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1. Juni 2006, 12:23 Uhr

Sensationslust und Erotik

Der Fotograf Helmut Newton verstand es wie kein anderer, bestehende Tabugrenzen der Fotografie neu zu definieren. Eine Ausstellung in Berlin zeigt einige seiner weniger bekannten Bilder und präsentiert eine ungewöhnliche Zusatz-Ausstellung.

"Playboy"-Fotografie von Helmut Newton© Helmut Newton

Bilder, die sich unbeobachtet fühlende Menschen zeigen, haben von jeher eine nicht zu leugnende Anziehungskraft. Paparazzi-Fotos befriedigen Neugierde und Sensationslust. Auch Helmut Newton, der zu Lebzeiten teuerste Fotograf der Welt, konnte sich diesen besonderen Bildern nicht entziehen und hatte sich dieses Phänomens angenommen. "Seit Jahren habe ich Fotografien aus der Tagespresse und aus Magazinen ausgeschnitten, insbesondere aus Italienischen, die regelmäßig Paparazzi-Bilder publizieren, und in der Schublade verwahrt. Sie inspirieren mich. Später entwickelte ich eine große Begeisterung für die ,Vermischten Seiten'. Der legendäre Chefredakteur von Paris Match, Roger Therond, beauftragte mich mehrfach, solche Ereignisse zu fotografieren", sagte er 2002.

Die aus dieser Inspiration entstandenen Fotografien sind ab dem 4. Juni im Museum für Fotografie in Berlin zu sehen, die Helmut Newton Stiftung zeigt die Ausstellung unter dem Namen "Yellow Press". Doch eine Newton-Ausstellung wäre keine Newton-Ausstellung, wären keine Erotik-Bilder zu sehen. Der in Berlin geborene Fotograf revolutionierte mit seinem erotischen Stil die Modefotografie wie kein anderer seiner Zeit. Nach eigener Aussage war Newton aber mehr Feminist denn ein Ausbeuter der Frauen. Er habe die Gabe, seinen Modellen das Gefühl zu geben, sich nie unterlegen, sondern immer beherrschend wirken zu lassen. Seit den 70er Jahren arbeitete der 2004 verstorbene Newton auch für den "Playboy" und erweiterte mit seiner unnachahmlichen Bildsprache die in diesem Bereich bestehenden Tabugrenzen.

Selbst-Porträts der ungewöhnlichen Sorte

Neben den beiden neuen Newton-Ausstellungen wird erstmals auch einer anderen Fotografin in der Helmut Newton Stiftung ein Forum gegeben: Vera Lehndorff. In den 1960er Jahren wurde sie unter Pseudonym Veruschka zu einer der meistgebuchten und meistpublizierten Modelle der internationalen Mode. Viele berühmte Fotografen haben mit ihr gearbeitet, unter ihnen auch Helmut Newton, bevor sie selbst mit camouflagehaften Körperbemalungen als Künstlerin Aufsehen erregte. In den 1990er Jahren entstand ein selbstreferentielles Projekt, in dem sie – gemeinsam mit dem Fotografen Andreas Hubertus Ilse in New York – als Veruschka und in verschiedenen anderen Rollen vor der Kamera agiert hat.

Die Ausstellung "Veruschka Self-Portraits" zeigt die Künstlerin in ausgefallenen Kostümen, die eigens für sie angefertigt wurden, als Bettlerin und Punkerin oder in einem Geschlechtertausch als männlichen Intellektuellen und afroamerikanischen Präsidenten.

Frauke Hansen
 
 
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