.03. – ZDF: 20.15 Uhr

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